Baguette - Oh!Deu!Vre!
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4.0Sterne

Weißt du was die perfekte Mordwaffe ist? Ein Baguette, weil man es gleich nach dem Verbrechen aufessen kann.

Das bzw. die Baguette (französisch „Stöckchen“ bzw. „Stäbchen“), in der Schweiz auch Parisette, ist ein langgestrecktes, knuspriges Weißbrot französischen Ursprungs. Noch gut erinnere ich mich an die Worte meines Fahrlehrers: „Weißt du was die perfekte Mordwaffe ist? Ein Baguette, weil man es gleich nach dem Verbrechen aufessen kann“. Er wollte dann übrigens tatsächlich, dass ich bei einem Supermarkt stehenbleibe, weil ich zu schnell gefahren war. Ja ernsthaft, der Typ bedrohte mich mit einem Baguette.

Wer seine Baguettes aber nicht als Nahrungsmittel oder Mordwaffe gebrauchen kann, der benennt einfach seine Band danach. Genau diese Idee hatten zwei Grazer Musiker und so entstand im Jahr 2013 die Noise Rock Band BAGUETTE. „Oh!Deu!Vre!” ist ihr erster Longplayer, und da haben wir natürlich sofort reingehört:

Oh!Deu!Vre!

„Fuzzelroller“ ist ein recht gut gewählter Opener und wird für die meisten wohl auch die eingängigste Nummer des Albums sein. Wie der Titel schon ein wenig vermuten lässt, ist vor allem eines im Übermaß vorhanden: Fuzz. So wie es sich bei dieser Musik eben gehört.

Auch der Gesang ist durch Effekte ein wenig angezerrt worden und recht emotional gehalten. Ganz klar kann man hier einen Punk Rock Einfluss erkennen. Sogar ein waschechter Breakdown kommt überraschenderweise vor, und der wird sehr stilsicher eingesetzt. Dass sie den Opener dann auch gleich für ihr Musikvideo ausgewählt haben, war sicher eine gute Idee.

Die Nummer zwei auf dem neuen Album von BAGUETTE nennt sich „Rhino“. Lustigerweise erinnert mich der „Schmäh“ vom Main Riff ein wenig an die ebenfalls aus Graz stammende Band FEISTY PREY. In der zweiten Hälfte des Songs kommt es übrigens zu immer mehr Ausflügen in den Progressive Rock und das darf man durchaus als eine Art Ankündigung verstehen. Im Laufe des Albums wird immer wieder zu hören sein, wie gern die Grazer in die Sphären des überproportional steigenden vordringen.

Danach folgt ein kleines Schlagzeug Intro. Schnell wird klar, dass sich „Knappstrupper“ in eine ähnlich „noisige“ Richtung wie „Rhino“ begibt.

Bei „Leszek“ wird dann – wie vorher angekündigt – wieder mit dem Progressive Rock geliebäugelt, aber trotzdem kommt die Nummer zwischendurch recht „punkig“ rüber. Ein etwas komplexerer Rocksong, bei dem auf den Gesang verzichtet wird. Obwohl man es schon ein wenig zwischen den Zeilen der ersten drei Nummern hätte herauslesen können, kommt diese reine Instrumentalnummer dann doch ein wenig überraschend daher. Hätte – wenn man das ganze Album betrachtet – nicht unbedingt sein müssen, ist aber trotzdem schwer in Ordnung.

Wer KÄPTN PENG UND DIE TENTAKEL VON DELPHI kennt, wird beim nächsten Song wohl ein wenig zum schmunzeln kommen, denn bei „Interlude“ könnte man schwören, dass jeden Moment der Sprachgesang des Käptn’s um die Ecke kommt. Wer diese Band nicht kennt sollte übrigens keine Zeit verlieren und diese Bildungslücke füllen.

Zurück zu BAGUETTE: „Interlude“ fügt sich als Ballade des Albums recht gut ein, auch wenn es nur ein sehr kurzer Song ist. Er macht eben das, was der Titel schon erahnen lässt.

Weiter geht es mit „Stand & Stare“ und damit auch mit dem Sound, den man in der ersten Hälfte kennengelernt hat. Man könnte den Stil als intelektuellen Punk Rock, der den Einfluss aus dem Metal nicht zu verleugnen mag und den Hipsterzeitgeist ein wenig im Herzen trägt, bezeichnen. Noise Rock trifft es aber fast genauso gut.

Mit „Hauli“ gibt es gegen Ende des Albums wieder einen reinen Instrumentalsong. Nochmals wird hier deutlich, dass die Herren ihre Instrumente sehr wohl zu bedienen wissen.

Eine gute Nachricht gibt es hier schließlich für alle Fuzz-Fetischisten: Bei der abschließenden Nummer „Why You Came“ werdet ihr so richtig auf eure Kosten kommen. Den meisten anderen mag es wohl zu viel des guten sein, aber das ganze heißt ja auch nicht umsonst Noise Rock.

(c) Baguette

(c) Baguette

Tracklist öffnen

1. Fuzzelroller
2. Rhino
3. Knappstrupper
4. Leszek
5. Interlude
6. Stand & Stare
7. Bitter Pills
8. Wait Wait Wait
9. Hauli
10. Why You Came

Unser Interview mit Baguette seht ihr hier:

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