Big Ups - Before A Million Universes
Eingängigkeit
Originalität
Stimmung
Energie
3.8Sterne

Auf ihrem neuesten Release vereinen Big Ups Chaos und Harmonie, Aggression und Lethargie und kreieren dabei ein einprägsames Gesamtwerk, das wesentlich reifer daherkommt als der Album-Vorgänger.

Bereits mit ihrem Debütalbum „Eighteen Hours Of Static“ lieferte die US-amerikanische Band Big Ups ein Post-Hardcore-Album alter Schule ab, das sich am Sound der 90er-Jahre-Szene orientierte und Genre-Kenner in Nostalgie versetzte. Mit „Before A Million Universes“ erschien nun vor wenigen Wochen das zweite Studioalbum der Band, das dank einiger kleiner Stil-Variationen sogar noch intensiver und energiegeladener daherkommt, als sein Vorgänger.

Sound & Enflüsse

Der Sound von „Before A Million Universes“ zeichnet sich besonders durch den Kontrast zwischen aggressiven, chaotischen Klängen und gefühlsbetäubender Lethargie aus. Am besten kommt diese Mischung wohl im Song „Meet Where We Are“ zum Ausdruck. Mit einer Laufzeit von mehr als fünf Minuten nimmt sich das Stück reichlich Zeit, um Gefühle der Anspannung und der inneren Unruhe aufzubauen, um gegen Ende hin wieder in Wut und Chaos auszubrechen. Diese Form von Intensität ist insbesondere von Hardcore-Bands der 90er wie At The Drive-In oder Refused bekannt.

Ein weiteres deutliches Merkmal von „Before A Million Universes“ sind die Vocals. Wie es für das Genre typisch ist, widersetzen sich diese bewusst jeder Ähnlichkeit zum klassischen Gesang. So bekommen wir hauptsächlich Geschrei, jedoch auch viele gesprochene Teile zu hören. Die Spoken-Word-Teile erinnern oft stark an die Post-Rock-Band Slint und manchmal sogar ein bisschen an La Dispute.

Weitere Highlights des Albums stellen die Stücke „National Parks“, „So Much You“ und „Proximity Effect“ dar. Leider bleibt in Anbetracht dieser starken Songs der Closer des Albums „Yawp“ etwas hinter den Erwartungen zurück.

Stimmung & Gefühl

Das ganze Album klingt wie ein Affekt, wie ein Rausch, unkontrollierbar und dennoch fast schon zwanghaft zu nur einem Ergebnis führend. Hierbei zeigt sich ein Sinnbild für die emotionale Unruhe, für die Ohnmacht, die viele Menschen gegenüber dem Staat oder gesellschaftlichen Zwängen im Allgemeinen empfinden.

Was die Gefühlsebene anbelangt, ist „Before A Million Universes“ also durchaus vielschichtig und authentisch. Das mag auch an den Songtexten liegen, die sich den Genre-Konventionen zum Trotz selten gegen das System als solches aussprechen, sondern den Fokus eher auf den Menschen als Individuum legen. Im Song „Hope For Someone“ heißt es beispielsweise: „Why live in the moment if the moment is broken? There could be hope for someone if we fix it.“

Insgesamt ist „Before A Million Universes“ eine sehr unterhaltsame Hardcore-Scheibe geworden. Genre-Einsteiger werden dem Album womöglich einen gewissen Monotonie-Charakter vorwerfen, dafür kommen Fans von Bands wie Fugazi, Refused, At The Drive-In oder Slint umso mehr auf ihre Kosten.

Im Zuge ihrer Europa-Tournee beehrt die New-Yorker-Band am 11. April 2016 das B72 in Wien. Karten für das Konzert könnt ihr auf Oeticket kaufen.

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