D.A.R.I.O - Rapsyndrom
Beats
Flow
Lyrics/Reime
Gesamtkonzept
Features
3.8Sterne

Ein entspanntes Mixtape von einem jungen Künstler, der eine Menge Potenzial besitzt.

Der 18-jährige Sprechgesangskünstler veröffentlichte am 18. Dezember 2016 das kostenlose Mixtape „Rapsyndrom“. Der Tonträger kann hier kostenlos heruntergeladen werden. Er hat musikalisch schon eine Menge erlebt und kann einige kleine Meilensteine verzeichnen. Der Nachwuchskünstler wohnt direkt an der österreichischen Grenze, in Lindau, und spielte schon Support-Shows für Szenegrößen wie Kool Savas, De la Soul, Blumentopf, Megaloh oder Dame. Knapp zwei Jahre nach dem Mixtape „Alles was zählt“ mit Mooses darf nun das nächste Release gehört werden.

Analyse

Drei Beats wurden exclusiv für den Tonträger produziert, bei den anderen Instrumentals handelt es sich um Freebeats. Lyrische Untersützung erhält D.A.R.I.O von seinem Mentor E.S.I.K, ND Light und Mooses. Die Platte startet mit dem ersten Song „Balkon“, hier erzählt der Rapper von seiner Ruheoase, seiner Dachterrasse. Um seinen Stress zu bewältigen, hört er dort Musik und raucht dort die ein oder andere Lunte. Auf dem Ultra chilligen, jazzigen Klavier-Beat flowt der Lindauer sehr gediegen und kreiert somit eine tolle Atmosphäre. Guter Einstieg.

Mit dem nächsten Lied „Mädchen aus dem Internet“ folgt der stärkste Teil des Mixtapes. Dieser Song besitzt einen tollen, roten Faden und ist ein Storyteller auf dem D.A.R.I.O seinen Humor unter Beweiß stellen kann. Zudem behandelt der Song auch das Thema soziale Medien, Originalität und Frauen. Besonders im zweiten Part ist der Flow ziemlich gut. Der Titel „Hoffnung vor Augen“ dreht sich um das aktuelle Thema Flüchtlinge. Flexx Brasco hat den Beat produziert und Gitarrist Andi Schnoz das Arrangement untermalt. Der Rapper unterstellt gewissen Menschen fehlendes Mitgefühl und fehlende Bildung. Er kann nicht verstehen, dass Länder Waffen exportieren, aber die daraus resultierenden Folgen nicht tragen wollen. Der Musiker kreiert verständliche Sprachbilder und untermauert somit die Wirkung. Man merkt – die Message liegt dem Künstler am Herzen und genau das hört man. Viele Punkte werden von zwei Seiten beleuchtet, Hass und Angst liegen nah beisammen.

Ich hab Angst – wenn das so weitergeht
leben wir schon bald im dritten Reich, doch dann ist es zu spät
Nazis gibt es überall, doch wir sind auch da
es ist nicht die Nationalität die uns ausmacht
scheiss auf die Hautfarbe, scheiss auf dein Aussehen
wir sollten alle die Faust heben und aufstehn

Lied Nummer Vier nennt sich „Wenn die Sonne scheint“. Mentor E.S.I.K fungiert als Featurepartner und rappt in französischer Sprache; der Song beschreibt einen typischen Sommertag der beiden Künstler. Im nächsten Song spricht Mooses zu Anfangs die Rolle des Arztes und unterstellt D.A.R.I.O die Diagnose „Rapsyndrom“, in den folgenden Zeilen wird erklärt wie stark diese Krankheit schon vorangeschritten ist. Die Scratches stammen von E.S.I.K, insgesamt ein wirklich schönes Konzept. Der sechste Song heißt „Unikat“ – D.A.R.I.O und ND Light flowen in Schweizerdeutsch. Mit dem melodischen Instrumental und dem Dialektrap kommt der Track dermaßen in den Rollmodus, besonders der Refrain überzeugt und animiert zum Kopfnicken.

„Bauernhofstyle“ vergleicht die Deutschrap-Szene lustigerweise mit einem dreckigen, landwirtschaftlichen Betrieb. Der Representer mit leichten Battle-Anleihen kann nur phasenweise überzeugen, manche Vergleiche sind nicht richtig durchdacht und zu einfach gestaltet. Die einzige Stelle, die richtig gefällt könnt ihr hier begutachten.

Dank der Schweinegrippe hat ihr Beef an Qualität verloren
sodass man Fortschritt heute verwechselt mit Fehlgeburten
Bauer sucht Frau wurde kürzlich schon ersetzt
durch ne modernere Sendung: Gangsterrapper sucht Intellekt
keine Biorapper – alles industrieverseucht
würde mich nicht wundern wenn bald Deutschrap made in China läuft

Die Kollabo mit Mooses trägt den Namen „Wen juckt das?“ und zielt auf die unnötigen Kleinigkeiten im Leben ab, die den meisten Menschen einige Lebensjahre rauben. Beide nehmen dies locker und formen einen stimmigen Track, hier gefällt besonders die Hook, da sich die zwei Stimmen optimal ergänzen. Als Bonussong ist noch „D.A.R.I.O“ mit dabei, welcher schon vor neun Monaten ein Video spendiert bekam. Ein toller Representer, der besonders live auf der Bühne gut funktionieren kann.

Fazit

Der Hauptprotagonist hat sich stimmlich weiterentwickelt und spielt mit seinem neu erworbenem Talent. Der Hörer darf sogar kurze Gesangspassagen begutachten. Die Themen sind vielfältig ausgesucht und wurden konzeptionell umgesetzt. Die Features sind qualitativ gut und sorgen für Abwechslung. Hier sticht besonders E.S.I.K heraus. Pluspunkte: die druckvolle Stimme und ein absolut lupenreiner Flow, der mit der französischen Aussprache erst richtig zur Geltung kommt.Die Lyrics sind phasenweise gut, jedoch gibt es wenige Tracks, die vollends überzeugen können.

Immer mal wieder stört irgendwie eine Passage, eine Formulierung oder das Level des ersten Parts kann nicht gehalten werden. Da war das Tape mit Mooses aus dem Jahre 2015 einfach runder, vielleicht weil man auch nur einen Part pro Song schreiben musste. Natürlich muss man das junge Alter des Rappers miteinbeziehen. Jedoch ist langsam die Zeit gekommen sich vernünftige Beats zu besorgen oder wenigstens qualitativ hochwertige Instrumentale zu leasen, um beim nächsten Release eine Schippe drauf zu legen. Doch eines steht fest: ein D.A.R.I.O Release kann sich der Hip-Hop-Freund immer geben.

Tracklist öffnen

01. Balkon
02. Mädchen aus dem Internet
03. Hoffnung vor Augen
04. Wenn die Sonne scheint
05. Rapsyndrom
06. Unikat
07. Bauernhofstyle
08. Wen juckt das?
09. Outro
Bonustrack:
10. D.A.R.I.O

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