Christian Löffler - Mare
Kunstanspruch
Sound
Gefühl
Abwechslung
Eingängigkeit
3.7Sterne

Auf seinem Albumzweitling „Mare“ lässt sich Christian Löffler von der Schönheit der Ostsee inspirieren und entwickelt seinen Sound weiter, ohne dabei an ästhetischem Feingefühl abzubauen.

„Mare“ ist das zweite Studioalbum des deutschen Electronica-Producers Christian Löffler, das im Oktober 2016 über Ki Records erschien. Entstanden ist die Platte in der Abgelegenheit einer kleinen Hütte, auf der Halbinsel Darß, mit Blick auf das titelgebende Baltische Meer.

Ähnlich wie schon auf seinem Debütwerk „A Forest“ interessiert sich Löffler auch auf seinem neuesten Album primär für einen melancholischen und euphorisch-verträumten Entwurf des elektronischen Genres. Hierbei setzt der Greifswalder-Musiker teils auf House-Beats, aber auch auf Field-Recordings und verschiedene selbst aufgenommene Instrumente, was seiner Musik eine organische Note verleiht.

Musik als Zufluchtsort

Die Arrangements auf „Mare“ sind wunderschön, wirken reduziert, zugleich detailverliebt und spiegeln so ein Gefühl von Abgeschiedenheit und Wärme wider – sei es nun die eindringliche Ambient-Soundlandschaft „The Great White Open“ oder der Song „Lid“, für den Löffler erstmals seine eigene Gesangsstimme als Sound-Element in die sanften, elektronischen Klänge miteinfließen ließ.

Auch die Sängerin Mohna, mit der Löffler bereits für „A Forest“ zusammenarbeitete, weiß mit Vocal-Performances zu überzeugen und ist diesmal auf gleich vier Tracks am Album beteiligt – darunter auch die Singleauskopplung „Haul“.

„Das Album erzählt vom verwundet sein, betört werden; dem etwas, jemanden oder sich selbst verlieren, dem Gewinnen, der Einsamkeit, dem sich öffnen.“, sagt Löffler selbst in Bezug auf die aktuelle LP.

Tatsächlich wirkt „Mare“ deutlich intimer und gefühlsbetonter als der Album-Vorgänger. Ein Grund dafür dürfte in den verschiedenen, frischen Einflüssen liegen, die der junge Künstler auf seinem neuen Release vereint:

So erinnert beispielsweise das Interlude-artige Klavierstück „Youth“ stark an „Abandon Window“ von Jon Hopkins. Der Song „Pigment“ besticht mit unaufdringlichen, gefühlvollen Streichern und könnte auch dem aktuellen Album des isländischen Komponisten Ólafur Arnalds entnommen sein.

Das Aufeinandertreffen dieser verschiedenen stilistischen Facetten wirkt stets harmonisch und macht „Mare“ zu einem durchaus abwechslungsreichen Album. Als kleinen Kritikpunkt könnte man hier anmerken, dass die einzelnen Stücke zwar für sich gesehen interessant und stimmig sind, allerdings im Laufe des Albums immer wieder dieselben oder ähnliche Emotionen transportiert werden.

Fazit

Insgesamt löst „Mare“ die hohen Erwartungen als Album-Nachfolger ein und bietet darüber hinaus einige neue künstlerische wie auch emotionale Facetten in gewohnt hochwertigem Soundgewand.

Die Musik selbst ist an keiner Stelle kitschig oder gar langweilig geraten. Einige der Ansätze und Ideen scheinen sich jedoch über die Gesamtspielzeit von 76 Minuten zu wiederholen und büßen dadurch an Intensität ein. Den direkten Vergleich mit Genre-Klassikern wie „Immunity“ von Jon Hopkins oder „The Last Resort“ von Trentemøller kann Löfflers zweites Album demnach nicht standhalten.

„Mare“ ist sowohl in digitaler Form, als auch in den Formaten CD und Vinyl auf der Bandcamp-Seite des Künstlers erhältlich.

Am 25. Mai 2017 kommt Christian Löffler im Zuge seiner Europa-Tournee nach Wien. Alle Infos hierzu haben wir bereits für euch in unserer kompakten Konzert-Preview zusammengefasst.

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