Weg mit dem Dreck: The Black Keys haben die Garage endgültig hinter sich gelassen und frönen nun ihrer bis dato verschwiegenen Leidenschaft für den Psychedelic Rock.

Längst gelang den Black Keys der Schritt vom scheppernden Garagen-Bluesrock-Act zum absoluten Millionenseller. Die Anfang des 21. Jahrhunderts noch sehr rohe, auf ein Grundgerüst reduzierte Musik der beiden Musiker aus Akron/Ohio bekam spätestens mit ihrem sechsten Album „Brothers“ neue Facetten hinzugefügt. Nie zuvor klang das Duo so soulig wie auf ihrem hitgespickten Durchbruchsalbum, das sie endgültig in die erhabene Riege der großen Rockstars beförderte. Auch mit dem im Folgejahr erschienenen „El Camino“ wurde wieder ein leicht veränderter Weg eingeschlagen. Der Soul und der rudimentäre Blues waren zwar noch immer vorhanden, doch mischten sich diverse Spielarten des Rocks wie Rockabilly und Glam-Rock bei. Trotz der aufwendigeren und teureren Produktion im Vergleich zu den Vorgängeralben konnten sich The Black Keys ihren scheppernden und dreckigen Stil bewahren. Mit dem kürzlich veröffentlichten „Turn Blue“ wurde nun wieder eine neue Richtung angepeilt – doch erstmals in der Diskografie der Band ist der rotzige Grundsound auf ein Minimum reduziert.

Faktor Danger Mouse

Ausschlaggebend für diese Neuausrichtung dürfte der derzeit schwer angesagte Produzent Danger Mouse sein. Der aus dem Neo-Soul-Duo Gnarls Barkley bekannte Musiker, DJ und Produzent ist bereits langjähriger Begleiter der mittlerweile in Nashville ansässigen Black Keys. Anfänglich noch schmucker Co-Produzent ist Danger Mouse mittlerweile zum festen Bandmitglied im Studio aufgestiegen, wie Sänger Dan Auerbach in Interviews mehrfach bekannte.

Black Keys

Patrick Carney (links) und Dan Auerbach bilden seit 2001 das Blues-Rock-Duo The Black Keys

Diese Tatsache ist auf dem neuen Longplayer der Black Keys auch kaum mehr zu leugnen. Songs wie „10 Lovers“ erinnern stark an das entspannte, teils sphärische Klangbild von Danger Mouse’ Projekt Broken Bells, welches er mit dem The-Shins-Sänger James Mercer betreibt. Akustikgitarren vereinen sich mit Synthies, während der pumpende Bass trotz gemäßigtem Tempo zum Bewegen anregt. Ein erstes Highlight auf Turn Blue ist der fast siebenminütige Opener „Weight Of Love“. Soul trifft hier auf Falsett. Das Lied nimmt erst langsam an Fahrt auf. Auerbachs fuzzige Gitarre spielt sich dabei immer wieder in den Vordergrund, während sie im letzten Drittel vollständig die Kontrolle über den Song übernimmt und ihn somit zum Höhepunkt verhilft. Sowohl Anleihen an den Hardrock aus den 70er-Jahren wie auch an Pink Floyd werden wach.

Das Scheidungsalbum

Textlich handeln die Stücke auf „Turn Blue“ von Abschied und Trennung. Auerbach verarbeitet in den Songs seine kürzlich erfolgte Scheidung. Dies passiert sowohl auf tief gehende, melancholische Weise, beispielsweise in dem Song „Waiting On Words“, in dem der Sänger seinen Abschiedsschmerz mit Falsettgesang und den Worten „Oh, goodbye/I heard you were leaving/Won’t try changing your mind” glaubwürdig kund tut, wie auch mit einem Augenzwinkern in dem straighten Rocker „Gotta Get Away“, einem der fröhlicheren Songs des Albums.

„Turn Blue“ ist ein Scheidungsalbum, das sich nicht in Wut und Rachegefühlen wälzt, sondern dem, vor allem musikalisch, eine tiefe Verletztheit anzusehen bzw. anzuhören ist, sich aber nie in absoluter Resignation ergibt und dadurch eine beständige Souveränität aufweist. Ob psychedelische Klänge zum Abschied rockige Klänge für die neue Liebe bedeuten, wird sich spätestens beim nächsten Album zeigen.

Fotocredits: The Black Keys Facebook

Eine Antwort

  1. Siegfried Franz Ulrich

    Ich finde es auch gut, dass sich Bands trauen ihren Sound zu verändern oder sich bewusst zu distanzieren. Die alten Sachen gibts ohnehin. Wer Lust auf Lärm hat, kann noch immer „10 am automatic“ oder „I got mine“ hören.
    Natürlich hat mir das auch nicht bei jeder Band gefallen (3. Album von Jet war naja … oder Kings of Leon, aber alles meine Meinung), dennoch schön, dass sie den Mut haben.

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.