Das neue Hosen-Album im Review
Songwriting
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Technik
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4.3STERNE

Fünf Jahre nach dem mittlerweile legendären Album „Ballast der Republik“, ist es nun wieder so weit: Am 5. Mai 2017 haben die Toten Hosen „Laune der Natur“ veröffentlicht. Auch gibt’s eine Single-Auskopplung von „Unter den Wolken“ mit Video.

Das Album beginnt klassisch punkig mit „Urknall“. Schnell eingezählt und losgelegt. Für „alles mit nach Hause“ schalten die Hosen einen Gang zurück, zumindest für die Strophe, für den eingängigen Refrain geben sie dann wieder Gas. „Wannsee“ beginnt eher ungewöhnlich mit einem Keyboard Intro. Das Lied entwickelt sich zu einer leichten Liebesballade, die sich durchaus noch als Sommerhit entpuppen könnte.

Der vierte Song ist gleichzeitig auch die erste Single-Auskopplung, „Unter den Wolken“. Der Song startet mit einem punkigen Snare-Rhythmus. Auch wird mit diesem Song die Band politisch. An den Uralt-Hit von Reinhard Mey, „Über den Wolken“, angelehnt, nehmen die Hosen zur derzeitigen Bedeutung des Begriffs Freiheit Stellung.

„Unter den Wolken gibt’s keine Starterlaubnis mehr, für all die Träume, all unsere Träume“

Mit „Pop & Politik“ geht es sozialkritisch weiter. Da hier scheinbar keine Singleauskopplung geplant ist, ist die Sprache auch etwas roher als im Song zuvor. Der namensgebende Track „Laune der Natur“ stellt rhythmisch einen Abstecher in den Reggae dar. Der Song „Energie“ beschäftigt sich mit der Frage, woher die Energie kommt, die wir heute ausstrahlen müssen, um als erfolgreich zu gelten. „Alles passiert“ muss dann als erste richtige Ballade gelten. Da die Hosen in den letzten Jahren zwei engere Freunde verloren haben, ist dieses Lied wohl den Verlusten der letzten Jahre und dem Umgang damit gewidmet.

Die Toten Hosen: Wie viele Jahre noch?

Die Toten Hosen – Laune der Natur (c) JKP

„Die Schöne und das Biest“ ist dann wirklich etwas verstörend, wird hier ein Splatter Movie a la Quentin Tarantino musikalisch nachgezeichnet? Auch „Eine handvoll Erde“ thematisiert Eindrücke einer Begräbnisfeier. Das mit „Alles passiert“ aufgegriffene Thema wird weiter gesponnen. Musikalisch ist diese sehr getragene Ballade äußerst gelungen. Auch „Wie viele Jahre (Hasta La Muerte)“ thematisiert den Tod und das Sterben, wenn auch der schwungvolle Song in die alten Zeiten der Hosen in feuchten Proberäumen entführt. Am Bild runder Geburtstagsfeiern wird die Frage gestellt, wie viele Jahre es wohl noch weiter gehen wird.

In „ICE nach Düsseldorf“ wird die letzte Fahrt auf das eigene Begräbnis nach Düsseldorf beschrieben. Ein Track für eine Reise mit der Bahn nach Art der Hosen. „Geisterhaus“ besingt mit ruhigem Geklimper im Hintergrund die fiktive Geschichte eines verlassenen Hauses. „Lass es los“ ist wieder schwungvoller, wenn sich auch hier die Thematik des Textes um Abschied, Vergebung und den Tod dreht. Das Album schließt mit der Countrysong-artigen Ballade mit Steelguitar-Solo „Kein Grund zur Traurigkeit“. Der Titel verrät, dass das Grundthema auch hier nicht verlassen wird.
Das Album enthält noch zwei Bonus-Tracks, einerseits die Radioversion und andererseits eine Instrumentalversion von „Unter den Wolken“. Neben dem Einfachalbum erscheint „Laune der Natur“ auch in einer Doppelalbum-Spezialedition, für die Die Toten Hosen eine Fortsetzung ihres legendären Klassikers „Learning English Lesson 1“ aufgenommen haben.

Fazit

Die Toten Hosen zeigen sich mit ihrem neuen Studioalbum musikalisch sehr vielseitig, aber dennoch ihrem klassischen Punk-Stil verbunden. Musikalisch ist die Produktion absolut top, ohne den typischen Hosen-Sound zu verlieren. Die Lieder sind sehr selbstreflexiv und mit sehr viel schwarzer Ironie aber auch liebevoll geschrieben. Da die Hosen nicht mehr die jugendlichen Rabauken von einst sind, wollen sie nun nicht mehr die Generationen spalten, sondern aus der eigenen Sicht heraus die Jungen und die Alten (Fans) verbinden. Textlich ist es dadurch kein einfaches Album und erst nach mehrmaligem Anhören der Tracks soll der Hörer selbst beurteilen, ob die Toten Hosen mit diesem Album den Sprung in die Altersweisheit geschafft haben.

Die Toten Hosen – Termine

02. Juni 2017 – Nürburgring, Rock am Ring


02. Juni 2017 – Nürnberg, Rock im Park


05. Juni 2017 – Wien, Rock In Vienna


29. Juni 2017 – St. Gallen, Open Air St. Gallen


18. August 2017 – Gampel, Open Air Gampel


28. August 2017 – Gelsenkirchen, Veltins Arena

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