Der Ohrwurm und die Gänsehaut sind Hitchkokk´s stetige Begleiter

Am 01.08.15 erscheint das Debutalbum der Band „Hitchkokk“. Wir durften vorab schon einmal reinlauschen und erzählen euch nun was wir gehört haben. Machen die Jungs nun Indie, Alternative oder irgendetwas zwischen drin? Das ist scheißegal, wichtig ist, Genregrenzen werden durchbrochen, es wird professionell gearbeitet und es entsteht tolle Musik. Dreimal Ja!

Ursprünge

 

Wie so viele Bands, so ist auch Hitchkokk nicht aus dem Nichts entstanden: Alle vier Musiker blicken auf eine langjährige Banderfahrung zurück, die ihnen in der aktuellen Formation dann auch zugute kommt. „Love for the Sinners“ heißt nun ihr Erstlingswerk und bereits das Artwork lässt vermuten, wohin die Reise gehen wird: Hier gibt es Klangwelträume im Kopfkino, statt eines Sündenfalls à la Apfelbaum. Insgesamt umfasst das Album 11 Titel, die zwischen filigranen Riffs, treibende Beats und groovigem Bass changieren.

Die Künstler aus der rheinlandpfälzischen Landeshauptstadt Mainz haben schon einiges vorzuweisen. Aus den beiden Bands Polaroid und Noctunes entwickelte sich der zeitlose Hitchkokk-Sound. Sebastian Stern (Gesang) und Serhat Kilic (Gitarre) machten durch ihre Vorgängerbands schon überregional auf sich aufmerksam, indem sie zum Beispiel die Musik zu zwei Werbespots der Firma Nike schrieben, diverse Fernsehauftritte verbuchen konnten (u.a. im Rockpalast des WDR) und auf einigen der größten Bühnen Europas auftraten (z.B. dem FM4 Frequency Festival). Zusammen mit Paul Thomann (Schlagzeug) und Thilo Konrad (Bass) arbeiten die beiden seit Anfang 2014 am Werdegang ihrer künstlerischen Basis.

Albumcover

Albumcover

Neben ihrer persönlichen Vorliebe für Filme, drückt die Wortschöpfung „Hitchkokk“ ein weiteres Merkmal der vier Vollblutmusiker aus. Bestehend aus dem englischen Wort „hitch„(Hindernis) und des norwegischen Wort „Kokk„. Letzteres bedeutet nichts anderes als Koch, denn sie verstehen ihr Handwerk exzellent und haben mit ihrem ersten Longplayer „Love for the Sinners“ ein Werk voller muskalischer Leckerbissen erschaffen. Auf der Scheibe befindet sich kein Skip-Titel, die nachfolgend beschriebenen Songs stechen besonders hervor und sind die Highlights des Debutalbum.

Die Welt gehört dir

Die elf Tracks starke LP startet mit dem Opener „The World Is Yours“, eine Motivations-Hymmne für alle Hoffenden, die einen Neuanfang wagen möchten. Ein schöner Refrain und die Stimme von Sänger Sebastian unterstreichen den Song und nehmen den Hörer auf eine Reise voller Ups and Downs mit.

Der zweite Song nennt sich “Tourist“ und steht im kompletten Gegensatz zum Opener. Eine süffisante Kritik an dem Triebgedanken der Menschen, alles gesehen zu haben. Jeder möchte nach der Schule für ein Jahr ins Ausland „um die Welt zu sehen“. Danach fühlt man sich erwachsen und erfahren, weil man weg war. Aber eigentlich hat man sich nicht wirklich verändert, sondern glaubt dies lediglich. Denn das innere Wachstum entsteht durch das Scheitern, diese Stelle hat besonders gefallen und inspiriert:

“You travelled far but fear an open fire

until they tame it for the everyman

step back and taste the unusual”

Es geht kritisch aber trotzdem melodisch mit “Off The Track“ weiter. Der Song zielt auf die Unmündigkeit und bezieht sich inhaltlich auf die Dämonisierung von allem, was gesellschaftlich nicht akzeptiert ist. Ohne zu reflektieren, wir dort einfach angenommen, dass gesellschaftliche Konventionen, die meistens auf Stammtisch-Niveau geschehen, sinnvoll und richtig sind. Schuld daran sind die Meinungsmacher, die den Menschen in Angst leben lassen. Staat und Kirche bekommen ihr Fett weg, so regiert es sich eben leichter. Kurzer Auszug aus den Lyrics:

“While you are sitting on your throne

Love’s for the sinners

those will refuse to swear an oath

to a god made of flesh and bones”

Ordinary” handelt von Sucht, genauer gesagt von der Flucht aus der Realität. Man versucht den tristen Alltag durch allerhand „Verlockendes“ zu kaschieren und ihm somit zu entfliehen. Wenn die Sanduhr abgelaufen ist, spürt man, dass die Geister, die man rief einen komplett im Griff haben.

“You showed me more than I ever dared to dream

but now I can’t wait for you to fade”

Hitchkokk Band

Hitchkokk Band

Es folgt “Don’t you worry”. Nicht nur der Name des Songs erinnert an eine verstorbene Reggae-Legende, die heute immer noch äußerst präsent ist. Es ist ein Aufruf, nahezu nichts ernst zu nehmen. Der Sänger befürwortet eine agnostische Lebenseinstellung und singt darüber, dass man sich eingestehen sollte, heute dieser und morgen jener Meinung zu sein. Man muss sich nicht für alles rechtfertigen, zumal nicht, wenn mehrere Dekaden zwischen zwei Äußerungen liegen.

“Don’t you worry ‚bout a thing

no more chances left for us to be wrong

Don’t you worry ‚bout a thing

take your courage in both hands and be

stuck in the middle“

Fazit

Auch die restlichen Songs gehen schön in die Ohren und klingen weder billig, noch zu steif produziert. Tolle Gitattenriffs, passende Drums plus ruhigere, nachdenkliche Parts, dazu passend ausgefeilte Texte sind die Stärken des Quartetts. Kunst und Virtuosität ergeben unglaublich gute Musik, die noch ganz am Anfang steht. Hitchkokk – was auf den ersten Blick wie ein Scrabble.Fauxpass eines Cineasten mit Rechtschreibschwäche aussieht, ist in Wahrheit der Name einer vierköfpigen Indie-Rock-Band aus Mainz. Mit „Love for the Sinners“ legt das Quartett nun sein musikalisches Debüt vor, das mit einem bunten Cocktail aus einlullend-filigranen Arrangements, wuchtig-druckvollem Sound und einnehmend-klarem Gesang die Zuhörer per Anhalter durch die Griffbrett-Galaxis führt.

Tracklist

  1. The World Is Yours
  2. Tourist
  3. Off the Track
  4. In My Soul
  5. Ordinary
  6. Don`t You Worry
  7. Blue
  8. Red
  9. inhale:exhale
  10. Like Twins
  11. We came, We Saw, He died

Weitere Infos zu Hitchkokk findet ihr hier:

https://www.facebook.com/listentohitchkokk

Photocredits: Annegret Arnold

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