Ein zeitloses Album? Timeless Suite von Asja Valcic und Klaus Paier
Kompositionen
musikal. Ausführung
Aufnahme
4.8Sterne

Gleich mal vorweg: Die dritte CD von Asja Valcic und Klaus Paier ist schlicht der Hammer: Ein sensationelles Album, weil mit nur zwei Instrumenten ein fast schon orchestraler Hörgenuss entstanden ist.

Asjas Cello und Klaus‘ Akkordeon wurden stilistisch und technisch voll ausgereizt und schlossen sich zu einer perfekten Symbiose zusammen. Klaus Paier ist ja bei weitem kein Unbekannter mehr, für alle, die gerne mehr über Asja Valcic erfahren möchten, hier eine kurze Vorstellung:

Wer ist Asja Valcic?

Schon als 18-jährige beendete die Ausnahmecellistin erfolgreich ihr Musikstudium in ihrer Heimatstadt Zagreb, um sich dann weiter durch Studien am Tschaikowsky Konservatorium in Moskau und an der Hochschule für Musik in Detmold auf die Klassikwelt vorzubereiten. Recht schnell konnte sie sich dann in der Kammermusikszene etablieren und trat auch als Solistin unter anderem unter Zubin Mehta und Kazushi Ono auf. Nachdem sie 1995 den „Concours International de Jeunes Concertistes de Douai“ gewann, wurde sie dann auch als Stimmführerin ins Limburg Sinfonie Orkest in Maastricht berufen.

In dieser Zeit lernte sie allerdings vor allem die Schattenseiten im Musikbusiness kennen und entschloss sich recht bald, die Welt der klassischen Musik zu verlassen. Stattdessen kümmerte sie sich darum, die Kunstwerke ihrer Mutter zu verkaufen. „Dabei entdeckte ich meine Liebe zu Porzellan“, erzählt Asja „und fing auch selbst an, Lampen, Gefäße und Schmuck zu fertigen, um sie dann in meinem eigenen Laden zu verkaufen. Nach 6 Monaten Cellopause konnte ich mich allerdings nicht mehr zurückhalten und begann wieder, Termine zuzusagen und bei kleineren Kammermusikkonzerten auszuhelfen“. Mittlerweile ist sie in der Wiener Kammermusikszene mit vor allem sehr innovatioven Crossoverprojekten nicht mehr wegzudenken. 2004 gründete sie das radio.string.quartet.vienna, 2009 entstand das Duo mit Klaus Paier und seit 2012 ist sie auch ständiges Mitglied des Liro Rantala String Trios. Seit 2007 sind zehn CD Veröffentlichungen mit Asja Valcic auf ACT erschienen (kann man hier bestellen), drei davon mit Klaus Paier: A dieux (2009), Silk Road (2013) und jetzt Timeless Suite (28.8.2015).

Akkordeon & Cello finden zueinander

Wie kam diese fruchtbare Zusammenarbeit mit Klaus Paier zustande, fragen wir die hübsche Kroatin? „Klaus Paier lernte ich auf einem seiner Konzerte kennen, bei dem ich vor Begeisterung gleich vier CDs inklusive Autogramme kaufte. Ein Jahr später bat mich eine Freundin, bei einem Konzert für sie einzuspringen und als ich erfuhr, dass ich zusammen mit Klaus musizieren durfte, konnte ich es fast nicht glauben.“ Mittlerweile ist Asja Valcic selbst eine der führenden CellistInnen im Crossoverbereich geworden und arbeitet auch als Arrangeurin, Komponistin und Dozentin. „Sie ist eine mit allen, auch mit teuflischen, Spielwassern gewaschene Instrumentalistin“, ist die treffende Beschreibung des Kulturmagazines Mikado.

