Chakuza - Noah
Beats
Flow
Lyrics
Konzept/Umsetzung
3.9STERNE

Die Trilogie ist nun beendet und Chak schippert auf seiner Arche hin und her. Wenn ihr erfahren wollt wohin die Reise geht, dann seid ihr hier richtig

Peter Pangerl a.k.a Chakuza hat seinen Sound gefunden und gemäß Ankündigung die dreiteilige Reihe neben Magnolia und Exit mit „Noah“ vervollständigt. Die Platte erschien am 10.Juni 2016 via Four Music und bildet einen gebührenden Abschluss seiner Seelenmusik.

Die Seele wird liebkost. Es hat sich einiges verändert. Sein Lebensmittelpunkt Berlin ist schon länger Geschichte. Das Informatik-Studium wurde abgeschlossen und sein zweites Standbein, ein Internet Start-Up gegründet. Der Rapper hat anscheinend seinen Frieden gefunden und seine Dämonen im Griff. Er hat den „Exit“ vollzogen und sich ließ auf dem bayrischen Land nieder.

Analyse

Zwei volle Jahre dauerte der Schaffensprozess von „Noah“. Die übergeordnete Message lautet: Es ist trotz aller Umstände in Ordnung, so wie es ist. Die Vorgänger-Alben pendelten zwischen Alkoholismus, Selbstzerstörung und hellen Momenten, die wirklich berührten. Viele Hörer möchten gerne den alten Chack zurück, jedoch wurde die Trilogie schon Jahre angekündigt und voll durchgezogen. Allein dafür kassiert er Respekt.

Die Beats sind atmosphärisch produziert, Chakuza und sein Team schufen die Klangwellen in mühsamer Kleinarbeit. Hier gibt es überhaupt nichts auszusetzen. Manche Momente sprudeln vor Detailverliebtheit. Orgel- und Piano-Sounds, Gitarrenakkorde und strukturierte Drums sind besondere Merkmale. Ein instrumentaler Stimmungsaufbau, der schön das Konzept auf „Noah“ wiederspiegelt. Kritik bekommt man weniger zu hören, man hört den Sprechsänger weniger motzen. Der Hass von „Exit“ ist verschwunden. Um sich ala „Zodiac“ auszukotzen hat er ein Mikrofon zuhause, wahrscheinlich erleben wir bald wieder ein Projekt ähnlich wie das mit RAF Camora.

Das Album ist keine Neuerfindung, sondern schließt dort an, wo die zwei Vorgänger-Platten aufgehört haben. Die Scheibe hat einige gute Momente, immer dann wenn Peter konkret von Erlebnissen oder Träumen berichtet, ohne sich zu sehr in Sprachbildern zu verlieren. Im Track „Sonnenallee“ geht es um das Gefühl, wenn man früh morgens aus dem Club schlendert. Leider wird die vermeintliche Message zu sehr von Vergleichen und aufgezwungenen Bildern geleitet. Weniger Phrasen und ein punktuelles Konztept hättem dem Song gut getan.

Er lässt in „Anno 1981“ Revue passieren und berichtet ein wenig abstrakt von den vergangenen Jahren. Ein guter Song, nicht mehr und nicht weniger. Eine der Höhepunkte heißt „Gold„, hier geht es um seinen wahren Schatz, nach dem er gegraben hat. Er rappt gefühlvoll über seine Freundin, schildert Alltagssituationen und zeigt manchmal seine ironische Seite.

Unsere Geschichte wird man oft noch erzählen
Vom besoffenen Peter und dem Hiroshima Mädchen
Und so gehts, am Anfang gabs die Hoffnung, das wars
Du bist die Frau die mein Auto zu Schrott fahren darf

In „Prag“ geht’s um zerbrochene Verhältnisse und Freundschaften innerhalb der Rapszene. Hier wird jeder oft als „Bro“ oder „Bruder“ betitelt, doch die Wenigsten halten, was sie versprechen. Jeder Rapschaffende kann hier mit fühlen, super umgesetzt. Der Titelsong “ Noah“ ist der einzige Song, bei dem ein anderer Künstler mitproduziert hat. Diese Ehre wurde Max Mosley zu Teil. Ein epischer Track wurde kreiert, das Teil hört sich einfach gut an. Richtig groß, langsam und pompös.

Fazit

Die Beats sind erste Sahne, hören sich klasse an und sind bis in das kleinste Detail ausproduziert. Auf der Platte gibt es Höhepunkte, aber jede Menge Leistungsabfälle. Songs wie „Gold“ oder „Noah“ sind einsame Spitze. Den roten Faden kann man aber nicht wirklich greifen. Diese „Retter-Wasser“ Thematik hätte so viele Wortspiele oder Metaphern in Aussicht gestellt. Einige Songs sind irgendwie nichtssagend, es scheint als habe Chak seine Melancholie Trilogie bis in’s Letzte ausgeschlachtet. Mal schauen wohin der Weg gehen wird. Chakuza besitzt eindeutig mehr Potential, als das er hier abgerufen hat.

Tracklist öffnen

01. Anno 1981
02. Wien
03. Bilder
04. Gold
05. Noah
06. Tanzmarie
07. Vorhang
08. Prag
09. Sonnenallee
10. Winterschlaf
11. Mond
12. Dings
13. Wassersturmfeuer

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