Die Zwei sind wie Tom & Jerry, Chuck & Lerry oder Doug und Carrie

 ASD haben am 03.07.15 ihr zweites Kollabo-Album über Four Music veröffentlicht. Der Longplayer von Afrob und Samy Deluxe erscheint unter marktunüblichen Umständen und „überrascht“ mit Altbewährtem. Klingt komisch, ist aber geil.

Wer hätte das gedacht“

Hochkonjuktur im Deutschrap, Sprechgesangsartisten charten so hoch wie nie. Im Wochentakt erscheinen zahlreiche Alben diverser Rapper und bringen Flow in die sonst mit Schlager- und Popmusik zugemüllten Top100. Langsam aber sicher kann man behaupten, dass Hip-Hop auch in good old germany (wieder) angekommen ist.

Kein Wunder also, dass in letzter Zeit immer mehr alte Hasen wieder an das Mic steppen und das Projekt Comeback in`s Visier nehmen. Ob Denyo, MC Rene oder Curse – viele MCs, die die deutsche Hip Hop-Kultur entscheidend mitgeprägt haben, gaben bereits ihre unverhoffte Rückkehr bekannt und stießen dabei nicht immer auf die erhoffte Begeisterung.

Ein tiefgründiger Sinn liegt bestimmt nicht hinter dem Albumtitel „Blockbasta“. Versuche lyrische Leckerbissen zu kreieren, werden glücklicherweise größtenteils nicht unternommen. Zu Beginn der LP beschränken sie sich auf ihre Stärken und fordern den Hip-Hop-Hörer in „die Partei“ auf, für keinen außer ASD zu stimmen. „Komm und setz dein Kreuz“, eingefleischte Heads haben das schon einmal gehört.

Der Intro-Song geht kräftig nach vorne und kreiert Lust auf „ein Album voller Sneak-Preview`s“. Dieser kraftvolle Beat wurde von Bazzazian aka Benny Blanco produziert und strotz nur so vor Energie und Power. Die beiden MC`s passen sich hervorragend an und können gut dagegen halten.

ASD bei der offiziellen Pressekonferenz

Zurück zu den Wurzeln

Die Party geht mit jeder Menge Power rasant weiter. Der zweite Banger „Blockbasta“ startet folgendermaßen:
“Realtalk: Ich hab keine Schusswaffen/

Will mich nicht boxen, ich will Boxen kaputtmachen/

wir hinterlassen Konzerthallen in Schutt und Asche/

Sobald wir kommen springt die Crowd wie ’ne kaputte Platte/“

 

Das könnte vom Samy der ersten Stunde stammen, genauso will man ihn hören. Das selbstbetitelte Dreamteam ist back und vergewaltigt den Desue-Beat nach Vorschrift. Ich hätte Afrob gerne etwas länger auf diesem Instrumental gehört, leider kann man nicht alles haben. Deutscher Sprechgesang, der nach Ami-Rap klingt und sich, gerade auf das Soundbild bezogen, absolut nicht verstecken muss.

Die Hook passt sehr gut in das Gesamtkonzept, nachzulesen in folgendem Absatz.

„Blockbasta im Kinosaal/

So triumphal/ Dies is‘ besser;

als Hollywood/ Du Vollidiot/

Also, fahr dir diesen Film/

Fahr dir diesen Film/“

 

Genau fahr dir diesen Film, das Behind the Scenes-Video darf bestaunt werden:

Afrob und Samy rebellieren ohne konkrete Aussage schön weiter und liefern mit „Mittelfinga hoch“ das nächste Brett. Auch hier passen die Beiden stilistisch wie die Faust auf`s Auge.

Die Radau-Welle ist nun beendet und es werden mit „Deadline“ ruhigere Töne angeschlagen. Max Herre gesellt sich zu Afrob & Samy und steuert eine Strophe bei. Die Drei lassen Revue passieren, schließen mit einigen Dingen ab und stellen sich die Frage, was nach dem Tod passiert. Der Ex-Freundeskreis-Leader liefert hier den stärksten Part ab und man merkt, dass er in seinem Fachgebiet „badet“. Die ruhigere Stimmung wird in Tracknummer Fünf „Bruda“ weiter transportiert und Sie erzählen, was sie für den Anderen alles machen würden bzw. wollen.

Diese friedliche Atmosphäre wird nun wieder zerstört und „Überall Is Krieg“ ballert aus den Speakern. Wenn die Menschheit Beef auf`m Krisenherd kocht und die Kriegspolitik drangsaliert wird, dann stehen zwei Warlord-Experte Namens Robert Zemichiel & Samy Sorge bereit und erklären uns was Sache ist. Wie ihre Freizeit gestaltet wird, erzählen die zwei Rapper uns auf „Tortellini Augen“. Es wird der Flower-Power Sound representet und wie gewohnt Pro Mariuhana argumentiert.

