Black Palms Orchestras Interpretationen des Beziehungs-Aus
Aufbereitung
Vocals
Lyrics
Instrumentals
4.1Sterne

Nachdem Christian Fuchs sein von diversen Kritikern durchwegs positiv aufgenommenes Album „Sad Moon Rising“ im Juni dieses Jahres veröffentlicht hatte, schoss der umtriebige Sänger im September gleich noch eine EP nach.

Christian Fuchs ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt in der österreichischen Musiklandschaft. Die Wahrscheinlichkeit, das fast jeder Österreicher zwischen fünfzehn und fünfzig schon mal unwissentlich etwas von dem FM4 House of Pain Moderator gehört hat, ist relativ hoch. So war der Wiener zum Beispiel bereits ein Teil des mehr oder weniger aus FM4 Mitarbeitern bestehenden Bandprojekts mit dem klingenden Namen Neigungsgruppe Sex, Gewalt und gute Laune. Daneben war er auch bei Die Buben im Pelz, Bunny Lake und Fetisch 69 als Sänger mit dabei. Damit hätten wir zwei Bands, die sich verschiedenen Ausdrucksformen des Wienerlieds widmen, eine Electropopband und eine experimentelle Rock-Formation. So weit so gut. Doch was ist jetzt eigentlich Black Palms Orchestra?

Christian Fuchs von einer neuen Seite

Kurz: Etwas ganz anderes. Genauer: Nachdem Christian Fuchs seine aktive Musikerkarriere zwischenzeitlich auf Eis gelegt hatte, packte ihn wieder die Sehnsucht. Inspiriert von selbiger rief er dann dieses Jahr sein aktuelles Doom Pop Projekt Black Palms Orchestra ins Leben. Nach eigener Definition lässt sich das Ganze aber auch dem Sad Core oder dem Country Noir unterordnen. Im Mai gab es die EP zu „Home“, einen Monat später ist dann auch schon sein erstes Album „Sad Moon Rising“ veröffentlicht worden, das Christian zusammen mit Gastmusikern aufgenommen hat. Auf diesem findet sich auch die Nummer „Last Summer Forever„, zu der jetzt noch zusätzlich eine EP veröffentlicht wurde.

Wobei es bereits eine kleine Streitfrage ist, ob es sich bei der EP „Last Summer Forever“ tatsächlich um eine EP oder nicht doch eher eine Maxi-Single handelt – immerhin beinhaltet die Scheibe genau einen Song und zwei Remixes desselben. Ob EP oder nicht, der eine Song an sich gefällt auf jeden Fall, wie wir auch schon an anderer Stelle berichtet haben. Diesen hat Fuchs gemeinsam mit Anna Attar, die unter dem Pseudonym „Monsterheart“ bekannt ist, aufgenommen. Die sympathische Wienerin und Allround-Künstlerin, die neben ihrer Karriere als Sängerin auch noch irrlichternde naive Kunst schafft, übernimmt in dem Song über eine gescheiterte Beziehung den weiblichen Gesangspart. Der Track tritt als eine Erzählung von zwei Menschen auf, deren Beziehung miteinander in den letzten Tagen des Sommers in die Brüche gegangen ist. So tropft aus dem Gesang schon förmlich der Herzschmerz – der neue Soundtrack für Liebeskummer, gleich in der Playlist nach Lana Del Rey. „Last summer forever“ erinnert durch seine klangliche Ästhetik auch an große Filme und Welt-Literatur, die von einer Liebe erzählt, die dem Normalsterblichen fremd ist. Schwingende Western-Gitarrensounds und ein erzitterndes Tamburin tragen dann noch ihren Teil zur Atmosphäre bei.

Klangliche Experimente

Soviel zum ersten Track. Die beiden weiteren sind jeweils Variationen von „Last Summer forever“ und wurden von einem legendären Schaffenden der Wiener Elektronik, Christopher Just, kreiert. „Ilsa Gold„, der Name von einem von Justs Trash-Projekten, sollte auch dem einen oder anderen Nicht-Techno Fan noch in den Ohren klingeln. Während der erste Remix futuristisch, kalt und minimalistisch anmutet und den männlichen Part in den Vordergrund rückt, wirkt der zweite weich, verspielt und nostalgisch und stellt den sprichwörtlichen Scheinwerfer ganz auf Annas Stimme. Durch die beiden unterschiedlichen Tracks scheint noch einmal vermehrt auf die beiden Einzelpersonen Gewicht gelegt worden zu sein. Ein Beziehungsende einmal aus männlicher und einmal aus weiblicher Sicht. Für den dritten Track hat Christopher Just übrigens wieder sein House-Alter-Ego Punk Anderson zum Leben erweckt.

Für Hardcore-Fans von Black Palms Orchestra und Christian Fuchs ist die Scheibe natürlich ein Muss. Ob die EP alle glücklich machen wird, ist eine andere Frage, stehen die beiden Neuinterpretierungen von „Last Summer Forever“ stiltechnisch doch stark im Kontrast zum Original. Dennoch ist es ein reizvolles Soundexperiment, das eine gelungene Nummer zweimal in einem anderen Licht dastehen lässt. All die Menschen, die Remixes generell etwas weniger aufgeschlossen gegenüber stehen, ist eher das Album „Sad Moon Rising“ anzuraten.

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