Asjas Duopartner Klaus Paier muss wohl kaum mehr vorgestellt werden, er ist das österreichische Aushängeschild am Akkordeon und wird als Komponist (Klassik und Jazz) für seinen Ideenreichtum geschätzt. Vor allem mit Duopartner Gerald Preinfalk, im Trio mit Stefan Gfrerrer & Roman Werni und als Solist gibt es großartige Aufnahmen (kann man hier kaufen) und Auftritte rund um den Globus. Seine Musik verinnerlicht sein sehr interessantes Konzept: Er möchte positiv besetzte Polarität in der Musik zum Ausdruck bringen, Anziehendes und Abweisendes, Leichtes und Schweres, Lautes und Leises, Offenes und in sich Geschlossenes, streng Diszipliniertes und leidenschaftlich Explosives. Dieses Prinzip bringt auch sehr viel Leben in das neue Album und hat sicherlich mit dazu beigetragen, dass man mit Timeless Suite sogar den Preis der deutschen Schallplattenkritik bekommen hat.

Timeless – das Album:

www.peterrigaud.com

Asja Valcic & Klaus Paier (www.peterrigaud.com)

Timeless Suite beginnt mit einer Bearbeitung eines Tanzes aus Stravinskys Pulcinella Suite, die noch lebendiger wirkt, als das Original. Man spürt schon die Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten und den Reichtum an Klangfarben. Das technische Niveau der beiden ist extrem hoch und jeder Ton hat seine spezielle Bedeutung, wobei wilde Launenhaftigkeit trotzdem einen wichtigen Platz einnimmt. Fast zu ruhig wird es dann plötzlich im zweiten Track mit einem Song von Klaus. Danach zeigt Asja Valcic mit Saskia`s Dance ihre enormen Qualitäten als Komponistin: Diesem Song, für ihre Tochter geschrieben, liegt ein mitreissender Groove zugrunde, die Aufgabenteilung der beiden Instrumente hat sie sehr intelligent gelöst und zarte Jazzeinflüsse geschmackvoll integriert. Sehr angenehm ist die besonders saubere Intonation bei den schwierigen Cellomelodien. Auch Amelie`s Fairy Tale von Asja Valcic ist eine sehr interessante Komposition: schräg und verträumt, mehrere sehr unterschiedliche Teile wurden auf kreative Weise verbunden, und es gibt einige neue interessante Wendungen. Beim darauffolgenden Vocalmente von Klaus Paier steigert sich durch treibende Grooves die Spannung kontinuierlich, dennoch bleibt der Song wegen der langen lebendigen Töne meditativ. Beruhigend ist dann die von Asja sehr gut arrangierte Sarabande von Johann Sebastian Bach, und in Ibiza at Noon (ebenfalls von Asja Valcic) zeigen uns Asja und Klaus, wie sehr sie sich im Jazz beheimatet fühlen. Für Mittelalterfans gibt es dann Dramatique (Klaus Paier): Nach einem ausdrucksstarken Cello-Intro fühlt man sich wirklich zeitlich zurückversetzt, der Song ist sehr meditativ, vor allem der Mittelteil kann einen ins Reich der Träume geleiten. Eine sehr gelungene Komposition. Das Green Rondo von Klaus Paier hilft einem dann beim Aufwachen: verrücktmachende permanente Taktwechsel führen zu einem gemütlichem bluesigen Mittelteil, es endet aber wieder berauschend. In der letzten Eigenkomposition des Albums (Maestoso & Melodioso) zeigt Asja Valcic wieder ihr Können: Extrem grooviges Lowtempo mit spärlicher, aber extrem wirkungsvolle Harmonik, die vielen Ostinatomotive wurden astrein zusammengefügt. Zum Abschluss wurde Oblivion von Astor Piazzola sehr schön harmonisiert und liebevoll interpretiert.

michael reidinger

Asja Valcici & Klaus Paier (Michael Reidinger)

Die CD-Releasetour startete am 5. September in Okinawa in Japan und läuft bis Jänner 2016. Asja Valcic spielt mittlerweile auch mit Jazzlegende Joachim Kühn im Trio und arbeitet mit dessen bereits 85-jährigem Bruder Rolf Kühn (Klarinette) an dessen neuem Album (soll Anfang 2016 erscheinen). Daher gibt es im Dezember nur drei Auftritte mit Klaus Paier: Straden (17.12.), Völkermarkt (18.12.) und Graz (Stockwerk, 19.12.). Nützen Sie die Chance, diese virtuosen und einfallsreichen Künstler live zu erleben!

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