EstA - BestA
Beats
Flow
Vielfalt
Technik
4.2Sterne

Nach dem Labelwechsel erstrahlt der Künstler in neuem Gewand und gibt sich musikalischer als je zuvor.

Sein Debütwerk aus dem Jahre 2013 konnte bereits Platz Elf der Albumcharts erklimmen. Es ist also höchste Zeit für den nächsten Schritt. Am Freitag, den 12. Februar 2016 erscheint über Nur! Musik der zweite Longplayer „BestA“. Man kann eine Premium Edition erwerben, die außer der „EstAlations“ EP,  ein Kondom, eine Autogrammkarte, Aufkleber und Kopfhörer beinhaltet. Die EP hat ein vier Track Splitvideo spendiert bekommen, die Beats produziert haben die Sound-Fetischisten Sinch, Typhoon und Victor Flowers.

In der Kunst ist es oft anspruchsvoll sich langfristig zu positionieren. Man hört in der Musikbranche meist folgende Floskel „beim zweiten Album ist es meist am schwersten“. Das wird wohl meistens auch zutreffen, aber da der Rapper die Möglichkeit besaß das ganze Album mit „Sinch“ zu produzieren und aufzunehmen, darf man eine Weiterentwicklung erwarten. Wenn nur ein Beatbastler für ein Hip-Hop Album zuständig ist, entsteht meist ein zusammenhängender, straffer Soundteppich.

Beide hatten sich bei gemeinsamen Sampler-Arbeiten der Halunkenbande kennengelernt und bemerkten, dass sie ähnliche musikalische Vorstellungen besitzen. Ein Neubeginn, ein Neustart. Gold- und Platinproducer Sinch für sich zu gewinnen, war der erste Schlüsselmoment. Dazu kam eine ganz neue Betrachtungsweise, EstA konnte und sollte sich Zeit lassen.

Track by Track

Schauen wir uns die Platte doch mal genauer an. Das Album startet mit dem Intro „Hallo Fans„, ein lieber Gruß an die Hörerschaft. Der Künstler ist wieder da und hat 24 Monate in seinen zweiten Longplayer investiert. Der Rapper startet mit Representer Zeilen und berichtet über den Label-Tapetenwechsel. Die komplette Entscheidungsfreiheit über seine Musik ist ihm wichtig. „Sex mit der Ex“ kann als lustiger Storyteller tituliert werden, der das Szenario einer Bettgeschichte mit der ehemaligen Freundin beschreibt. Der Sprechsänger erzählt, ihr Äußeres sei im Gegensatz zu ihrem Charakter richtig gut. Ein Mann kann da eben nicht Nein sagen. Das Gesagte sollte natürlich mit einem Augenzwinkern betrachtet werden, musikalisch ist das super umgesetzt. Daumen nach oben.

Ich hatte gestern wieder Sex mit der Ex
Was soll ich tun, verdammt nochmal sie ist die Beste im Bett
Und früher hatte sie mich einfach ständig gestresst
Doch ich war immer schon von ihrer miesen Technik geflasht

In „Was da Los“ wird ein eingängiger, melodischer Beat als Grundlage genutzt, um Punchlines mit vielen Wie-Vergleichen rauszuhauen. Eine Klarstellung an alle Hater. Das wirklich alles in Ordnung ist, bekräftigt der Rapper in „Alles ist Okay„. Das Instrumental besteht aus nach vorne drückenden Pop- und Rockeinflüssen, die gesungene Hook passt sehr gut dazu. Der Song könnte auch zu einem High School Film Sampler passen. „Ohne Dich“ ist eine weitere Popnummer, in der er mit seiner letzten Beziehung abschließt und die Vorteile und die neu gewonnene Vielfalt beschreibt. Der Song kann als autobiographisch bezeichnet werden. In der ersten Video Single „Immer noch derselbe“ betont der Künstler, dass er seinen Hunger aus den Anfangstagen noch nicht verloren hat. Eine neue musikalische Heimat bedeutet schließlich nicht, dass sich das Grundprinzip auch thematisch komplett ändern muss . EstA bleibt bei seinen Wurzeln, die ein oder andere härtere Ausschweifung steht im gut zu Gesicht und sorgt für einen variablen Hörgenuss. Wieder ein Representer Track, der sich ins Ohr brennt.

