"Closer" von Polkov - Ein Album zwischen Nostalgie und Aufbruchsstimmung
Texte
Emotionen
Originalität
Eingängigkeit
3.8Sterne

Polkov sind zurück: Auf ihrem zweiten Album „Closer“ erzählen die fünf Wiener von der Suche nach sich selbst.

Zwei Jahre ist es her, dass Alexander Hackl, Laurenz Jandl, Günther Paulitsch, Paul Pfleger, Jürgen Schmidt und Florentina Finder, besser bekannt als das Indie-Kollektiv Polkov, ihr eponymes Debütalbum veröffentlicht haben. Am Freitag, den 25. November 2016, präsentierte die Band der Öffentlichkeit unter dem Titel „Closer“ ihr zweites Album – allerdings ohne Finder, die die Band in diesem Jahr verlassen hat. Doch mit „Closer“ legen die übrigen fünf Bandmitgliedern auch ohne weibliche Verstärkung ein Album vor, das es wert ist, immer wieder angehört und neu entdeckt zu werden.

Ein Album über Konfliktbewältigung und Wirklichkeitsflucht

Im Vergleich zu Polkovs Erstlingswerk fällt schnell auf, dass die Americana-Folk-Einflüsse des ersten Albums auf „Closer“ deutlich abgenommen haben: Die Pedal-Steel-Gitarre und die Mariachi-Bläser, die den Sound von Polkovs Debüt entscheidend beeinflusst haben, fehlen auf ihrem neuen Album beinahe völlig. Stattdessen ist „Closer“ geprägt von Chorus-Effekten und Synthesizer-Hooks, die direkt aus den 80er-Jahren stammen könnten.
Doch wer nun befürchtet, dass die fünf Wiener ihren einzigartigen Stil zugunsten eines 08/15¬-Pop-Einheitsbreis aufgegeben haben könnten, der sei beruhigt: Auch auf „Closer“ liefert das Indie-Kollektiv wieder hymnenhafte Melodien, die sich zusammen mit Sänger Laurenz Jandls sensibel-selbstreflektierten und dennoch verträumten Texten zu einer wohlklingenden Einheit vereinen.

Thematisch beschäftigen sich die acht Tracks des Albums mit zwischenmenschlichen Animositäten, Konfliktbewältigung, enttäuschter Liebe und Wirklichkeitsflucht. Ganz besonders Songs wie „The Flame“ und „Forgotten Babies“ erwecken mit ihren nachdenklich-verletzlichen, von Selbstzweifeln geprägten Lyrics den Eindruck, als seien Polkov auf ihrem neuen Album auf der Suche nach sich selbst – ohne genau zu wissen, was das überhaupt bedeutet oder ob es wirklich erstrebenswert ist, sich selbst zu finden.

Bemerkenswert ist, wie es der Band gelingt, auf dem gesamten Album die Balance zwischen emotionaler Schwerfälligkeit und Leichtfüßigkeit zu wahren: Teile des Albums, wie etwa der Opener „My Sweet Oblivion“ und der Titeltrack „Closer“, sind geprägt von Nostalgie und bittersüßen Erinnerungen. Dem gegenüber stehen Tracks wie das von einer Aufbruchsstimmung geprägte „Stay“ und das zukunftsorientierte „New Years‘ Accidents“. So spielen Polkov immer wieder mit positiven und negativen Emotionen und beweisen, dass Erlebnisse und Erinnerungen nicht einfach nur „gut“ oder „schlecht“ sein können. Diese Ambivalenz ist es, die „Closer“ so greifbar und lebensnah wirken lässt.

Fazit

Mit „Closer“ legen Polkov ein Album vor, das es trotz einiger stilistischer Veränderungen allemal mit seinem bemerkenswerten Vorgänger aufnehmen kann: In acht Tracks erzählt das Album Geschichten von enttäuschter Liebe und Wirklichkeitsflucht ohne dabei zu verschleiern, dass einzelne Lebensabschnitte nur selten eindeutig gut oder schlecht sind. So lädt das Album immer wieder aufs Neue zum Nachdenken und aktiven Zuhören ein.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.