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Gold für NA15
Performance
Lyrics
Einheit
Aufnahmequalität
Cover
4.0Sterne

Gold für NA15 mit „Goldstandard“? Die Rapcore-Künstler haben an Kraft und Professionalität zugelegt.

Fünf Jahre nach ihrem letzten Album melden sich NA15 mit neuem Material zurück. Mit „Goldstandard“ wird es lauter, härter und professioneller. Mithilfe ihres Gewinns bei der Planet Festival Tour haben die vier Jungs jede Gelegenheit genutzt, ihr neues Werk groß aufzuziehen und richtig in Szene zu setzen. Die für sie charakteristische Sozialkritik, die die Eisenstädter seit jeher in ihre Songs packen, bleibt dabei keineswegs auf der Strecke. Den Zuhörer erwarten elf Nummern, die der Welt erneut den Spiegel vors Gesicht halten.

Gold mit fettem Sound

In „Goldstandard“ steckt nicht nur Liebe zum Detail und zum Musikschaffen an sich, sondern vor allem jede Menge Zeit. „Diesmal konnten wir uns – auch dank des Planet Festival Tour Preisgelds – alle so viel Zeit nehmen, wie wir wollten“, betont Frontman Edi Mastalski. Diesen Energieaufwand spürt man bei jeder Nummer: Der Sound hat um einiges an Gewicht zugelegt und Instrumentals und Gesang bilden eine kompaktere Einheit als bei den Vorgängeralben. Wer also auf „null.acht.15“ bereits zu „Verkaufsgespräch“ ordentlich abgefeiert hat, der kommt bei „Goldstandard“ durchwegs auf seine Kosten.

(c) NA15

Was glänzt, ist „postfaktisch“

Inhaltlich drehen sich die elf Nummern, wie der Titel des Albums vermuten lässt, um jenen berühmt-berüchtigten Goldstandard – den Standard, der eine Platte Gold gehen lässt und den großen Erfolg verspricht. Mastalski erweitert diese Idee zusätzlich noch um ein Wort: postfaktisch. „Es geht nicht mehr darum, eine fundierte Meinung zu haben, sondern eine pragmatische, die immer mich als den jeweilig begünstigten sieht“, so Mastalski zu dem Begriff, der seit der Jahrtausendwende in den Medien herumspukt. „Allem voran steht rein der persönliche kapitalistische Nutzen: Hauptsache, ich hab mehr als die anderen. Das inspiriert mich – und kotzt mich an„, übt Mastalski Kritik an Wahlen, Facebook-Posts und Verkaufstricks.

So kommt die erste Nummer „Gangart“ gleich mit geballter Kraft daher und kritisiert die heutzutage vorherrschenden Ambitionen bei Wahlkämpfen – es geht nicht um Fakten, sondern ums Prinzip, dass eben wahlgekämpft werden muss, und um die Beeinflussung der Wähler durch pure Emotion. Nicht weniger kritisch zeigen sich die Songs „Teil der Maschine“, „Don’t believe the Hype“ und „Gebt mir ein Like“. Letzter nimmt vor allem die ungemeine Bedeutung, die Social-Media-Posts und –Likes zugesprochen wird, aufs Korn.

Durch alle Songs zieht sich der „goldene“ Faden des Goldstandards – was sich verkauft, ist gut, hat eine Daseinsberechtigung. Die Ausdehnung dieses Standards auf die Musikbranche ist ein bedenklicher Aspekt von vielen: Musik um der Musik willen, Musik als Kunstform, gibt es das noch? Dieses Thema scheint sich in die Gehirne von NA15 gebrannt zu haben. Auch auf dem Vorgängeralbum fand sich bereits der Song „3:30“ – drei Minuten und 30 Sekunden als ideale Songlänge, die Verkauf, Erfolg und den einen Chart-Hit, der nie wieder von der Bildfläche verschwindet, versprechen. Diese Idee haben die Jungs auf ein Album – mit ein paar thematischen Ausreißern – ausgedehnt, und das mit Erfolg.

Die goldene Note

Goldstandard Cover (c) NA15

Neben Kritik in Hülle und Fülle haben die Rapcore-Künstler auch musikalisch tief in die Trickkiste gegriffen. Nicht nur Rage against the Machine- und Deichkind-Einflüsse verleihen der Scheibe das Gewisse etwas, sondern auch Rammstein, Slipknot und die Foo Fighters können wiedererkannt werden. Dieser bunte Mix rundet die Songs ab und verleiht dem Ganzen eine einheitliche Note, indem die Instrumentals und Mastalskis Rap- und Gesangsparts noch enger zusammenrücken. Ein musikalischer Ausreißer ist dabei die melancholische Ballade „Weltunterklang“, die von den Verfehlungen der Menschheit erzählt – depressiv und doch traumhaft schön, NA15 zeigen damit eine neue Seite.

Bisherige Fans von NA15 werden mit diesem Werk also jede Menge Freude haben und einige, die die Band noch nicht überzeugen konnte, werden wohl spätestens jetzt auf den NA15-Zug aufspringen. Alle anderen – um es mit dem Worten der Band zu sagen – haben’s nicht verstanden. „Hauptsache, der Rapcore-Fan feiert’s.“

Tracklist öffnen

01. Gangart
02. Abrissbirn
03. Mein weißes T-Shirt
04. Goldstandard
05. Teil der Maschine
06. Spiegelkabinett
07. Don’t believe the Hype
08. Gebt mir ein Like
09. Feierabend
10. Weltunterklang
11. Teufelskerle

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