Filmhaftes von Wreckage Machinery
Innovation
Melancholie
Epik
Dramatik
3.9Sterne

Wenn man nach Meinungen zu einer musikalischen Stilrichtungen wie Drum’n’Bass fragt, erhält man oft nur entgeisterte Mimiken zur Antwort. Paart man diese Meinungsumfrage mit dem Zuschlag Orchestral, führt das unweigerlich nur noch zu Verwunderung. Gott sei Dank bringt Wreckage Machinery an dieser Stelle Licht ins Dunkel und schafft ein Projekt, das diese zwei unterschiedlichen Musikrichtungen innehat und sie in vielleicht noch nie dagewesener Form der österreichischen Musikkultur präsentiert.

Wreckage Machinery macht Musik, die elektronisch ist. Elektronische Musik lässt einem Wörter wie Technik, Kühle, Härte, Verrohung einer digitalisierten Welt in den Kopf schießen. Gott sei Dank räumt Wreckage Machinery mit solchen Assoziationen auf und schlägt dabei sogar ganz ins Gegenteil aus: Klänge, die vor Emotionen nur so sprühen, Melodien, die einem Welten imaginieren lassen, Tracks, die nur auf den Film warten, der für sie produziert wird.
Es scheint, als wollte der hinter dem Projekt stehende Christopher Wehsner nicht nur Songtracks schreiben, sondern Geschichten, die das Leben schreibt vertonen.

Christopher Wehnser ist der Macher hinter dem Musikprojekt, das er selbst, aus dem Englischen übersetzt, mit dem Namen trümmerhafte/schiffsbruchartige Maschinerie in den Hafen der österreichischen Drum’n’Base-Szene leitete. Und dass er mit einer Fracht voller Talent und Tiefgang in die Tiefen vieler Musikherzen gekentert ist, beweist er allemal mit seiner neuesten Veröffentlichung ‚The Unreleased Bytes, Pt. 2‚: Nicht umsonst heißt es: Wer Perlen finden will, muss bis zum Grund des Meeres tauchen.

Wreckage Machinery est.2007

Begonnen hat das Musikprojekt um Wreckage Machinery vor fast einem Jahrzehnt. 2007 startete die Zusammenarbeit mit internationalen Record Labels, aus der der gebürtige Wiener nicht nur wertvolle Erfahrung ziehen konnte, sondern während dieser inspirationsgeladenen Zeit auch erstmalig Drum’n’Bass Stücke kreieren konnte. Vor einiger Zeit hat das musikalische Gemüt des Christopher Wehsner neue Gewässer für sich entdeckt, nämlich die des Orchestralen. Dass das alles andere als eine Fehlentscheidung war, beweisen die vielen Fans, die sich auf seiner musikalischen Odyssee als treue Weggefährten erwiesen. Vielleicht ist gerade dieser an den Tag gelegte Wille zum Experimentieren, der seine Musik charakterisiert und gerade deswegen das Potenzial dazu hat, Leute zu begeistern. Das Ergebnis seiner musikalischen Neuorientierung im Orchestralen ist erstmals auf „The Unreleased Bytes, Pt. 1“ zu hören. Er selbst sagt über diese Erstveröffentlichung, dass es ihm ohne den Willen, allein neues Terrain zu beschreiten, niemals möglich gewesen wäre, in der Form seine musikalischen Ideen zu entfalten.
Mut, der belohnt wurde, denn es folgten für Wreckage Machinery zahlreiche Anfragen und positiver Rückenwind in Form von stärkendem Feedback seitens der Hörer. Diese Resonanz bildete für Christopher Wehsner den perfekten Startschuss, um ein neues Album in Angriff zu nehmen: 2015 folgte „The Unreleased Bytes, Pt. 2“.

Episch auf den Punkt

„Unreleased Bytes Pt. 2“ startet mit dem Track ‚Dawn of Time‚. „Time“ hat man zwangsläufig, wenn man diesen Opener hört – allein schon deshalb, weil er einen unfreiwillig durch seine orchestralen Elemente zum Stillsitzen und tiefsinnigen Sinnieren verleitet. Genug Hörtauglichkeit wurde bewiesen, um angestachelt durch Lust-auf-Mehr zum zweiten Track des Albums zu kommen: ‚Falling Skies‚.

Epischer hätte es Christopher Whesner nicht auf den Punkt bringen können, in kürzeren Worten hätte er die sich in fünf Minuten und 23 Sekunden abspielende Ration von starken Gefühlen nicht fassen können. Ja, man glaubt vielleicht tatsächlich, aus allen Wolken zu fallen, direkt in die Klangwelt dieses Liedes.
In nicht weniger dramatische Welten fühlt man sich versetzt, wenn man sich das dritte Stück von „The Unreleased Bytes, Pt. 2“ zu Gemüte führt: ‚emerge‚ lässt nicht nur translatorisch, sondern auch übertragend gesehen auf etwas Tiefes schließen, das empor kommt. Zwar nennt Wehsner, der Macher hinter „Wreckage Machinery“, den nächsten Track auf der Platte ‚Perseverance‚, doch ausdauernd muss man bei seinen Werken keineswegs sein, viel zu stark zieht sich der melodische, sprichwörtlich rote Faden durch das Album des Wieners und zeichnet dramatische Filmszenen in die Köpfe. Einen Abschluss findet das Album mit ‚Edge of the world‚, das metaphorisch gesehen die Grenze dieser fulminanten Reise darstellt, auf die uns Wreckage Machinery mitgenommen hat.

Wreckage Machinery hat mit diesem Werk nicht nur bewiesen, dass in jedem Fall immer das Prinzip „Nomen est omen“ gilt, sondern vielmehr auch, dass etwas geschaffen werden sollte, das zum Nachdenken anregt. „The Unreleased Bytes, Pt 2“ schlägt die tieferen Se(a)iten des Lebens an und es schießen einem unweigerlich Bilder von Filmszenen in den Kopf, die diese Musik einfach perfekt auf den Punkt bringen könnte. Es wäre gelogen zu behaupten, „The Unreleased Bytes, Pt 2“ wäre etwas für seichte Sommerabende am Strand oder für die musikalische Untermalung in einem Supermarkt. Doch genau das soll dieses Album auch nicht sein. Das will es auch nicht. Es steht im Trotz zu einer oberflächlichen Herangehensweise an das Leben. Es provoziert geradezu, indem es die Fülle an Möglichkeiten tiefergehenden Erlebens zeigt. Wer etwas sucht, das berührt, einen zum Innehalten zwingt und der inneren Stimme einen Lautsprecher verschafft, ist mit „Unreleased Bytes, Pt. 2“ gut bedient.

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