Der Geheimtipp "Glass Bones" von Lausch
Lyrics
Einheit
Musikalische Performance
Cover
4.8Sterne

Auf ihrem neuesten Werk „Glass Bones“ verbinden Lausch Härte und Zerbrechlichkeit – ein Paradoxon, das nicht nur faszinierend ist, sondern von den Jungs überaus gelungen umgesetzt wird.

Das neue Werk von Lausch ist vor allem eines – vielseitig. Es ist perfekt, um genau hinzuhören und jede Zeile und jeden Akkord bis zu seinen tiefsten Bedeutungen zu untersuchen, aber es ist auch ideal, um sich nebenbei den Schwingungen der einzigartigen Musik hinzugeben und sich einfach treiben zu lassen. Sich verlieren, sich fangen, die ganze Welt in all ihrer Zerbrechlichkeit und Härte auf sich wirken lassen – „Glass Bones“ ist ein Paradoxon, auf das kein Progressive-Alternative-Fan verzichten sollte.

Über Lausch

Seit rund zehn Jahren sind Lausch musikalisch aktiv und entwickeln sich von Album zu Album immer weiter bis zu ihrem ganz individuellen Klang, den sie mit „Glass Bones“ noch verfeinert haben. Alexander Lausch an der Gitarre und den Lead Vocals, Arnold Zanon am Bass und den Backing Vocals und Matthias Ledwinka an den Drums und ebenfalls Backing Vocals – zu dritt bilden sie eine Kombo, die ihre Kreativität nicht nur innerhalb der Band auf Beweis stellt. So sind sie im „normalen Leben“ als Grafiker, Fotograf, Tonstudio-Betreiber und in der Erwachsenenbildung tätig. Alles Berufe, die ihrer Leidenschaft für die Musik ausreichend Platz einräumen. Eine Tatsache, für die unter anderem ihre Alben sprechen.

Vom Riff bis zur Platte

„Am Anfang war das Riff. Aber nicht nur. Manchmal gibt auch eine Phrase oder ein Wort den Anstoß“, beschreibt Alexander die ersten Sekunden in der Entstehung eines neuen Songs. Bei Kaffee und Kuchen – ja, bei Lausch handelt es sich eindeutig um Rocker nach dem Klischee – wird dann am Gerüst gearbeitet, bis der Produzent aufgesucht wird und der Feinschliff beginnt. Inhaltlich verlassen sich Lausch auf ihre persönlichen Erfahrungen. „Die liefern einfach den besten Nährboden für starke Songthemen“, so Alexander. Ein Rezept, das sie mit „Glass Bones“ erneut auf die Probe stellen und das sich erneut bewährt.

„Am Anfang war das Riff“

Gestützt werden Lausch von ihrem Label Panta R&E, welches auch Bands wie Mother’s Cake oder She & the Junkies unter Vertrag hat. „Grundsätzlich haben wir alle Freiheiten, die wir brauchen, um kreativ und produktiv arbeiten zu können“, beschreibt Alexander die Zusammenarbeit mit Panta R&E. Aufgenommen wurde „Glass Bones“ im bandeigenen Studio namens listencareful AUDIO productions und im Studio des Labels. Als helfende Hand war Produzent Georg Gabler in den Entstehungsprozess involviert. „Man hatte zu keiner Zeit das Gefühl, das Ziel aus den Augen zu verlieren, und die Hauptaussagen der Songs blieben stets im Mittelpunkt des Schaffungsprozesses“, alles in allem dürfte die Entstehung des Albums also genauso harmonisch abgelaufen sein, wie sich das Endprodukt auch anhört.

Das ist „Glass Bones“

Neun Nummern finden sich auf dem mittlerweile vierten Studioalbum der Band, die sich zum Proben in einen ehemaligen Kindergarten im nördlichen Waldviertel zurückzieht. Mit der ersten Nummer „Salvador’s Pain“ werden wir sofort von dem individuellen Klang von Lausch abgeholt. Verzerrter Gesang, trabende Gitarrenriffs, groovende Drums und definierte Basslinien – aber das ist nicht genug. Mal wird es laut, mal wird es leise, mal nachdenklich, mal aggressiv. Spätestens beim zweiten Song, „Second Rule“, werde ich an die US-amerikanische Progressive-Rock-Band A Perfect Circle erinnert. Lausch vereinen kräftige Ausbrüche mit klaren Linien und experimentellen Klängen. Dieser zweite Track ist eindeutig einer der heißesten Anspieltipps des Werkes.

Glass Bones Cover

Ein Keramikherz als Symbol für Härte und Zerbrechlichkeit (c) Panta R&E

Es ist allerdings nicht so leicht, sich einzelne Songs herauszupicken, die den Charakter des Albums wohl am besten einfangen könnten. Jede Nummer von „Glass Bones“ scheint eine so bedeutende Rolle und Einzigartigkeit inne zu haben, dass das Album erst durch alle gemeinsam zu dem gemacht wird, was es ist. „Für uns gibt es keine Lieblinge am Album. Die Songauswahl stellt schon das dar, was wir als unseren besten Output für dieses Album gesehen haben“, diese Worte von Alexander drücken die Einheit von „Glass Bones“ wohl am besten aus.

Wie schon am Anfang erwähnt, spiegelt das Album Härte und Zerbrechlichkeit wieder. Daher rührt auch der Titel, der auf die gleichnamige Krankheit der Glasknochen anspielt. Veranschaulicht wird dieses Konzept durch das Keramikherz am Cover, das Lausch als Symbol für diesen Dualismus ansehen. Es sind genau diese zwei Eigenschaften, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die Lausch ausmachen. Von der ersten Nummer bis zum letzten, fünf Minuten starken, Song namens „Tide“ – „Glass Bones“ gehört mit Sicherheit zu den Geheimtipps des Jahres.

Upcoming

Für alle Nostalgiker und Vinyl-Verehrer wird das Album ab 20. November auch auf limitiertem Clear Vinyl zu erwerben sein. Live gibt es die Jungs am 21. November in Graz im Club Wakuum, am 29. November in der ((szene)) Wien und am 04. Dezember in Linz im Posthof zu erleben. Auch für 2016 gibt es schon die einen oder anderen Pläne, die Lausch auch ins ORF Radiokulturhaus führen werden. Alle Progressive-Alternative-Rock-Fans und alle, die dem Klang von Lausch einfach verfallen sind, dürfen sich demnach noch auf einiges von der Band freuen.

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