Ensiferum haben ein neues Album auf den Markt gebracht. Ich habe mir das neueste Machwerk der Finnen angehört und für euch in folgendem Review aufbereitet.

„Schwerttragend“ lautet die Übersetzung des aus dem lateinisch stammenden Namens „Ensiferum“. Wer jetzt an Epik und Schlachten denkt, liegt hier goldrichtig, denn Ensiferum lassen sich zwar nicht in eine Genre-Schublade stecken, sind aber ohne Zweifel stark an vergangene Tage angelehnt, in denen der Nahkampf noch die Regel war und Götter neben Kriegern in die Schlacht ritten.
Wer trotzdem gerne einen Anhaltspunkt zum Genre hätte, wird in den Liedern Elemente aus Death-, Pagan-, Folk-, Viking- und Melodic-Death-Metal finden. Unter Anhängern der Folk-Metal-Szene sind sie jedenfalls mehr als bekannt und treten immer wieder mit anderen Größen wie Korpiklaani, Finntroll, Turisas, usw. auf.

Gegründet wurde die Band vor 20 Jahren (Anno 1995). Der damals bei einer Pantera- und Megadeth-Coverband spielende Gitarrist Markus Toivonen fühlte sich immer mehr in die Melodic-Death-Richtung gezogen und entschied, dass er diesen Stil in einem eigenen Projekt umsetzen will.
Von den drei Gründungsmitgliedern Markus Toivonen, Kimmo Miettinen und Sauli Salovainen ist heute jedoch nur mehr Toivonen in der Band.
Schlussendlich wurde die Band im Jahr 2000 unter Plattenvertrag genommen und das erste Album, mit dem Namen „Ensiferum“, konnte aufgenommen werden. Aktuell besteht die Band aus Markus Toivinen (Gesang, Gitarre), Petri Lindroos (Gesang, Gitarre), Janne Parviainen (Drums), Sami Hinkka (Gesang, Bass) und Emmi Silvennoinen (Keyboard).
Bis dato wurden sechs Studio-Albem veröffentlicht. Das letzte mit dem Titel „One Man Army“ erschien im Februar 2015 und genau dieses Album wird im Folgendem durchleuchtet.

One Man Army

Album-Cover – One Man Army

Review

Los geht es mit einem eineinhalb-minütigen Intro mit dem treffenden Titel „March of War“. Es ist ein stimmiges orchestrales Instrumental-Stück, das als ruhiger Gegensatz zum folgenden Song „Axe of Judgement“ wird.

Man wird sofort aus der idyllischen Einführung in dieses schnelle und vergleichsweise aggressive Lied geworfen. Begleitet von einem sehr passenden Chor und einem melodischen Mittelteil mündet das Lied in ein langes und intensives Solo.

„Heathen Horde“ startet mit einem sehr ins Ohr gehenden Intro-Riff, das sich immer wieder durch das vierminütige Lied zieht. Der Chorus besticht durch seinen Männerchor und lädt zum Mitgröhlen ein. Ein richtiges Energie-Lied, in dem man untergehen und sich fühlen kann, als wäre man Teil der besungenen Heiden-Horde.

Der Titel-Track „One Man Army“ startet im Gegensatz dazu sehr pragmatisch und erinnert die ersten Sekunden an Thrash-Metal, was aber nach einigen Takten durch melodische Hintergrundklänge und an einen (guten) Film-Soundtrack erinnernde Chöre wieder sehr schnell in eine epische Richtung schwingt die durch ein schnelles Tempo sofort ins Gehör springt.

Sehr ruhig und zahm präsentiert sich „Burden of the Fallen“. Akkustik-Gitarre, Flöten-Klänge, ruhiger Gesang…das Gefühl hier ist schwer zu beschreiben, aber es ist ein schönes (und kurzes) Stück, das mich entspannt, aber eine verzaubernde Wirkung hat. Es ist unschwer zu hören, dass es als Intro für den folgenden Song „Warrior Without a War“ dient, der dieses verzaubernde Gefühl nimmt und es in eine komplett andere Emotion verwandelt. Das Tempo wird wieder angezogen und melodische, galoppierende Gitarrenriffs treiben zum Headbangen an und erfüllen mit Tatendrang.

