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Das Leben des Marcus Smaller in elf Songs
Musikalische Performance
Stimmung
Lyrics
Cover
Abwechslung
3.2Sterne

Am 20. Mai erblickt das zweite Solo-Album von Marcus Smaller die unendlichen Weiten der Musiklandschaft. Es ist persönlich, zum Mitsingen geeignet und ein bisschen kritisch oben drauf.

Nach dem Longplayer „Finally Home“, der im Jahr 2014 veröffentlicht wurde, präsentiert Marcus Smaller, Frontman der Punkrock Band 3 Feet Smaller, nun sein zweites Solo-Album mit dem Titel „I, Marcus Smaller“. Wie der Name schon vermuten lässt, funktioniert die Scheibe als eine Art Selbstcharakterisierung: Marcus lässt uns ein wenig hinter die Kulissen blicken. Er erzählt von einigen persönlichen Erlebnissen, tut seine Meinung zu diversen Themen kund und offenbart uns einen Teil seiner Gefühlswelt. Musikalisch wirkt der Sänger und Gitarrist reifer, auch seine Stimme hat an Kraft zugelegt. Überraschung gibt es aber keine; das Album mit rund elf Nummern ist im Großen und Ganzen ganz nah bei seinem Vorgänger angesiedelt.

Mitsing-Flair

Gleich der erste titelgebende Song „I, Marcus Smaller“, welcher bereits als Singleauskoppelung veröffentlicht wurde, enthält eine der scheinbaren Hauptzutaten des Allround-Musikers: einen Mitsing-Part. Ja, Marcus scheint beim Songschreiben auch an seine Live-Auftritte gedacht zu haben. Ein klassisches „woo-oh-oh“ lässt daher nicht lange auf sich warten und wird seine Fans vor der Bühne in Szene setzen. Abgesehen davon ist diese Nummer vor allem inhaltlich ein guter Repräsentant des gesamten Werkes und dürfte ihre Funktion als Single daher bestens erfüllen. In den Strophen erzählt uns Marcus mit dem gewissen Charme von seiner Persönlichkeit:

„I’m a so-called artist
I might not be the smartest
But I’m prettier than advertised“

oder

“I don’t sound like Chad Kroeger
but I’m this close, listen:”

– woraufhin wir eine kleine Imitationseinlage des Nickelback-Sängers erhalten.

Wer vom Mitsingen noch nicht genug hat, der kommt spätestens bei „Open Road“ und „Let’s Go, Let Go“ auf seine Kosten. Nach einem poppigen Gitarrenintro entwickelt sich der letztere der beiden Songs zu einem gemütlichen Beach-Party-Lied – klar, dass da ein mitsingtaugliches „woo-oh-oh“ nicht fehlen darf. Wie Marcus in seinem Livestream zur Albumpräsentation verrät, wird dieser Song wohl auch die nächste Singleauskoppelung sein, die noch 2016 erscheinen soll.

Prominente Unterstützung

I Marcus Smaller Cover

„I, Marcus Smaller“ Cover Artwork (c) Marcus Smaller

Auch auf Features wollte Marcus Smaller nicht verzichten und holt einige Genre-Verwandte, aber auch -Fremde vors Mikrofon. Für den ins Ohr gehenden Song „Echo“, der an eine Mischung aus Green Day und Nickelback erinnert, schrieb zum Beispiel der „Ansa“ von den Vamummtn eine Strophe und rappte diese auch gleich aufs Band. Da der Hörer hier vom Englischen unvermutet in den österreichischen Dialekt geworfen wird, ist diese Kombination zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, macht den Song aber zugleich interessant.

Für den Song „Yeah, You’ll Get Far“, der das Album abschließt, holte sich Marcus einen Star seiner Jugend, Mike Hererra von den MxPx, vors Mikro: „Ich hab mir damit einen Traum erfüllt. Er war immer mein Wunschkandidat für ein Album, das ist für mich einfach ‚oag‘“. Dieser Song ist zugleich der schnellste am Album und fällt damit am stärksten in die Kategorie Punkrock.

