Flo Mega - Zebra EP
Produktion
Beats
Wortwitz/Style
Lyrics/Reime
4.0Sterne

Der Bremer Soulsänger wandert in fremden Gefilden und passt sich chamäleonartig an.

Über Four Music erschien am 15. Juli 2016 die „Zebra“ EP des Bremer Urgesteins Flo Mega. Die Mini-Platte enthält vier eingängige, melodische Reggae/ Rub-A-Dub Tunes. Als Special liegen der Auswahl zwei urbane Remixes bei. Der Sprachgebrauch in Form der Pattern macht dem Hörer und dem Künstler sichtlich Spaß. Die harmonisch und rhythmisch wiederkehrenden Struktur steht dem Sänger gut zu Gesicht.

Als einziger Feature Gast tritt Comedian und Schauspieler Teddy Teclebrhan auf und leistet stimmstarke Verstärkung. Das Multitalent schreckt vor keiner künstlerischen Tätigkeit zurück und steckt überall seinen Kopf hinein. Das Motto der Platte laute „Lion is the king and Zebra is the messenger”.  Mr. Mega nimmt kein Blatt vor den Mund und versprüht durchgehend lakonischen Wortwitz. Mit einer fast unglaublichen Lässigkeit springt der Musiker über die Riddims.

Analyse

Mit seiner Band The Ruffcats wurden bereits über 250 Gigs live bespielt. Ob kleiner Keller, Festival oder pompöser Club, hauptsache Action. Mit dieser EP schwingt nun der Sommer durch die Boxen, der Bremer liefert den perfekten Soundtrack für warme Tage und Nächte. Direkt der Opener-Track „Marlboro Mann“ entpuppt sich direkt nach dem ersten Hören als echter Ohrwurm. Die Allroundtalent Mega hat den Song in Eigenregie produziert und während einer Recordingsession spontan instrumentiert. Die Message des Tracks pendelt zwischen nachdenklich und spaßig. Flo beobachtet die Menschen und fordert mehr Respekt untereinander.

Rub-A-Dub to the Fullest. „Die Teller der anderen“ nennt sich der zweite Song, bei dem „Teddy“ die Gesangshook liefert. Seine Stimme umschwirren einige Effekte, der Refrain wurde gut gesungen und bildet einen schönen Kontrast zu Mega’s Stimme. Zwei Ausnahmecharaktere witzeln philosophieren um die Wette, die Konstellation ergab sich zufällig, aber hat dennoch Potenzial ein Hit zu werden.

Schau nicht auf die Teller der anderen
sonst wird dein Essen kalt
schau nicht auf die Teller der anderen
denn hast du es längst bezahlt

Bude in Jamaica“ darf ist der autobiografischste der vier Tracks und schlägt eine Brücke zur Vergangenheit des Sängers. Auf Rub-A-Dub und Reggaepartys wurde die eigenartige Soul Gesangstechnik erlernt und hat somit für Flo einen besonderen Stellenwert. Das Spiel mit der Ironie beherrscht der Hauptprotagonist par Excellence: Er verpackt seine Träume mit einer leicht trotzigen Art in eine lustige Geschichte.

Flo Mega Presse (c) Fabian Stürtz

Flo Mega Presse (c) Fabian Stürtz

Diese Attitüde schimmert auch auf „Lamm Vindaloo“ durch. Wie auch die beiden vorangehenden Tracks, wurde der nächste Track von dem Kölner Musiker Adam Kroll produziert. Das Lied ist ein Statement über die Flüchtlingsdebatte und die Aussage „Gott schenke manchen Leuten Hirn“ schimmert am meisten durch. Den Abschluss der Zebra Scheibe bilden zwei Remixes des Openers „Marlboro Mann“. Während Jari One, Teil des Bremer Kollektivs ZWGSTL (Zweigstelle), den Tune als fetten, elektronischen Clubbbanger interpretiert, verwandelt der Kölner DJ und Produzent Max Cole (Fizzy Veins) den Track in einen reduzierten, minimalistischen Future-Dub-Song. Beide Versionen klingen sehr unterschiedlich und heben sich vom Original ab.

Dem Künstler geht es darum, die vielfältigen Facetten seiner musikalischen Persönlichkeit auszuleben, die EP offenbart einen kleinen Ausschnitt dieser.

Fazit

Die Platte kreiert gute Laune. Flo Mega hat hier wieder einmal gezeigt, dass man ausgetretene Pfade verlassen muss und darf. Die sechs Nummern überzeugen und strotzen nur so vor Spielfreude, Lust nach Neuem und handwerklicher Präzision. Mega zeigt hier wieder seine herausragende Stellung Genregrenzen nieder zu reißen. Hervorragende Remixe, eingängige Texte und Wortwitz gepaart mit frischem Dub / Reggae. Bei den Reimen darf man gerne ein Auge zudrücken. Sie genießen im Reggae bzw. Dancehall einfach keine große Wertstellung, da Attitüde und Klang einfach wichtiger sind. Natürlich beinhaltet die EP auch nicht durchgehend lyrische Leckerbissen,  doch das tut dem Horvergnügen keine Abbruch. Die EP hat Style und darf gefeiert werden. Grüße nach Bremen. Wir empfehlen zumindest das Snippet sich anzuhören.

Tracklist öffnen

1. MARLBORO MANN
2. TELLER DER ANDEREN (feat. Teddy Teclebrhan)
3. NE BUDE IN JAMAICA
4. LAMM VINDALOO
5. MARLBORO MANN (JariOne Remix)
6. MARLBORO MANN (Max Cole Remix)

Merken

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.