Irgendetwas ist diesen Sommer gehörig schiefgelaufen. Oder kennt etwa jemand einen plausiblen Grund, warum My New Sombrero nicht zum Sommerhit 2014 wurde?

In aller Kürze

Im dunklen Norden der Steiermark gründeten Michael Down und Steve Lovers die Downlovers, bespielten schon bald das Grazer Publikum, holten sich Verstärkung, nahmen den Nachnamen des neuen Bandmitglieds am Bass (Roberto Lanzelotti))nicht in den Bandnamen auf und veröffentlichten ihre erste EP. Der Tonträger war in Kürze ausverkauft. downlovers_clownsGeorgeman an den Drums machte das Trio 2010 zum Quartett, dafür nahmen sie auch dessen Namen nicht in den Bandnamen auf (hätte auch ziemlich blöd geklungen). Im Jahre 2013 erscheint Undressed Clowns, das erste Album, mit der Singleauskoppelung My New Sombrero und dem leider nicht vermeidbaren My New Sombrero Remix. Das sind Downlovers.

Doch wir wollen nichts überstürzen. Eröffnet wird Undressed Clowns von dem Westernsong Eagles. Reitende Rhythmen bieten Platz für stellenweise sehr zarte Gitarrenklänge und geben dem Gesang den nötigen Raum, um uns erstmals aufblicken zu lassen. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.

Vom Wilden Westen an die Mexikanische Küste

Nach knapp zweieinhalb Minuten ist der Opener zu Ende und macht Platz für My New Sombrero, meinem persönlichen Sommerhit 2014, es hätte auch eurer sein sollen. Der Song ist von Anfang an sehr viel verspielter als sein Vorgänger. Hat dieser noch nach Cowboys im Westen geklungen, landen wir nun weiter im Süden, irgendwo an einem mexikanischen Strand. Englischer Gesang wechselt sich mit spanischsprachigen Einwürfen ab. Mr. Lovers beweist, dass er nicht nur an der Gitarre zu gebrauchen ist, sondern auch mit einer Mundharmonika umgehen kann. So verspielt der Song die meiste Zeit auch sein mag, der Refrain ist überraschend kraftvoll und bleibt mindestens bis Anfang November im Gehörgang hängen.

Jack Johnson’sche Akustikgitarre am Anfang und Michael Downs raue Stimme, unterlegt mit weiblichem Backgroundgesang im Refrain, das ist Pink Clouds. Auch das klingt nach Strand und Palmen, aber diesmal ist der Sonnenschein unser einziger Freund.
Mit Cancer In Your Brain stampft Undressed Clowns weiter. Mittlerweile ist klar, dass Michael Down eine der interessantesten Stimmen der Stadt hat. Auch schreien kann der Mann und das feinklingige Delay im Song steht seinem Gesang gut.

Es geht auch ruhiger

Mit Parachutes, Sunrise und Sleepless folgt das ruhige Triple des Albums.
Parachutes, die leidende Halbzeit der Scheibe, klingt mehr nach Grungeballade, als alles was Silverchair seit 1999 hervorgebracht haben. Sunrise klingt liebevoll, macht nachdenklich, liefert uns ein stimmungsvolles Gitarrensolo, auf das ein kurzes Mundharmonika-Intermezzo folgt. Sleepless ist um einige Nuancen aggressiver, Downs Stimme ist gefällig in den Strophen, kratzig und aufgebracht im Refrain.

The fire in the sky is never as lovely as your eyes.

You Deserve The Sky bildet den eigentlichen Abschluss des Albums. „The fire in the sky is never as lovely as your eyes“, dieser Satz hätte wohl schon so manche Beziehung gerettet. Der Song klingt gemütlich, fasst viel von dem zusammen, was Downlovers in den vergangenen Minuten unter Beweis gestellt haben. Dass ihr Acoustic Boogie Rock funktioniert, perfekt zu einem kühlen Bier passt und, dass sie wissen, was sie tun. Es wäre ein guter Song gewesen, um diese Sammlung, von acht Kompositionen auf hohem Niveau, abzuschließen. Hätte man ihn denn gelassen.

Neun Songs – Einer zu viel

Was folgt, klingt nach einer, wie üblich schlecht platzierten, Werbeeinschaltung in der gratis Version von Spotify. Mit Entsetzen muss man jedoch feststellen, dass dies keine Werbung für einen Bollwerk-Sampler ist, sondern der verhunzte Remix der Singleauskoppelung, die vor wenigen Augenblicken noch so viel Freude bereitet hat. Wussten sie auch hier, was sie tun? Marketingstrategie? Langeweile? Naja, wers mag… Irgendwann ist es überstanden, oder man bricht einfach ab.
Aber selbst dieses Stück Musik schafft es nicht, das Album zu zerstören, dafür sind die acht vorangegangenen Songs einfach zu gelungen. Weiter so…

Fotocredits: Downlovers @Facebook

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