Ein ganz besonderes Highlight am Album ist die Nummer „Sick to the Core“, für welche sich Marcus Sänger Jojo von From Dawn To Fall ausborgte. Der Song ist insofern etwas Besonderes, als dass anstelle eines typischen Schlagzeugs beispielsweise eine Couch, ein Staubsauger oder eine Tür für den Rhythmus verantwortlich sind. Das erzeugt einen äußerst spannenden Sound, der zusätzlich durch einen Mikrofon-Filter verstärkt wird. Auch wenn es kein typischer Marcus-Smaller-Klang ist: Diesen Song sollte man sich definitiv anhören.

Die persönliche Note

Emotional wird es zunächst beim zweiten Song „Open Road“, der von der Pause nach 3 Feet Smaller handelt. Wirklich persönlich ist aber „Lullaby“. Mit diesem Song verarbeitet Marcus eine vergangene Liebesbeziehung. Im Stream erzählte er, dass er vor ein paar Jahren einmal verlobt gewesen war, zwei Monate vor der Hochzeit allerdings die legendären kalten Füße bekommen hatte und abgehauen ist. „Das tut mir bis heute leid“, so Marcus. „Ich dachte mir, ich sollte einmal ein Lied schreiben, dass mir die Aktion leid tut.“ Da Marcus nicht nur vage Metaphern von sich gibt, sondern eine klare Geschichte nachzeichnet, holte er sich auch die Erlaubnis der darin Besungenen für die Veröffentlichung des Songs.

Doch Marcus offenbart uns nicht nur persönliche Erlebnisse, sondern auch seine Einstellung zu und Meinung von so manchen Dingen. Gleich im titelgebenden Song ist ein Hauch von Kritik an das Musikbusiness zu vernehmen, indem er die Veröffentlichung eines Albums in eine Strophe miteinfließen lässt. Dass ein solches Unterfangen für Musiker oft eine schwere Aufgabe darstellt, ist kein Geheimnis. Marcus betont in dem Song, wie wichtig es ist, dabei zu sich selbst zu stehen und sich nicht nur herumkommandieren zu lassen.

Auch „Hipsters & Vegans“ nimmt uns mit in die Gedankenwelt des Marcus Smaller. Er macht sich über diese beiden Trends mit charmantem Sarkasmus lustig und bezieht klar dazu Stellung: „Ich hab nichts gegen Vegane, aber mir gehen die Menschen auf den A***, die meinen, sie müssen diesen Lebensstil allen aufdrücken.“ Zusätzlich nimmt er die österreichische Band Bilderbuch auf den Arm und baut gewöhnungsbedürftige Sound-Verzerrungen ein – der Song wäre wohl auch ohne diese ausgekommen.

Fazit

Im Großen und Ganzen präsentiert Marcus Smaller einen poppigen und für Sommertage bestens geeigneten Nachfolger zu seinem Erstlingswerk. Besonders auffallend ist dabei die stimmliche Weiterentwicklung: Er dürfte wohl schon so manches Mal auf die Ähnlichkeit mit Chad Kroeger aufmerksam gemacht worden sein. Die ausschließlich von ihm selbst geschriebenen Songs sind sehr textlastig, was die persönliche Note verstärkt, allerdings auch etwas anstrengend ist und den Flow der Musik schwächt. Abgesehen von musikalischen Ausreißern wie „Sick to the Core“ und eventuell auch „Echo“ sind sich die Songs sehr ähnlich und verkörpern tadellos das Schema Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Bridge-Refrain.

„I, Marcus Smaller“ ist demnach ein Album für alle Pop/Rock-Fans, die gerne auf den Text lauschen, mit den Songs mitsingen und  Altbekanntes Überraschungen vorziehen.

Tracklist öffnen
1. I, Marcus Smaller
2. Anything But Love
3. Open Road
4. Let’s Go, Let Go
5. Hipsters & Vegans
6. Echo
7. Hang On
8. Ruins
9. Sick to the Core
10. Lullaby
11. Yeah, You‘ll Get Far

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