Destroyed Album im Review
Songwriting
Arrangement
musikalisches Können
Zusammenspiel
Präsentation (Cover etc.)
3.9Gesamt

Das Destroyed but not Defeated-Album „Now for the Encore“ steigt in die Austrian Indie Album Charts gleich auf Platz drei ein. Seit heute Platz 1.


Mitte September war ich bei der Albumpräsentation von „Now for the Encore“ im Fluc und habe die Herren von Destroyed but not Defeated zu der Entstehungsgeschichte ihres zweiten Albums befragt. Ich konnte mir auch gleich einen Eindruck von der Live-Version der neuen Songs verschaffen. Lelo überreichte mir noch vor dem Gig die brandneue CD, die sich seitdem immer wieder in meinem CD-Player wieder findet.

Gleich vorauszuschicken ist, dass sich Album- und Live-Versionen der Lieder klar unterscheiden. In den letzten Jahren ist es immer seltener geworden, dass Bands sich noch trauen auf der CD anders als beim Konzert zu klingen. Meist versuchen die Bands, aus klar verständlichen Gründen, beim Konzert so zu klingen wie auf der CD oder umgekehrt. Bei Destroyed but not Defeated ergibt es sich vielleicht auch zwangsläufig, dass eine Drei-Personenband im Studio viel mehr kreative Möglichkeiten hat, aber im Konzert ungebremst die Verstärker glühen lässt.

Destroyed: Druckvolles Songwriting

Jedenfalls kann man sagen, dass die Live-Show einen klaren, druckvollen Indie-Rock-Sound in den Vordergrund schiebt, die CD mit einem vielschichtigen differenzierten Pop-Rock-Sound daher kommt, der viele verspielte Soundnuancen in den Vordergrund rückt, die in der Live-Perfomance etwas untergehen. Destroyed but not Defeated ist eine Indie-Songwriterband. Für die, die das Interview nicht gelesen haben: Lelo Brossmann (Guitar, Bass, Vocals) und Markus Reiter (Bass, Guitar, Vocals) teilen sich die Songwritingaufgaben und es gilt, wessen Lied dessen Vocals beziehungsweise spielt der Songwirter des Liedes Gitarre, der andere Bass. Erst im Laufe der Albumproduktion merkten die drei Wiener, dass ihr Songwriting basierend auf einem Proberaumjam gut funktioniert und somit wurde auch der neu hinzugestoßene Schlagzeuger Clemens Franke gleich am Songwriting beteiligt.

Durch diese Herangehensweise ans Songwriting präsentiert sich das Album „Now for the Encore“ als ein Streifzug durch alle Stilrichtungen, die mit dem Übergenre „Indie-Rock“ im weitesten Sinne in Einklang gebracht werden können. Dennoch haben sich die Drei etwas bei der generellen Zusammenstellung des Albums und mit der Abfolge der Lieder gedacht, auch wenn man sicher nicht von einem Konzeptalbum sprechen kann.

Das Album startet mit dem namensgebenden Titel „Now for the Encore“. Man könnte den Song auch als extended Show-Intro bezeichnen. Leicht dissonante Gitarrenakkorde mit Sprechgesang werden von einem behäbigen Drum-Pattern unterlegt. Mit „Hyst“ geben Destroyed erstmal ordentlich Gas, um gleich klarzustellen, dass es sich hier mehr um eine Rockband als um eine Pop-Combo handelt. Die Nummer ist sicher in der Liveversion um einiges druckvoller, da die Spuren des Tracks sehr sauber abgemischt und gemastert sind. Jede Spur hat ihren klaren Frequenzbereich, der den Song in erster Linie radiotauglicher macht. Dieses Konzept eines klar gemischten Indie-Albums zieht sich bei allen folgenden Songs weiterhin durch. „1995“ ist eine klare Homage an die Smashing Pumpkins und ihren Song „1979“. Es geht weiter mit „Wonderful Day“, der ersten Singleauskopplung des Albums, die auch schon im frühen Herbst in den Austrian Indie Single Charts zu finden war.

Diferenzierender Indie-Rock?

Es geht weiter mit der druckvollen Nummer „You or Me“. Danach folgt das etwas ruhigere „It’s Over“ und „2600“, etwas rauer gesungen, die Nummer geht wieder mehr in die Vollen. Dem Gesetz der Serie folgend ist „Holding it all Together“ etwas getragener, gerade hier sollte man sich die Gitarresolo-Arbeit genauer anhören. Durch das langsamere Tempo schmiegt sich das Solo an die Harmonien und ist sehr hörenswert. „Only bodily Harm“ kommt wieder etwas poppiger daher. Danach schließt „Arcadia“ an. Die zweite Single-Auskopplung ist am 6.Oktober als Nummer 9 in die Indie Single Charts eingestiegen und erfreut sich sicher in den kommenden Wochen noch einiger Beliebtheit auf Youtube, da Lelo und seine Mannen beim Video ihre Kreativität mit Augenzwinkern ausleben konnten. „When the Morning comes“ und „Soft Skull“ runden als solide Indie-Produktionen das Album ab. Durch die wechselnden Songwriter, Sänger und Gitarristen erreichen alle Songs eine gewisse Eigenständigkeit, die bei vielen anderen Alternative-Bands nicht in dieser Diversität gegeben ist.

Die Band möge mir verzeihen, dass ich mich erst jetzt zu den Lyrics äußere, da Lelo gerne betont, dass Texte für ihn, auch wenn nicht in der Muttersprache geschrieben, große Bedeutung haben. Aber mir ist es jedenfalls so gegangen, dass ich erst nachdem ich das letzte Lied des Albums, „Land of Mountains“, gehört habe, laut lachen musste und mir erst danach die Texte der vorhergehenden Lieder genauer anhörte. „Land of Mountains“ schließt sich an einige Versuche österreichischer Songwriter an, sozialkritische österreichische Hymnen zu verfassen. Es ist wohl dem Genre zu verdanken, dass sich das Lied mehr an „Willkommen in Deutschland“ von den Hosen anlehnt als an Rainhard Fendrichs „I am from Austria“, da man bei Letzterem erst bei genauerem hinhören erkennt, dass auch dieses Lied durchaus kritisch ist. Bei „Land of Mountains“ wird schon nach den ersten Zeilen klar, dass es hier um eine sehr kritische Auseinandersetzung mit der österreichischen Seele und dem Selbstverständnis der Alpenrepublikler geht. Daher der Tipp: das Album einmal durchhören und die Musikalität der Jungs auf sich wirken lassen, und dann ein zweiter Durchgang (Now for the Encore) für die Lyrics.

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