"Catastrophe" von We Invented Paris – Eine Hommage an die Kitsch-Kultur
Abwechslungsreichtum
Sound
Songwriting
3.2Sterne

Drei Jahre nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums präsentieren We Invented Paris mit „Catastrophe“ ein Album, das immer dann am besten ist, wenn es sich voll und ganz seinem 1980-Jahre-Retro-Einfluss hingibt.

Von dem folkig angehauchten Pop, der die ersten beiden Alben von We Invented Paris prägte, ist auf dem dritten Album der Schweizer nicht viel übrig geblieben: „Catastrophe“ erinnert weniger an die akustische Untermalung eines bei Hipstern ganz besonders beliebten Coffeeshops, als vielmehr an ein Best-Of der Rausschmeißhits auf einer Studentenparty mit 80er-Jahre-Motto – was in diesem Falle sowohl positiv als auch negativ gemeint ist.
Um das, was da präsentiert wird, klanglich ins 21. Jahrhundert zurückzuholen, setzt das Kollektiv um Singer-Songwriter Flavian Graber zusätzlich auf omnipräsente Beats, die provokant auf dem schmalen Grat zwischen mitreißend und nervtötend wandern. Bestes Beispiel hierfür ist möglicherweise der Refrain von „Air Raid Shelter“. Der Song schummelt sich zwar gekonnt in das Innenohr jedes Zuhörers, kann jedoch, einmal dort angekommen, mit seinen simplen, unoriginellen Texten auch für eventuell eintretende, schwach ausgeprägte Hirnschäden verantwortlich gemacht werden.
Deutlich weniger peppig, aber ähnlich einfallslos, kommt „Superlove“ daher: Dank seiner weinerlichen Lyrics über Herzschmerz und Zurückweisung, gepaart mit einer schwermütigen, pompös instrumentierten Melodie, gibt der Titel den perfekten Soundtrack für den dramaturgischen Höhepunkt jedes romantischen Dramas ab – stummes Mit-Tränen-in-den-Augen-den-Regen-beobachten inklusive.

Demonstrativ Retro

Doch nicht jeder der 13 Titel, die We Invented Paris auf „Catastrophe“ präsentieren, ist eine schlecht kaschierte Hommage an die Kitsch-Kultur der 80er-Jahre. Tatsächlich erlebt das Album immer dann seine besten Momente, wenn es gar nicht erst versucht, seine Retro-Einflüsse zu verbergen oder zu modernisieren, sondern sich ganz ungeniert damit brüstet: Im Vers von „Storm“ schwingen Anleihen von Synthpop und sogar Hardrock mit, während der Refrain zu düsteren und imposanten Ausmaßen anschwillt und seinen epischen Kitsch-Faktor geradezu zu zelebrieren scheint. Das eher zurückhaltend instrumentierte „Spiderman“ wiederum dürfte den Höhepunkt von „Catastrophe“ darstellen. Mit seiner trotzigen Botschaft, den dominierenden Beats und Anleihen aus New Wave, Post-Punk und 70s-Disco bleibt der Titel im Gedächtnis und hat so das Potenzial, der wohl tanzbarste Rausschmeißhit aller Zeiten zu werden.

Fazit

Auf „Catastrophe“ beweist das Indie-Kollektiv We Invented Paris Mut zur Veränderung. Folkige Melodien wurden durch Anleihen aus Synth-Pop und Post Punk ersetzt, die dem Album eine wenig subtile Retro-Atmosphäre verleihen. Dabei lassen die Schweizer die Grenze zwischen mitreißend und nervtötend verschwimmen und präsentiert so ein Album, das immer dann am besten klingt, wenn man ihm nicht seine volle Aufmerksamkeit schenkt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.