Die erste Single „Legendär/Populär“ gibt die Marschrichtung der Platte vor. ASD konzentrierten sich auf live-taugliche Tracks, harte Gitarren und brachiale Drums. Die genannten Elemente unterstützen den satten Beat und schreien „Vorwärts“. Das Resultat: Ein Mix aus M.O.P. und Rage Against The Machine, wie beide es nennen. Beide ergänzen sich hervorragend und rappen ziemlich druckvoll und aggressiv über den Beat.

 

„Ba-ba-bankraub ist was für Dilettanten/

(Brecht sagt:) Echte Profis gründen Banken/

ASD: Anarchien statt Diktaturen/

Nichts zu lachen, dabei sind wir umgeben von Witzfiguren/“

Die zwei Sprechgesangsartisten machen weiter kräftig Terror und zeigen in „Ausrasta“ ihre Doubletime-Künste. Beiden flowen sehr solide über das trappige Instrumental, wobei Afrob etwas lockerer und leichter rhymt. Wenn man nicht so sehr auf den Text achtet, kann man die aufwendigen Flow- und Style-Gebilde der Reimemonster erst richtig genießen: „Einfach nur Rapshit, Reime und Technik“

Warum der folgende Track über das „Airhorn“ handelt, wissen wohl nur die Beiden selbst. Manche Passagen klingen einfach nervig und verursachen Ohrenbluten. Textlich ist da auch nicht viel zu erwarten, also der Track darf getrost geskippt werden. Ich möchte mir öfters an den Kopf fassen, warum es gerade dieser Song auf das sonst gute Album geschafft hat.

Auf „Antihaltung“ präsentieren die Zwei ihre Form von Unterhaltung und die ist gewohnt gut. Der Beat schreit förmlich „fick mich“ und wird als „brachiale Kerngestaltung“ bezeichnet. Auf dem von Bazzazian produzierten Track können moderne und gut produzierte Trap-Einflüsse Made in Germany bestaunt werden. Kopfnicken ist vorprogrammiert.

Mensch gegen Maschine“ startet episch und hält den Rockfaktor weiter hoch. Der kritisierende Samy gefällt hier sehr gut und wirkt gewohnt Anti. Die Beiden zeigen uns wie der Fortschritt unseren „Kopf fickt“.

Nach dem auf „Non“ nahezu alles verneint wird, läutet der Schlußteil ein. Beim „großen Finale“ werden die Flows nochmal richtig aus der Lunge rausgepresst, das Experiment ist gelungen.

Beim letzten Tune „Ich seh was“ kommt Nena als Feature-Gast vorbei, unterstützt das Rap-Duo und singt die Hook. Auf dem nachdenklichen, ruhigen Beat ist Samy solide und meistens textlich einen Tick schwächer als Afrob. Dieser kommt richtig gut auf dem Instrumental und überzeugt mit seinen Lyrics und seinem angepassten Flow:

 

„zarter Frühling – so lebendig/

Das ist nicht selbstverständlich/

denn alles ist vergänglich/

Bruder nix ist für Unendlich“

Die HipHop-Supergroup hat einige deutsche Top-Producer zusammengetrommelt und so werden unter anderem grandiose Beats von Abaz, Bazzazian, X-Plosive und DJ Desue verwendet. Auch Dr. Zorn, Rik Marvel, Phono, DJ Rocky und Derek von Krogh sind mit am Start. Samy Deluxe war ebenfalls an der Produktion beteiligt.

Endresultat

Der Großteil der Tracks hauen einen direkt um, die harten, teilweise mit ein paar Rock-Elementen versehenen Beats sind von unglaublicher Intensität und perfekt an die Stimmen und die Flows der Beiden angepasst. Während Samy für die einfachen Gedankengänge und Punchlines zuständig ist, kommt Afrob als die schwer zugängliche, komplexere Ergänzung hinzu. ASD harmonieren immer noch prächtig zusammen. Gesamtheitlich ist der zweite ASD-Longplayer ein rundes Produkt geworden, welches zwar durchaus Schwächen aufzeigt, aber trotzdem diverse Bretter & Banger bereithält.

 

 

Tracklist

1. Die Partei

2. Blockbasta

3. Mittelfinga hoch

4. Deadline feat. Max Herre

5. Bruda

6. Überall Is Krieg

7. Tortellini Augen

8. Legendär / Populär

9. Ausrasta

10. Airhorn

11. Antihaltung

12. Mensch gegen Maschine

13. Non

14. Großes Finale

15. Ich seh was feat. Nena

ASD in jungen Jahren

ASD in jungen Jahren

Tour Dates

Die beiden Rampensäue sind auf der Bühne nicht zu stoppen und haben nahezu jedes, große Festival bespielt. (U.a. Splash, Frauenfeld und Hiphop Open). Ab November gehen die Jungs zusammen auf Tour und ihr könnt sie in 6 Städten live erleben.

Club Konzerte

13.11. Münster / Skaters Palace

14.11. Frankfurt / Zoom

22.11. Köln / Live Music Hall

23.11. Erlangen / E-Werk

25.11. Berlin / Postbahnhof

27.11. Kiel / Max

Photocredits: ASD

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