CroworD - The Great Beyond
Sound
Songwritting
Technik
Abwechslung
4.4STERNE

Ein Jahr nach ihrer ersten EP haben CroworD nun ihr Debütalbum „The Great Beyond“ veröffentlicht. Sie präsentieren damit einen beeindruckenden Longplayer, der vor allem durch die musikalischen Fähigkeiten der Bandmitglieder überzeugt.

Als Metalband aus Österreich ist man vor allem im eigenen Land nur eine von vielen. Die Wiener Band CroworD bildet dabei keine Ausnahme. Zu viele ihresgleichen verlieren sich in zahllosen Konzerten im Viper Room, Escape Metalcorner und hin und wieder mit viel Glück und Aufwand vielleicht als Opener bei diversen Festivals. Es ist zwar etwas eigenartig gerade hier die Bibel mit „Ein Prophet gilt nirgend weniger denn in seinem Vaterland und in seinem Hause.”(Mt 13,57) zu zitieren,  tatsächlich fühlt sich dieser Satz aber kaum woanders treffender an, als im Zusammenhang mit der österreichischen Musik- und vor allem Metalszene. Natürlich gibt es hierzulande genug Bands, die sich nicht zu unrecht in Mittelmäßigkeit und Unbedeutsamkeit verlieren, manche sicher auch mit Absicht. Musik als Hobby, wieso denn nicht? Trotzdem gibt es immer wieder Bands, die sich musikalisch und überhaupt in ihrer ganzen Herangehensweise von „der grauen Masse” hervorheben. Mit ihrer EP und den ersten Liveshows haben CroworD letztes Jahr klar gezeigt, dass sie sich dieser kleinen Gruppe wirklich professioneller Bands zugehörig fühlen. Mit ihrem ersten Album “The Great Beyond” werden sie nun auch ihre Hörer davon überzeugen.

Liebe zu großen Kompositionen

Eingeleitet wird „The Great Beyond” mit dem ersten Satz aus Frederic Mompous “Impresiones íntimas”, einer Komposition für das Klavier aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Liebe zu großen Kompositionen zieht sich wie ein roter Faden durch die Musik von CroworD. Hier und da finden sich  mehr oder weniger deutliche Verweise auf die Musik der vergangenen Jahrhunderte. Auch der Jazz findet seinen Weg auf das Album. Weniger offensichtlich spiegeln alleine die Gitarrensoli deutlich fortgeschrittenes musiktheoretisches Wissen wieder, das in den meistens Fällen so wohl nur bei Jazzmusikern zu finden ist. Das bestätigt ein Blick auf den musikalischen Werdegang und die Ausbildung der Bandmitglieder.

Nach dem Intro wird das Album mit „Message Of The Dead” eröffnet. Der Song war schon auf ihrer EP zu hören, ist jetzt aber in deutlich besserer Qualität und mit mehr Geschick neu eingespielt worden. Die Instrumente klingen unglaublich exakt und wurden nahezu einwandfrei bedient. Man kann die einzelnen Musiker im Klangbild sehr gut voneinander differenzieren ohne, dass das dem einheitlichen Sound einen Abbruch tut. Allgemein hört sich der Mix sehr warm und ausgefüllt an.

„Progress from Discontent” ist der erste wirklich neue Song, den man zu hören bekommt. Auch hier findet man verspielte Gitarren, exakte Arbeit in der Rhythmusgruppe und überraschend gutes Growling. Vor allem das wurde nämlich bei Reviews zur EP oft kritisiert, klingt auf „The Great Beyond” ohne Frage großartig.

Insgesamt lässt sich bei vielen Songs deutliches „Hitpotenzial” erkennen. Die meisten zünden beim ersten Anhören. Ob man dabei nun das klischeebeladene “The Mountain”, das etwas schwermütigere „The Longest Fall”, oder das epische “A Crows Word” nennt ist völlig egal. Letzteres besticht übrigens unter anderem mit genialem Blastbeat im Pre-Chorus.

Croword als „Betracchi“ ihres Genres

Am besten lässt sich die Musik von CroworD wohl folgendermaßen beschreiben: Man stelle sich vor, man lässt eine künstliche Intelligenz alle wichtigen Werke des Melodic Death Metals analysieren und gibt ihr dann den Auftrag ein Album zu machen.

Oder anders gesagt: CroworD in der Musik ist ein wenig das, was die Bilder von Wolfgang Beltracchi in der Kunst sind. Zur Erklärung: Beltracchi hat Bilder von weltbekannten Künstlern gefälscht. Dabei hat er keine Gemälde nachgemalt, sondern einfach die erschaffen, die seiner Meinung nach noch gemalt hätten werden können. Der Unterschied zum Original ist dabei nicht zu erkennen. Noch heute sollen einige seiner Bilder in wichtigen Museen ausgestellt sein.

Das soll aber ganz sicher nicht heißen, dass CroworD Kunstfälscher seien. Sie schreiben nur die Songs, die sich so anfühlen, als würden sie tatsächlich noch fehlen, während viele andere Melodic Death Metal Bands wie Kopien einer bereits dagewesenen klingen. Das erfordert enormes Wissen und extremes handwerkliches Geschick, was die Musiker dieser Band auch ganz sicher besitzen. Natürlich könnte man Parallelen zu Bands wie Insomnium ziehen, allein schon klanglich. Besser ist hier aber definitiv der Schluss, dass CroworD das ist, was vor mindestens elf Jahren eben auch noch hätte sein können. Im Jahr 2017 erscheint die Musik natürlich ebenso gut, jedoch hört sie sich wie ein letztes Aufbäumen eines Melodic Death Metals an, der der Vergangenheit angehört. Das Gefühl, dass „The Great Beyond” ein wenig wie ein Greatest Hits Album klingt verstärkt dieses Gefühl auf jeden Fall. Inhaltlich gibt es dabei kaum Kritikpunkte. Man könnte an dieser Stelle vielleicht erwähnen, dass sich das gesprochene Englisch auf “Spectres Bride” eindeutig nach “Nicht-Muttersprache-Englisch” anhört, aber das fällt kaum ins Gewicht, außerdem verleiht das dem Song Charakter.

Fazit

„The Great Beyond” ist letztendlich ein sehr gutes Album. Die Leistung der Musiker ist beeindruckend, die Soli sind atemberaubend und der Hörgenuss ist unglaublich hoch. Ausstellungswert ist also im Übermaß vorhanden, die sogenannte “Aura” fehlt aber. Das Ergebnis ist ein Album, das sich gleichzeitig stark erzwungen und andererseits tief ehrlich anfühlt.

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