Die größten Trümpfe des neunten Weezer Albums sind wohl seine beiden Vorgänger.

Nachdem Hurley und Raditude irgendwie… naja… egal waren, kann Everything Will Be Alright In The End nur herausstechen.
Das tut es dann auch, mit Ain’t Got Nobody, dem Opener, beginnt Everything Will Be Alright In The End nämlich als Muse Album. Doch tut es das nur für knappe 40 Sekunden, dann schimmern Weezer durch die Felle des Schlagzeugs. Das klingt am Ende völlig in Ordnung, ein bisschen „Egal“ steht dennoch im Raum.
Na dann eben Back To The Shack, die erste Singleauskoppelung des Albums. Da ist sie dann nämlich auch wieder, diese coolste uncoole Band der Welt. Hornbrille mit giftgrünem 90er-Schleier.

Rockin out like it’s ’94
Let’s turn up the radio
Let’s turn off those stupid singing shows
I know where we need to go:
Back to the shack

Mit Eulogy For A Rock Band hauen, Rivers Cuomo und seine Nerdkollegen, umgehend eine zweite Komposition raus, die einem im Kopf hängen bleiben muss. Damit fühlt man sich endlich wieder wie damals, als man 16 war, endlich Bier trinken durfte. Man planlos den Mädchen nachlief, die einen nicht beachteten und erstmals mit einem Kater auf einem Rockfestival aufwachte.

Jedes Bier ist irgendwann leer

Natürlich kann das nicht ewig so weitergehen, irgendwann findet man eben doch ein Mädchen das einen beachtet und hat keine Lust mehr verkatert auf dem harten, verdreckten Boden eines kaputten Zweimannzelts aufzuwachen. Und natürlich kann auch Everything Will Be Alright In The End nicht ewig auf dem Niveau bleiben, das zwei der drei ersten Stücke bieten. Die Qualitätskurve flacht gelegentlich ab. So geschehen bei Lonely Girl. Die Nummer ist beim ersten Hördurchgang eher unscheinbar, doch je öfter man sie hört, desto stärker nimmt man sie wahr – sie fängt schlicht an zu nerven. Aber das ist nicht so schlimm, die Nummer dauert keine drei Minuten, danach erholt sich die Qualitätskurve wieder und I’ve Had It Up To Here leistet Wiedergutmachung an unserem Gehörgang. Und wie: ein toller Song, mit eingängigem Refrain der wirklich Spaß verbreitet.
The British Are Coming beginnt mit Militär-Marschmusik, Stimmen im Hintergrund, einem Schwenk auf ruhige Melodie, gespielt auf einer Akustikgitarre. Leider ist dieses Gitarrenspiel auch schon der Höhepunkt, ab dann ist der Song noch ganz nett, nicht viel mehr.
Mit Da Vinci und Go Away folgen zwei Songs die zumindest immerhin gut genug sind um den wankelmütigen Mittelteil der Platte zu überbrücken. Auch wenn Da Vinci’s Stimmungswechsel ganz gut gelungen sind und dem weiblichen Backgroundgesang in Go Away ein leichter 90er Bravo Hits Touch innewohnt, der – ich gebs ja zu – einen gewissen Witz hat.

Ein später Höhepunkt

Noch bevor man das schlechte Gewissen, auf Grund des Gefallens des fragwürdigen Backgroundgesangs, von selbst überwunden hat, wird es einem ohnehin von Cleopatra aus Hirn und Herzen geblasen. Ja was soll man sagen, es ist der Höhepunkt des Albums. Diesen Song sollte man gehört haben.

You can’t control me no more Cleopatra, patra, patra

Auch das düster-fröhliche, womöglich auf den Frontman selbst bezogene (Rivers Cuomo hat eine Tochter) Foolish Father macht alles richtig. Souverän führt der Song das Album, mit den im Chor gesungenen Worten, Everything Will Be Alright In The End, auf die Zielgerade.
Jetzt kann die Scheibe enden wie sie angefangen hat, mit einer Erinnerung an Muse. Mit der Futurescope Trilogy, einer Rockoper in drei Teilen. Im instrumentalen I. The Waste Land überschlagen sich die E-Gitarren. II. Anonymous bringt den Gesang zurück, den III. Return To Ithaka sogleich wieder abstellt.

Everything Will Be Alright In The End

weezer_everything_will_beWir haben eben nicht mehr 1994, Weezer sind keine Mittzwanziger mehr und jeder, der von ihnen verlangt den gleichen Collegerock zu fabrizieren, der sie einst in die erste Reihe der Rockszene katapultiert hat, verweigert sich dem Lauf der Dinge. Weezer sind eben keine jungen Collegerocker mehr, Rivers Cuomos Frau und Tochter werden das bezeugen. Die Vier sind gereift – auch wenn sie optisch nach wie vor an die coolen Nerds von einst erinnern – und zeigen, dass sie immer noch Musik machen können die Spaß macht und ins Ohr geht. Eine Band die es nach über zwanzig Jahren noch drauf hat.
Weezer haben also Recht: Everything Will Be Alright In The End!

Fotocredits: Weezer auf Facebook

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