Einfach eine Stimme und eine Gitarre – mehr braucht es oft nicht.

Höchstwahrscheinlich kennt jeder von euch diese dramatischen Filme, ihr wisst schon welche ich da meine. So in dem Kaliber von „P.S Ich Liebe Dich“. Da gibt es ja auch immer die passende Musik dazu: Diese „pararomantischen“ Singer/Songwriter Stücke, die auch das letzte 14-Jährige Mädchen zum Heulen bringen und danach als Klingelton fungieren. Zumindest bis zum nächsten tränenrührenden Drama mit passend emotionaler Liebesballade. Auch die Musik von HAN NÜM könnte man vorschnell dieser Kategorie zuordnen. Gleich nach den ersten Sekunden des Openers wird man verleitet, das anzunehmen, aber bald darauf eines Besseren belehrt.

Erstmal muss man festhalten, dass die CD Live eingespielt ist. Das heißt in diesem Fall, dass durchaus einige „Fehler“ zu hören sind, die auf der anderen Seite aber nicht als solche wahrgenommen werden. Dadurch wirkt die Musik auch sehr intim – ein wenig so, als ob man mit ihr zusammen am Lagerfeuer sitzen würde.

Hört man weiter, beginnt man schön langsam zu merken, dass hier etwas anders ist, als bei herkömmlicher Singer/Songwriter Musik. Es wird mit zunehmender Zeit immer experimenteller und abstrakter – einfach paradox.

Die Gitarre bespielt HAN NÜM sehr ungewohnt und passend, dazu setzt sie ihren Gesang sehr interessant ein. Sie hat übrigens nie Musikunterricht besucht und ist bei allen Instrumenten – inklusive Gesang – Autodidakt. Und spätestens bei „Sunny Sight“ wird einem klar, dass ihr gängige Akkordfolgen und Changes, ja sogar Akkorde selbst, ziemlich egal sind. Bei diesem Song gibt es anstatt der Gitarre eine Ukulele zu hören, was das ganze nochmals ein wenig an die Spitze treibt. Immer wieder ist auch ein wenig Percussion im Hintergrund auszumachen, wie zum Beispiel bei „The Flowers“. Sogar eine Trompete hat sich auf das Album verirrt. Die Geschichte dazu ist übrigens recht nett: „Misery“ entstand in Berlin, als sie auf ihre Freundin, die zufällig Trompeterin ist, im Krankenhaus wartete. Grund dafür war ein Fahrradunfall.

Mit der Lautstärke im Mix wurde allerdings etwas übertrieben, so sollte man sich also hüten zu laut aufzudrehen – außer man hängt nicht an seinen Boxen oder Kopfhörern.

Die Musik selbst punktet aber definitiv durch Originalität und Authentizität. HAN NÜM macht Musik, weil sie es will und vor allem wie sie es will. Diesen Eindruck erhält man zumindest. Und fragt man sie, wieso sie denn diese Musik macht, wird man mit Antworten wie „Es fühlt sich an wie speiben – es is besser wenns draußen is“ konfrontiert. So ist das eben mit der oben erwähnten Authentizität. Der will ich mich natürlich anschließen und deshalb gibt es für ihr Album „Not Always Sane“ keine Punktebewertung von mir. Es würde sich einfach nicht richtig anfühlen und ist genau das Gegenteil von dem, was die Musik meiner Meinung nach aussagt.

Einfach eine Stimme und eine Gitarre – mehr braucht es oft nicht.

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1. Slow Down
2. What Took Me Here
3. Distance
4. Sunny Sight
5. The Flowers
6. Done With The Stones
7. The Hardest
8. Beginning
9. Wave
10. Keep Still
11. Bottomless Blues
12. Song For Stina
13. Storm
14. When It’s Leaving
15. Misery
©Gabriel Huth

©Gabriel Huth

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