Ein (Mönchs-)Choral leitet das nächste Stück „Cry for the Earth Bounds“ ein. Dieser Song vereint alle Elemente der vorherigen Lieder und geizt nicht mit noch mehr Chören, melodischen Soli, sehr soliden weiblichen Vocals und ruhigen Instrumental-Parts.

Mein persönlicher Favorit des Albums ist „Two of Spades“. Zum einen, weil er erfrischend anders ist und zum anderen, weil er ein richtiger Folk-Metal-Disco-Party-Song ist. Ein komplett anderer Ansatz, als die doch eher „ernsten“ Nummern, der einfach nur zum Tanzen, Singen und Bangen verführt.

Wieder ernster und langsamer kommt das Lied „My Ancestor’s Blood“ daher. Leider geht hier dadurch nach dem Vorherigen einfach ein wenig an Fahrt verloren, was den soliden Song hier doch etwas langatmig wirken lässt. Mit dem Outro geht es nahtlos in das dreigeteilte Stück „Descendants, Defiance, Domination“ über, dass über elf Minuten lang ist.
Das leicht verzerrte Gitarren-Intro erinnert mich zu Beginn an die Zeit der Spaghetti-Western, was ich sehr interessant finde. Nach über drei Minuten wird das eigentliche Lied durch eine Erzähler-Stimme eingeleitet, die mich wiederum sehr an Michael Jacksons „Thriller“ erinnert und wechselt dann in eine der eher seltenen Clean-Gesang-Passagen des Albums, die sich wieder mit zerrender Shout-Stimme abwechselt. Das mag sich jetzt sehr seltsam lesen, passt aber wunderlicherweise wie die Faust aufs Auge zu diesem abwechslungsreichen Werk.

Als Abschluss dient das im Gesamtpaket mehr als ungewöhnliche „Neito Pohjolan“. Hier handelt es sich um ein Pop-Stück, dass komplett in Finnisch gesungen wird. Aufgrund der Sprache durchaus interessant, aber sonst wohl für die meisten Metal-Heads wohl gewöhnungsbedürftig. Meiner Meinung nach, ist es ein mutiger Zug, sich als Metal-Band auch zu solchen Stücken zu bekennen. Es beweist Vielseitigkeit und kann durchaus auch dazu dienen, Leute an die Band (oder die Musikrichtung generell) heranzuführen.

Tracks

      01 – March of War – 1:32
      02 – Axe of Judgement – 4:33
      03 – Heathen Horde – 4:12
      04 – One Man Army – 4:25
      05 – Burden of the Fallen – 1:49
      06 – Warrior Without a War – 5:24
      07 – Cry for the Earth Bounds – 7:31
      08 – Two of Spades – 3:39
      09 – My Ancestor’s Blood – 4:30
      10 – Descendants, Defiance, Domination – 11:20
                  11 – Neito Pohjolan – 4:10

Fazit

Man hat es eventuell schon herausgelesen, dass mir das Album durchwegs gefallen hat. Natürlich hat sich der Stil und die Thematik der Texte über die Jahre auch geändert, aber genau das finde ich gut. Eine Band die stehen bleibt kann zwar immer noch erfolgreich sein, aber eine stete Weiterentwicklung der Musik zeugt auch von Mut und Kreativität.

Jeder der gerne Folk-Metal (und alle verwandten Sparten) hört, ist hier bestens unterhalten. Die Lieder sind (größtenteils) kurzweilig, abwechslungsreich und strotzen nur so von epischen und melodischen Parts.

Hier noch das offizielle Video zum Titel-Track „One Man Army“:

Bilder-Rechte liegen bei Ensiferum

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