Gina Says Nos zweites Album im Review
Songwriting
Arrangement
Bandsound
Technik
Videos
3.8STERNE

Nach knapp weniger als einem Jahr schossen Gina Says No mit 15. August 2017 ihr zweites Studioalbum „Bless This Mess“ nach. Ist alles beim Alten geblieben, oder wie hat die Band nach einem intensiven Jahr im Studio ihren Sound weiterentwickelt?

Kaum war das Erstlingswerk „Receiving Signals“ fertig, wurde schon an den nächsten Songs gefeilt. Auch dieses Album wurde wieder von Alexander Lausch gemixt und gemastert, der sich auch als Produzent verantwortlich zeichnet. Dieses Mal wurden nur die Drums im Listen Careful Studio aufgenommen, die restliche Fülle an Instrumenten und die Chorparts, die auf diesem Tonträger zu hören sind, wurden während des Jahres im Homerecording Studio der Band aufgenommen. Dies reduzierte nicht nur die Produktionskosten, sondern ermöglichte der Band auch, frei von Zeitdruck, Ideen aufzunehmen und vielleicht einige Monate später wieder zu verwerfen. Doch wie klingen die neuen Songs nun im einzelnen?

Das Album: Bless This Mess

Der Tonträger beginnt mit einem 54 Sekunden langen Intro „Memories“ getragen, verträumt, um danach mit dem ersten vier Minuten Song „All This Hate“ rockiger zu starten. „All This Hate“ ist beschwingt und dadurch etwas poppig, auch wenn es textlich politisch beziehungsweise sozialkritisch gesellschaftliche Probleme aufgreift. Wird hier schon eine Linie für das zweite Album von Gina Says No vorgegeben? Auch wenn sich „Bless This Mess“ als etwas poppiger als das Erstlingswerk präsentiert wird hier nicht auf Soli und verzerrte Gitarren verzichtet. Die Themen der Lieder variieren und geben Momentaufnahmen mit teils biographischem Hintergrund wieder. Auch bei „Louder Than My Demons“ ist der 80er Rock Einfluss gut herauszuhören.

Gina Says No Album Cover

Gina Says No Cover

Doch insgesamt ist der Song mehr aktuellem Pop-Rock zuzuordnen. Der Song „Thought You Were My Friend“ geht ebenfalls in diese zwar aggressive Rockrichtung, ist aber musikalisch in einem im Radio spielbaren Bereich beheimatet. „Hero (Seasons Change)“ ist als erster Song dieses Albums mehr balladenartig. Aber auch in diesem Song wurde auf einen treibenden Chorus nicht verzichtet. „Prison Of Belief“ hingegen ist wieder beschwingter angelegt. Der Gitarrensound ist verspielter, die meist rauhe Stimme klingt sonniger. Dieser Song ist auch in einer Radioedition erhältlich. Mit „Go The Distance“ präsentiert sich Gina Says No etwas düsterer, auch wenn der Song noch immer nicht als Alternative Rock Song durchgeht. An neunter Stelle des Albums findet sich der Song „Paranoia’s Gone“, zu dem die Band auch ein Video veröffentlicht hat. Mit einem einprägsamen Riff beginnend ist dieser Song den Indiewurzeln der Band mehr zuzurechnen, als die anderen Songs davor. „Janie’s Afraid Of Flying“ gibt sich wieder balladenariger, auch hier ist wieder mehr Alternative Sound herauszuhören, als hätten die Jungs von Gina Says No gegen Ende des Albums wieder zu ihren Wurzeln zurückgefunden. Mit „Shine“ klingt das Album mit verspielter Gitarrenarbeit aus, die von einem druckvolleren Refrain abgelöst wird. Beim kraftvollen Solo können sich die Burschen gehörig austoben.

Fazit

Angeblich ist die Veröffentlichung des zweiten Albums immer die schwerste. Der Tonträger wird immer mit dem Debütalbum verglichen, wenn alles „gleich“ bleibt ist es fad, wenn neue Wege beschritten werden, bleibt die Band den Wurzeln nicht treu. So ist es auch hier. Einerseits kann man sich für die Band freuen, dass die Songs auf dem zweiten Album etwas radiotauglicher geworden sind, andererseits ist die Hinwendung zum Mainstream für eine Indierockband gleichbedeutend mit der Aufgabe des eigentlichen Konzepts eben unabhängig von gängigen Stilen zu sein. Dieses Urteil sei aber jedem Fan selbst überlassen. Nichts desto trotz hat Gina Says No auch mit dem zweiten Album einen sehr professionell produzierten Tonträger vorgelegt, der Gusto auf eine der seltenen Liveshows der Band macht.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.