The Falling Trees ist Facelifts sechstes Album und schon die letzten zwanzig Jahre haben gezeigt, dass es nie verkehrt ist, sich ein neues Facelift Album genauer anzuhören.

Ohne das tatsächliche Alter der Musiker zu berücksichtigen, kann man sagen, dass Facelift ein Urgestein der österreichischen Rock und Pop Szene sind. Schon 1995 – damals noch in geringfügig anderer Formation – gründete sich die Grazer Band. Doch wenn man es genau nimmt, ist die Vergangenheit ohnehin vernachlässigbar, denn „The Falling Trees“ ist die Zukunft.

Facelift machen Hard Pop

Facelift - The Falling Trees (c)  Nicouleur

Facelift’s The Falling Trees – Artwork von Nicouleur

In Zeiten, in denen es aus verschiedensten Ecken tönt, der Rock sei tot, sorgen Facelift für ein erhebendes Gefühl im Inneren aller Rockfans. Ihr „Hard Pop“ oder „Heart Pop“, wie sie es nennen, gibt allen sorgenvollen Gitarrenliebhabern die Gewissheit, dass auch Popmusik eine gute sein kann. Denn bei Facelift stehen noch immer die Instrumente im Vordergrund, nicht der gerissene Produzent und seine Pro Tools Lizenz.
Facelifts Indie Pop ist dem Indie Rock so nahe und dennoch Pop. Gleichzeitig fühlt man sich gelegentlich an Placebo erinnert. „The Falling Trees“ ist eine genreüberspannende Brücke, die einen Lichtblick gibt und vor allem irre Spaß macht, überquert zu werden.

A Little Dissapointment … gar nicht

Das Album legt mit verzerrten Gitarren und einem anstachelnden Schlagzeug los. Schon die ersten paar Sekunden von „A Little Disappointment“ sorgen beim Hörer für den Vorsatz, das Album zu Ende zu hören. Erst beginnt Clemens Berger zu singen, doch schon bald stößt Andrea Orsos Stimme hinzu. Diese Momente verzaubern den Zuhörer. Andrea Orsos Gesang ist bittersüß, teils zerbrechlich und dennoch kraftvoll, mit einer unaufdringlich rauchigen Note.
Mit einem ausgedehnten Schlagzeugintro ebnet Norbert Wallner den Weg für „This Is For Always“. “Forever and for always“, steigt Andrea Orso in die Lyrics des Songs ein, in dem sie den Gesangspart für sich alleine hat. Die Stimme verleitet zum Träumen. Anfangs noch verhalten, wird der Songs spätestens im dramatischen Refrain zum Statement.

We are, we are, we are one

Gleich einem Mantra wiederholt Orso die Zeile “We are, we are, we are one“ in „We Are As One And One Is All We Are“. Der Song singt wohl vor allem denen ins Gewissen, die dazu neigen zu vergessen, dass sie nicht alleine auf diesem Planeten leben. „The Jump“ mutet zwar anfangs noch eher wie der Hintergrund zu einem Ausdauerrennen an, erreicht dann aber doch noch die Höhepunkte, die der Titel erhoffen lässt. Das zweienhalbminütige „Yout Better Run“, zu dem noch vor Veröffentlichung ein Albumteaser-Video präsentiert wurde, hält mit Höhepunkten nicht lange hinter dem Berg. Der Song ist kurz und prägnant, macht dementsprechend Spaß.
Der gute Laune Sound von „Tonight“ eröffnet die zweite Hälfte – im Falle der ebenfalls erhältlichen Vinyl Version des Albums die B Seite – der Scheibe. Zu der Single wurde unlängst ein Stop Motion Video veröffentlicht.

Eine Spur zu lieblich kommt der Titeltrack daher. „Falling Trees“ gibt dann aber nochmal den Weg frei für einen späten Höhepunkt der Platte. Inmitten der bedrohlichen Düsterheit von „She“ ergreift Clemens Berger nochmal das Mikro, um den Leadgesang zu übernehmen. Man möchte den Song während eines Sommergewitters hören, das die Welt untergehen lässt. Bergers Stimme bringt die nötige Tiefe mit, um den Song zur Wirkung kommen zu lassen. Orso übernimmt den Background und versüßt die Bitterkeit des Moments.
True Lovers“ neigt passagenweise zum unscheinbaren Dahinplätschern, erst im Refrain wird die ganze Energie entfaltet, so schafft der Song doch noch die Kurve und reiht sich wie auch das abschließende „To Be With You“ in eine Reihe starker Songs auf „The Falling Trees“ ein.

„The Falling Trees“ verzaubert

Gesamtheitlich gesehen ist „The Falling Trees“ ein Indie Pop Album, das äußerst homogen ist, schnell ins Ohr geht und seinen Zuhörer immer wieder verzaubert. Um es in langfristiger Dauerrotation zu hören, müsste es jedoch gelegentlich eine kleine Spur mehr Abwechslung bieten. Clemens Bergers Stimme dürfte ruhig öfter in den Vordergrund kommen, schließlich macht nicht zuletzt das Zusammenspiel der beiden Stimmen diese Band so reizvoll. Dennoch sind Facelift mit „The Falling Trees“ auch nach 20 Jahren noch eine wesentliche Größe am österreichischen Musikmarkt, die heute leider nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die sie in Wirklichkeit verdient.

Bilder (c) Facelift

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