Autonomics – Debt Sounds
Kreativität
Sound
Feeling
4.0Sterne

Ein übles Cover hinter dem hervorragende Songs stecken: Autonomics präsentieren „Debt Sounds“.

Sollten Autonomics mit diesem Album den Durchbruch schaffen und sich künftig mit ihrer Musik ein gutes Leben finanzieren, ist das ein weiteres wunderschönes Paradoxon der Musikgeschichte. Schließlich nennt sich der Tonträger ausgerechnet „Debt Sounds“ und im beigefügten Pressetext spricht Frontmann Dan Pantenburg von dem harten Weg und der finanziellen Belastung während der Produktion: „Es kostete mehr als unser Bandbus.“ „Wir haben daneben Vollzeit gearbeitet, alles selbst finanziert und zusätzlich in eine Tournee investiert“, gibt der Amerikaner weitere Einblicke in die Hintergründe von „Debt Sounds“.

„Es kostete mehr als unser Bandbus.“

Wer sich nun die Musik von durch Geldsorgen gebeutelten, pessimistisch gestimmten Musikern vorstellt der irrt. „Wir leben in stressigen Zeiten, trotz alledem gibt es definitiv Optimismus bei uns“, versichert Pantenburg und wird von den elf Songs auf „Debt Sounds“ bestätigt.

Über Ästhetik kann man (nicht) streiten

Autonomics – Debt Sounds [Rola Music]

Dieses Cover – welch ein Schock. Autonomics wollen es uns nicht leicht machen, dieses Album liebzuhaben. Das Beste, was man mit diesem Tonträger machen kann, ist, das Case zu öffnen, das Cover hinter sich zu lassen und sich der Musik widmen.
Nach nur wenigen Songs – wobei hier ausgerechnet der Opener „Spirit Blues“ eine Ausnahme bildet – wird die Stoßrichtung klar. Autonomics bilden die Synthese aus dem Summer-Feeling von Weezer, dem Melodie-Verständnis von Oasis und dem ungestümen, rauen Sound von Fidlar. „Bad Blood“ steht hierfür prototypisch.

Spirit Blues“ ist die einminütige, akustische Folk-Eröffnung des Albums. Erst „Bad Blood“ führt uns auf die eigentliche Fährte des Autonomics Sounds. Die Handbremse wird gelöst und das Trio rauscht mit eingängigem Lo-Fi Indie, der keine Angst vor Pop hat, in unsere Gehörgänge.
Dabei baden Autonomics so tief in den 90ern, dass man als Kind dieses Jahrzehnts Gefahr läuft, sentimental zu werden.
Bei „Brown Liquor“ zaubern uns Oasis-Vibes einen Hauch von Gänsehaut auf den mitwippenden Körper. Die aktuelle Single „Southern Funeral“ und das darauffolgenden „Superfuzz“ zollen mit ihrem fluffigen Sound, der Band Tribut, die in den 90ern für Sonnenschein sorgte wie kaum eine andere: Weezer.

I Love You, Oprah Winfrey“ (wer nicht?) erinnert wiederum an die 2009 gegründete kalifornische Punkband Fidlar – speziell an ihren Song „No Waves“.
Beeindruckend: Über die ganzen elf durchgehend kraftvoll und prägnant gestalteten Songs leisten sich Autonomics keinen bemerkenswerten Durchhänger.
Die Band aus Portland hat nichts neuerfunden, doch sie hat einige wunderbare Komponenten zusammengeführt. Autonomics sind eine Antwort für jene, die den Klang der 90er lieben und manchmal vermissen.

Wir sind gespannt, wie sich Autonomics während ihrer laufenden Europa-Tournee auf der Bühne machen.

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