Deasel Weasels Erstschlag: "... second thoughts"
Musik
Texte
Produktion
4.1STERNE

Vielschichtig, mutig und sympathisch: Deasel Weasels Debütalbum „… second thoughts“.

Hinter dem eigenwilligen Bandnamen „Deasel Weasel“ verstecken sich die vier Grazer Musiker Alex Vader (Bass), Chris Jalen (Gitarre, Keyboards, Gesang), Markus Müller (Schlagzeug) und Tom S (Gesang, Gitarre). Bereits 2009 in der steiermärkischen Hauptstadt gegründet, produzierte das Quartett über Jahre hinweg etwas, was ein Fan und Freund von ihnen als „Progressive Grind-Pop“ betitelte. Diese Beschreibung legte die Band anlässlich der Veröffentlichung ihres Debütalbums im Mai 2015 allerdings ab. „Easy going pop music with experimental rock-tunes“ stehen seither am Programm. Und tatsächlich ist diese Definition für die Musik der Alternative-Rocker um einiges zutreffender, auch wenn sich die Songs dann doch nicht immer ganz einfach präsentieren.

Musik ohne Einschränkungen

Wendig wie ein, nun ja, Wiesel schlängelt sich die Band auf ihrem ersten offiziellen Studioalbum „…second thoughts“ durch verschiedene Spielarten der Rock- und Pop-Musik. Dadurch sind sie allerdings auch so schwer zu fassen wie ein Wiesel. Soll heißen, dass es einiges an Zeit bzw. Durchläufen erfordert, bis sich einem das gesamte Album schlüssig präsentiert. Dass sich die Bandmitglieder ihre Sporen zusätzlich in verschiedensten musikalischen Projekten verdienten, merkt man „… second thoughts“ durchaus an. Wie die Gruppe selbst betont, wird jeder Sound und jeder Stil der ihnen über den (Gehör-)Weg läuft zitiert, vermischt oder verinnerlicht. Eine klare kategorische Einreihung bleibt somit verwehrt. Dass dies ganz im Interesse von Deasel Weasel stehen muss, zeigt auch schon das Wortspiel im Bandnamen. Die Niedlichkeit eines Wiesels, das zur selben Zeit allerdings auch immer eine gewisse Verschlagenheit ausstrahlt, diente als Vorbild für die Band. So präsentieren sich die Texte der Pop-Rocker auf den zweiten Blick häufig sarkastisch und frech, während die Musik auf den Hörer direkt einwirkt und eine besondere Energie erzeugen soll (daher der Begriff Diesel). Wenn man sich diesen Ansatz der Band bewusst ist, verwundert auch der Blick auf ihre Einflüsse nicht. Die Vorbilder reichen nämlich von …And You Will Know Us By The Trail Of Dead, über Bob Dylan, Tom Waits und Depeche Mode, bis hin zu Miles Davis und Hubert von Goisern. Sogar die Rapper 2Pac und Dr. Dre werden von der Band als Idole genannt.

Wandelbarkeit ist Trumpf

Deasel Weasel CDs
Zugegeben, jeder dieser Einflüsse ist natürlich nicht sofort auf „… second thoughts“ hörbar, dennoch präsentieren sich die zehn Songs am Album durchaus abwechslungsreich und eigenständig. Was die Lieder eint ist zugleich auch das, was sie so groß voneinander unterscheidet. Beinahe alle Songs weisen klare Breaks auf und schlagen häufig Haken in eine andere Richtung. Obwohl dabei jeder Part für sich sehr eingängig ist und zu überzeugen weiß, wirken die Songs bei erstmaligem Durchhören nur schwer fassbar. Wenn man sich jedoch die Zeit nimmt, die die Lieder sich verdient haben, entpuppen sie sich als aufregende und abwechslungsreiche Werke, die ihr Hitpotential allmählich offenbaren. Als Beispiel kann hier der Eröffnungstrack „Smoke & Fire“ genannt werden, der gleich von Anfang an mit Handclaps und fuzziger Gitarre aufwartet. Schrittweise sich steigernd findet der Song seinen ersten Höhepunkt in den falsetthaften Oh-Chören im Refrain. Ebenso viel Freude bereitet das funkig-groovende „Yo Mamas Potatoes“, das weder mit Cowbell, latinjazz-angehauchter Gitarre, noch mit Zweideutigkeit ausspart. Dass die Wiesels aber auch ruhigere Töne anschlagen können, beweisen sie mit der (anfänglichen) Ballade „Amnesic“, die düstere Klavierklänge mit verzerrten Gitarren vereint und auch thematisch mitunter zu den ernsthafteren Stücken des Albums zählt. In den opulenteren Teilen des Stücks fühlt man sich leicht an die salzburgischen Alternative-Rocker Olympique erinnert, denen stets eine gewisse Erhabenheit anhaftet. Das darauf folgende „Man (With The Sad Eyes)“ wartet hingegen mit einem Gitarrenriff auf, welches ebenso von den Prog-Rock-Giganten King Crimson stammen könnte. Variantenreich as hell eben.

Fazit

Deasel Weasel haben mir ihrem Debütalbum ein sehr abwechslungsreiches Werk geschaffen, das nicht nur über starke eingängige Songs verfügt, sondern auch fordert. Der Bass dröhnt artig und das Schlagzeug treibt hervorragend die Songs voran, während die Gitarren größtenteils zwischen Blues, Funk und Jazz pendeln und gemeinsam mit dem oftmals eigenwillig artikulierten Gesang von Tom S, der stets harmonisch interessante Bewegungen absolviert, sich wie selbstverständlich in das rhythmische Grundgerüst einfügen. Die einwandfreie Produktion rundet die ganze Sache optimal ab. Nur manchmal drängt sich beim Hören von „… second thoughts“ das Gefühl auf, dass der Band ein paar Ecken und Kanten mehr gut zu Gesicht stehen könnten. Textlich präsentiert sich die Band leider nicht ganz so raffiniert wie musikalisch. Zu oft wirken die Lyrics etwas zu plakativ und platt, was sich häufig in Zeilen wie „I get an erection when I see your reflection“ widerspiegelt.

Dennoch muss insgesamt ein großes Lob für dieses mutige und ausdifferenzierte Debütalbum ausgesprochen werden. Der schönste Aspekt beim Hören von Deasel Weasels erstem Studioalbum ist wohl, dass man nicht nur das Selbstvertrauen der Band in die eigene Tätigkeit jederzeit hört, sondern auch der Spaß, den die vier Jungs offensichtlich beim Musizieren hatten und hoffentlich auch noch haben, in jeder einzelnen Minute klar zum Vorschein tritt.

Wer also auf abwechslungsreiche, eigenständige Rockmusik steht, der sollte einen Blick auf Deasel Weasel riskieren. Für die Freunde der Schallplatten gibt es zusätzlich noch eine gute Nachricht, denn im März 2016 erschein „… second thoughts“ auf Vinyl!

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