Bilderbuch melden sich mit Magic Life zurück
Sound
Instrumental
Songwriting
Abwechslung
3.7STERNE

Seit beinahe zehn Jahren bereichern Bilderbuch die heimische Kunstszene. Nun veröffentlichen sie mit Magic Life ihren dritten Streich.

Bekannt wurden sie durch eine völlig neue Art der Musik. Frech, ironisch, kritisch und selbstbewusst ließen sie mit ihrem Debüt Nelken & Schillinge aufhorchen. Seitdem befindet sich die Band in einem permanenten Schaffensprozess: Schreiben, Veröffentlichen, Touren, Awards – repeat. Mit Maschin gelang der internationale Durchbruch und sie wurden endgültig als die größten Popstars der Generation angesehen. Bilderbuch sind authentisch und das kommt bei Fans und Kritikern an. Das ändert sich auch bei Magic Life nicht, obwohl sich das neue Album deutlich von den anderen abhebt.

Von Akkus und Ladern

Goldfischglas mit Maurice am Cover

Wie hält sich eine Band, welche sich ein Jahr Auszeit gönnt und nur sehr wenige Live-Auftritte wahrnimmt in täglicher Erinnerung? Genau; durch Singleauskopplungen. Ganze vier Stück gibt es davon schon. Bei insgesammt zwölf Titeln am Album, abzüglich drei Nummern, die als Intro und Interludes angesehen werden können, bleibt da nicht mehr viel übrig. Generell ist Magic Life gediegener als die vorhergehenden Veröffentlichungen. I <3 Stress läuft behäbig an und kann auch im Refrain nicht wirklich überzeugen. Die Nummer ist instrumental und gesanglich sehr dumpf gehalten, was sie eintönig und träge macht. Texlich weiß sie aber zu überzeugen, wenn über Typen und ihren aufregenden Lifestyle hergezogen wird. Sweetlove hingegen ist eine Offenbarung, die ihre musikalische Genialität fett unterstreicht und zeigt, dass Bilderbuch auch Minimalismus steht. Gitarre und Gesang schmettern im Einklang eine selten ästhetische Ballade durch den Gehörgang, welche irgendwie ein warmes Gefühl in der Brust zurück lässt. Mit Bungalow schlagen sie erstmals wieder in die, für Bilderbuch, klassische Kerbe ein – zwanglos, cool und sexy. Der relativ verschrobene Songtext lässt einen über seinen Sinn grübeln, nur um nach ein paar Durchläufen überfordert aufzugeben. Interpretationsspielraum war schon immer ein wichtiger Faktor. Anders bei SUPERFUNKYPARTYTIME, die darauf aufmerksam macht, dass am Dancefloor und im Admiral jeder gleich ist. Sie ist die erste Nummer, die zum Bewegen einlädt und mit etwas mehr Pfeffer daherkommt. Als Abschluss kommt mit sneakers4free noch eine musikalisch besonders wertvolle Nummer zum Vorschein. Instrumental ist es wohl der hervorstechendste Track des Albums und bleibt als einer der wenigen länger im Ohr.

Fazit

Magic Life ist merklich anders – ruhiger und bedachter als alles, was man von Bilderbuch kennt. Der Gitarre wurde wieder mehr Spielraum gegeben und sie arbeitet wunderbar mit den anderen Effekten und Sounds zusammen. Trotzdem ist das gesamte Album, obwohl jeder Track sehr durchdacht und gut umgesetzt wurde, eher abwechslungsarm. Wenig bleibt hängen und viele Stellen plätschern dahin, ohne dass man ihnen große Aufmerksamkeit schenken will. Die drei sehr kurzen Intermezzos, welche leider auch musikalisch nicht besonders wertvoll sind, hätte man aussparen können. Somit bleiben nur neun ordentliche Nummern übrig, was für einen Longplayer doch recht wenig ist. Die humorvollen Texte haben sich kaum verändert und vermitteln noch immer Leichtigkeit und Freude – warum kann aber keiner sagen. Doch es geht auch nicht darum, die Lyrics zu verstehen. Was zählt ist der Lifestyle.

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