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Electric Ray and The Shockers bieten monoton-elektrisierten Indie-Rock
Eingängigkeit
Abwechslungsreichtum
Texte
Gesamteindruck
3.4Sterne

Elektrisiert-gleichförmiger Indie-Rock: Die Linzer Electric Ray and The Shockers veröffentlichen ihr erstes Album.

Seit Beginn des Jahrtausends hat der Indie-Rock eine Wandlung durchlaufen: Während die frühen 2000er Jahre von ausgefransten Gitarrenriffs und verzerrten Vocals á la The Strokes oder Arctic Monkeys geprägt waren, wird das Folgejahrzehnt bisher von poppig-hymnenhaften Melodien im Stil von Arcade Fire und Synch-Anleihen aus den 80er Jahren wie bei The 1975 dominiert.
Vor diesem Hintergrund wirkt das Album „California Torpedo“ der Linzer Electric Ray and The Shockers besonders erfrischend: Auf ihrem Erstlingswerk bedient sich das Quartett weder bei der einen noch bei der anderen Spielart allzu offensichtlich. Stattdessen mischen Rainer Fehlinger alias Electric Ray und seine Shockers – Gitarrist Manuel Mitterhuber, Bassist Mario Stadler und Christoph Stadler am Schlagzeug – Indie-Rock mit Elementen aus Surf, Industrial und Pop. Dabei hat sich die Band laut eigener Aussage auch von heimischen Bands wie Fang den Berg, Anna Katt, Tumido, The Sickerboys und Krautschädl inspirieren lassen.
Das Ergebnis ist eine neun Songs starke Platte, die zwischen Selbstironie und Alltagsphilosophie, zwischen plakativem Selbstbewusstsein und subtiler Melancholie hin und her springt.

Von Zitterrochen und Reminiszenzen an Nina Hagen

„California Torpedo“ – entgegen naheliegender Vermutungen hat dieser Titel nicht viel mit dem „Golden State“ an der US-Westküste oder mit Unterwasser-Raketen zu tun. Tatsächlich verweist der Albumtitel auf den Kalifornischen Zitterrochen, wissenschaftlicher Name Torpedo Californica. Laut Aussage der Band verkörpert dieser Titel all das, „was Electric Ray and The Shockers wichtig ist: das Aus-sich-herausholen, was vorher noch keiner kannte, die lauernde Ruhe am pazifischen Meeresgrund und die brachiale Schlagkraft, die diese Ruhe bricht und mit der der Schock des „Torpedo Californica“ seine Beute trifft“. Tatsächlich bietet sich auch eine weitere Theorie zur Herleitung des Albumtitels an: Der ein oder andere Song auf „California Torpedo“ wirft die Frage auf, ob Sänger Rainer Fehlinger nicht möglicherweise Stromschläge verpasst wurden, während er im Studio seine Vocals aufnahm. Bestes Beispiel hierfür ist wohl Track Nummer sechs, „Tempt Me“, der mit seinen zuckend-abgehackten Vocals und lautmalerischen Elementen subtil an Nina Hagen erinnert – im besten aller Sinne.

Doch Electric Ray and The Shockers bietet auf ihrem Erstlingswerk deutlich mehr als nur Reminiszenzen an die deutsche Godmother of Punk: Zu den Highlights auf „California Torpedo“ gehört der Titel „Trouble“, zu dem die Band bereits ein Musikvideo veröffentlicht hat. Ob dieser Song mit seinem groovigen Rhythmus das Image des stereotypischen Bad Boys nun zelebriert oder wegen selbigem um Verzeihung bittet, wird nicht ganz klar – aber spätestens sobald der Zuhörer in Gedanken den Refrain mitbuchstabiert, spielen derartige inhaltliche Ungereimtheiten sowieso keine Rolle mehr.
Ein weiterer Anspieltipp ist die wunderbar nachdenklich stimmende Nummer „Memory Hunter“; ein Song, der in seiner in sich gekehrten Monotonie sowohl beruhigend als auch merkwürdig bedrohlich wirkt. Ähnliches gilt auch für Track Nummer acht, „Night Is A Woman“, der vor allem durch sein ausgeprägtes Drum Pattern besticht.

Eine Platte voll angenehm-grooviger Hintergrundgeräusche

Trotz einiger hörenswerter Songs ist „California Torpedo“ jedoch kein perfektes Album. Tatsächlich wird der Platte genau das zum Verhängnis, was zuvor bereits positiv erwähnt wurde: ihre Monotonie. Insgesamt klingen viele der Titel, die Electric Ray und seine Shockers auf ihrem Erstling präsentieren, recht ähnlich. Und was innerhalb eines einzigen Songs – siehe „Memory Hunter“ – noch als recht angenehm empfunden werden kann, wirkt auf die Dauer etwas einschläfernd. So ist „California Torpedo“ im Ganzen gesehen elektrisiert und bisweilen experimentell, aber zu gleichförmig, um die Aufmerksamkeit des Zuhörers dauerhaft an sich zu reißen. Wer jedoch auf der Suche nach einer Platte voll angenehm-groovigen Hintergrundgeräuschen ist, dem sei „California Torpedo“ ans Herz gelegt. Die Platte erscheint am 23. Dezember 2016 als digitaler Download; Fans analoger Tonträger dürfen sich außerdem auf einen Vinyl-Release freuen.

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