Als ob ich mich verändert hätte, Aggression
und ich gehen Hand in Hand wie bei ’ner Menschenkette
Und im Endeffekt sind meine Songs so wie Leute
Die Hörbücher aufnehmen, weil sie halt Bände sprechen

Der nächste Track „Hinter den Kulissen“ lässt ein wenig Revue passieren und verrät einige interne Situationen, die sich bei den Halunken abgespielt haben. Kernaussage – es ist nicht alles Gold was glänzt. Die Hook ist hier wieder gut gelungen. „Club 27“ ist ein fiktiver Song, in dem der Rapper den Wunsch äußert, früh und dramatisch zu sterben um nicht in Vergessenheit zu geraten. Versteckte Seitenhiebe gegen das System und die Medien sind erkennbar, toller Aufbau und gute indirekte Message. Die prominenten Mitglieder des Clubs werden auch gegrüßt und gewürdigt. In „Hier und Jetzt“ gibt sich EstA optimistisch und beschwört das Glück und freut sich auf die schönen Zukunftaussichten.

Der nächste Titel nennt sich „So bin ich nicht“ und geht etwas in die deepere Richtung. Der Song handelt von der Aussage, dass die meisten Menschen nicht so sind wie sie von Außen erscheinen. Er rappt übers Älter werden, seine Auslandserlebnisse, seine Eltern und die Anfangszeit mit Rap in der Schule. „Ich muss raus“ besitzt sommerlich wirkende Gitarren-Elemente und handelt vom Ausbrechen aus der gewohnten Umgebung. Der nächste Song “ Tunnelblick“ besitzt wieder eine sehr eingängige Melodie und beschreibt eine Auseinandersetzung mit einem Grabscher , der sich als Nebenbuhler etablieren wollte. Er tituliert sich als eine Bombe, die jede Sekunde tickt. Der Künstler erklärt seine Beziehung zum Alkohol und den daraus resultierenden Schlägereien. Wenn man im Rausch die Gedanken ausschaltet.

EstA Promo, (c) Lee Maas

Titel Nummer 13 nennt sich „Freundeskreis“ und der einzige Feature Gast „Nima“ unterstützt den Hauptprotagonisten. Die Frau von Nico Suave passt schön ins Bild und bereichert den Song. Ab einem gewissen Alter ändern sich die Wege, verschiedene Interessen, berufliche Pläne etc. spielen eine große Rolle. Genau das thematisiert der Track. „Ja oder Nein“ ist auf einen orientalisch angehauchten Beat gerappt und handelt von einer hübschen Frau, die den Wow-Effekt besitzt, sich aber nicht richtig entscheiden kann, was sie wirklich möchte. Die Stimmlage erinnert etwas an den Ex-Aggro Berliner Harris, außerdem spiegeln sich hier EstAs Gesangs- und Storytellerqualitäten wieder. Im vorletzten Song „Highmat“ berichtet der Rapper von seiner damaligen Kifferzeit. Die täglichen, exzessiven Parkbesuche und die daraus resultierenden Gedächtnislücken werden auch angesprochen. Der Rap ist sehr melodisch gehalten. Der Outro Track „BestA“ schließt den Tonträger ab, fasst das Gesagte zusammen und erzählt von den Anfängen mit der Musik, wie der Battle Arena und dem Forum. Der Sprechsänger betont, dass er immer noch Bock auf den Scheiß hat.

Fazit

Thementechnisch kann die Platte eine bunte Vielfalt bieten. Von autobiografischen Liedern, Representer Songs mit leichten Battle Anleihen, bis hin zu Storytellern ist alles vorhanden. Man kann eine musikalische Weiterentwicklung wirklich hören. EstA sorgt mit seinen gesungenen Hooks und auf der anderen Seite mit den „harten“ Punchlines, für ein schönes Gleichgewicht. Der Stimmeinsatz und die wechselnden Stimmfarben zeigen ein neues Level auf. Wegen der eingespielten Live-Instrumente darf der Klang der Scheibe als kraftvoll bezeichnet werden.  Alles ist deutlich runder als beim Vorgänger. Dass EstA nun endlich in seinem Wohlfühl-Umfeld angekommen ist, spielt wohl auch eine große Rolle. Der Künstler beweist, dass er sich steigern und auf Albumlänge funktionieren kann.

Tracklist öffnen

  • 01. Hallo Fans (Intro)
  • 02. Sex mit der Ex
  • 03. Was da los
  • 04. Alles ist Okay
  • 05. Ohne Dich
  • 06. Immer noch der Selbe
  • 07. Hinter den Kulissen
  • 08. Club 27
  • 09. Hier und Jetzt
  • 10. So bin ich nicht
  • 11. Ich muss raus
  • 12. Tunnelblick
  • 13. Freundeskreis (feat. Nima)
  • 14. Ja oder Nein
  • 15. Highmat
  • 16. BestA (Outro)

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