Femme Schmidt über das ungeschönte Leben
Musikalische Leistung
Abwechslung
Tiefgang
Wiedererkennungswert
4.0STERNE

Spätestens nach dem ersten Liebeskummer wird einem klar, dass das Leben sich nicht an Hollywoods Drehbücher hält. Die Berliner Sängerin Femme Schmidt erzählt ihre eigene ungeschönte Geschichte in ihrem Debütalbum „Raw“, das kürzlich erschienen ist.

Schon der Titel „Raw“, der auf Deutsch übersetzt so viel wie „rein“, „roh“ oder im weitesten Sinne auch „ungeschönt“ bedeutet, lässt auf die Intension der Sängerin schließen. Sie will ihrem Zuhörer zeigen, wie die „nackte Wahrheit“ aussieht. Passend dazu hat sich Femme Schmidt unbekleidet für das Albumcover ablichten lassen. Um das Konzept noch ganzheitlicher zu gestalten, entschied man sich zusätzlich für einen Schwarz-Weiß-Druck des Booklets. Damit bleiben dem interessierten Zuhörer lediglich farblose Bilder der Sängerin, ihre Texte und natürlich die Musik ihrer Platte. Hauptsächlich konzentriert sich die junge Berlinerin in ihren Songs auf das intensive Erleben in der Liebe. Im Opener „To the Edge“ beschreibt sie, wie sie bis an die Grenzen getrieben wird und doch wieder der Liebe verfällt.

Femme Schmidt_Beitragsbild

Femme Schmidt © Gabriel Everett

Musikalisch fällt auf, dass Femme Schmidts Stimme im Vordergrund steht. Die instrumentale Begleitung ist auf den Bass reduziert. Die Melodiestimme übernimmt die Sängerin gemeinsam mit einem Backgroundchor so gut wie alleine. Einige Textpassagen wirken sogar mehr gesprochen als gesungen. Der zweite Titel „The Music“ lässt zwar eine andere Thematik vermuten, aber erneut beschreibt Femme Schmidt eine Situation zwischen zwei Liebenden, die eine bestimmte Musik miteinander verbindet. Der nachfolgende Track „Golden“ ist eine leichtere, schnellere Nummer. Aber auch hier spricht die Sängerin wieder einen geliebten Menschen an, der ihren Herzschlag fühlen und mit ihr die Zeit genießen soll. Diese Thematik spinnt sich wie ein roter Faden durch die insgesamt 14 Songs des Albums. Auf der letzten Seite des Booklets ist sogar eine Widmung an denjenigen zu finden, dem Elisa Schmidt alias Femme Schmidt ihr Herz schenkt. Zusätzlich weist ein Zitat von Martha Gellhorn, eine amerikanische Journalistin und Schriftstellerin, darauf hin, dass Femme Schmidt das Leben nicht gleichgültig sondern intensiv verbringen will. Dieser Wunsch findet sich ebenfalls in all ihren Songs. Das Album ist eine Sammlung von einzelnen Klangexplosionen, die jede für sich alleine erscheinen hätte können. Jeder Titel baut Spannung auf, erzählt eine eigene Geschichte und ist unabhängig von den anderen Tracks der Platte. Anhand der ersten Single-Auskopplung „Surround Me With Your Love“ kann der Zuhörer sich daher auch ausmalen, wie der Rest der Musik gestaltet ist. Femme Schmidt kreiert eine Mischung aus Pop- und Jazzmusik. Ihre leidenschaftliche Stimme übernimmt dabei immer die Hauptrolle und hat einen Hauch Sehnsucht inne. Unterstützt wird sie vor allem durch jazzige Bassinstrumente.

Episodische Werbestrategie

Um im Vorfeld auf sich aufmerksam zu machen, hat Femme Schmidt eine Videoreihe gestartet, die immer kleine Ausschnitte ihrer Songs vorgestellt hat. Bis zur Albumveröffentlichung wurden fünf Videos produziert, die Lust auf mehr gemacht haben. Wer sich die Videos interessiert angesehen hat, wird die Songs schnell wiedererkennen. Eine abwechslungsreiche Werbeidee, die beim einen oder anderen Youtube-Nutzer sicher Wirkung gezeigt hat. Ob die Serie nun mit Video Nummer fünf beendet ist, oder ob die Geschichte der Berlinerin noch weiter erzählt wird, ist bislang unklar. Wir bleiben also gespannt.

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