Können Gloria an den überraschenden Erfolg ihres ersten Albums anknüpfen?

Es ist soweit. Gloria, das Duo bestehend aus Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol, liefern den vielgewünschten Nachfolger namens Geister ab. Klaas, weitläufig bekannt aus Film und Fernsehen, übernimmt den Gesangspart, Mark, seines Zeichens Bassist von Wir sind Helden, Gitarre und Bass. Sie stehen bei Grönland Records unter Vertrag, welches von Herbert Grönemeyer höchstpersönlich gegründet wurde. Keine schlechte Ausgangslage für ihr „Zufallsprodukt“, wie sie es gerne nennen. Nun ist das zweite Album entstanden und unterscheidet sich deutlich vom ersten, selbstbetiteltem Gloria. Die Nummern wurden insgesamt weicher, melancholischer, behutsamer. Es ist schön, dass Musik auch heutzutage noch ein Selbstläufer sein kann. Man merkt, dass die beiden in ihren Ideen nicht eingeschränkt wurden. Sie konnten sich zwischen den Konzerten und ihren eigentlichen beruflichen Aufgaben weiterentwickeln ohne gehetzt zu werden. Natürlich müssen dafür die Rahmenbedingungen passen. Durch ihren schon vorher dagewesenen Bekanntheitsgrad, hätten sie auch Kindermusik mit Metal kreuzen können und wären trotzdem erfolgreich damit gewesen. Das soll ihre Leistung nicht schmälern, jedoch hätten sie es als Newcomer beileibe nicht einfach gehabt. Doch das macht ihre Musik und ihr Hobby Gloria aus.

Eine kleine Prise Geister…

gloria_geister

Das Artwork besticht durch seinen Tiefgang bei gleichzeitiger Schnörkellosigkeit.

Dies merkt man schon an den ersten Akkorden dieser Platte. Oft vermischen sich Synthesizer und leicht gezupfte Gitarren. Die Lieder holen einen runter und beruhigen. Piano und Bass gehen über weite Strecken Hand in Hand. Klaas brilliert durchgehend mit seiner sanften, teils leidenschaftlichen Stimme. Auch wenn sie technisch weit weg von Perfektion ist, passt sie dennoch wahnsinnig gut in das Gesamtbild. Der Rhythmus ist unspektakulär, gerade und untermalt die Melodie ohne zu treiben. Und da liegt auch gleichzeitig das Problem. Die Lieder klingen häufig gleich, haben sehr oft die selben Abläufe. So werden manche Titel einfach belanglos. Auch ein paar Dur-Akkorde würden manchmal gut tun und alles interessanter machen. Sucht man aber vergeblich. So zieht einen das Album immer ein Stück weiter runter. Das macht es mitunter schwierig die Platte länger laufen zu lassen. Es ist bewusst schwere, manchmal etwas schwerfällige Musik. Das merkt man vor allem an den Texten welche zwar markant sind, jedoch stur immer die selben Themen bearbeiten. Entschleunigung und Loslassen. Tiefsinnigkeit wird höchstens angeschnitten und oft verlieren Passagen durch manch Pseudo-Nachdenklichkeit an Integrität. Ewig schade um das Potenzial der Melodien, welches somit verschenkt wurde.

Fazit

Wenn man wirklich auf das Album eingehen will, sich damit befassen will, wird man viele glückliche Stunden damit verbringen können. Alleine schon, weil einem die künstlerische Freiheit beinahe ins Gesicht springt. Man merkt, wie viel Herzblut in den Liedern steckt, wie viel Erfahrung und Zukunftsdenken sie beinhalten.  Gloria haben mit Geister ein Album geschaffen von dem man sich viel mitnehmen kann, wenn man nur will.

Photos: (c) GLORIA

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