Folk-rockiger Facettenreichtum – Robinson präsentieren „Climbing for a Better View“
Texte
Emotionen
Abwechslungsreichtum
Gesamteindruck
4.0Sterne

Mit ihrem Debütalbum „Climbing for a Better View“ legt das Trio Robinson ein folkig angehauchtes Album vor, das mit stilistischem Abwechslungsreichtum und emotionalen Lyrics zu überzeugen versteht.

Robinson sind keine Neulinge in der österreichischen Musikszene: Seit 2013 machen Gitarrist und Sänger Patrick Fahser, Bassist David Ambrosch sowie Schlagzeuger Konstantin Kräutler die Bühnen der neun Bundesländer unsicher. Nach einer EP im vergangenen Jahr hat das Trio aus Wien mit „Climbing for a Better View“ nun sein erstes Album veröffentlicht. Darauf präsentieren Robinson zehn Songs, die die Genregrenzen zwischen Indierock, Blues, Folk, Pop, Jazz und Singer-Songwriter verschwimmen lassen.

Ein Album voll charmanter Simplizität

Eine Konstante, die alle Tracks auf „Climbing for a Better View“ miteinander verbindet, ist ihr minimalistisches Songwriting. Alle Songs, vom Opener „Hold Me Down“ über das Halbzeitstück „We Will be Free“ bis hin zum finalen Track „Last Goodbye“ kommen völlig ohne theatralischen Schnickschnack und rockopernhaftes Gehabe aus. Stattdessen setzen Robinson auf eingängig-bodenständige Gitarrenriffs und folkig angehauchte Rythmen, die trotz ihrer Einfachheit keineswegs langweilig klingen, sondern gerade aus ebenjener Simplizität ihren Charme gewinnen. So stellen sie die perfekte Grundlage für Sänger Patrick Fahsers warme Stimme dar. Aus der Kombination dieser Faktoren entsteht ein Debütalbum, das den Zuhörer mit seinen Indiefolk-lastigen Rhythmen auf eine emotionale Reise in die entlegensten Winkel der Welt mitnimmt.

Angesichts dieser Gemeinsamkeiten ist es überraschend und beeindruckend, wie verschieden die Tracks auf „Climbing for a Better View“ sind: Statt zu einem undefinierbaren Einheitsbrei zu verschwimmen lässt sich jeder Song stilistisch klar von seinen Vorgängern und Nachfolgern abgrenzen. Einerseits betonen und ergänzen sich die zehn Titel im Kontext des Albums gegenseitig und schaffen so ein „großes Ganzes“, das die Summe seiner Teile weit übertrifft. Andererseits gelingt Robinson dennoch das Kunststück, mit jedem Song eine eigenständige Einheit zu erschaffen, die auch losgelöst von den übrigen Tracks mit emotionalen Höhen und Tiefen überzeugt.

Optimistisch und melancholisch zugleich

Die Stimmung auf „Climbing for a Better View“ schwankt zwischen kämpferischem Optimismus, Sehnsucht und Melancholie. Auf den nachdenklichen Opener „Hold Me Down“ folgt das tanzbare „Gone“, in dem Sänger Fahser auf selbstbewusste Art und Weise mit einer verflossenen Liebschaft abrechnet. Es ist sinnlos, gescheiterten Beziehung nachzutrauern, denn das Leben geht weiter – so die Botschaft des Tracks, der mit seinem Ohrwurmfaktor und den rockigen Vocals eines der Highlights auf „Climbing for a Better View“ darstellt. Ähnliches gilt auch für das groovige „Blame it“, mit dem sich Robinson einen stilistischen Abstecher in Richtung Jazz und Funk erlauben.

Mit Songs wie „We Will Be Free“ und „Coming Home“ beweist das Dreigespann dagegen, dass es sich nicht nur auf tanzbare Nummern versteht. „We Will Be Free“, der fünfte Titel des Albums, ist ein melancholischer Abgesang auf das Scheitern – und verliert dabei dennoch nicht aus den Augen, dass jedes Ende auch die Chance eines Neuanfangs bietet. Der Song überzeugt insbesondere mit einer kraftvollen Instrumentalpassage, in der sich die während des ruhigen ersten Teils aufgebaute Spannung schlagartig entlädt, bevor der Song genauso ruhig endet wie er begonnen hat.
Das zurückhaltende „Coming Home“ beweist, dass nicht jeder ruhige Song gleichzeitig auch ein melancholischer oder trauriger Song ist. „Glaubst du nicht, dass es Zeit ist, nach Hause zu kommen“, fragt Fahser, nur um seine Frage letztendlich selbst zu beantworten: „Doch dann erzählt man mir, dass du eines Tages nach Hause kommen wirst.“

Fazit

Selbstbewusst und nachdenklich, melancholisch und optimistisch – mit „Climbing for a Better View“ legt das Dreigespann Robinson ein Debütalbum vor, das mit jedem seiner zehn Tracks eine neue Facette offenbart. Die Band spielt dabei gekonnt mit den Genregrenzen zwischen Indie und Jazz, Rock und Folk und kreiert so ein Album, das sowohl als Ganzes als auch in seine Einzelteile zerlegt zu fesseln versteht.

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