In Konstanz am Start: Bertram die Erste
Harmonie
Lyrics
Sound
3.5STERNE

Bertram gibt es seit 2016 in Solo und dazu (im Spätherbst) auch noch die passende LP des Wiener Musikers: Bohemian. Vorab, seit April, war da ein kleines Schmankerl, das unter anderem titelgebend für sein Solo-Erstlingswerk In Konstanz ist.

Simpel mit Stil

Wir sind hier In Konstanz, wobei der Gitarrentrack auch in jeder anderen Szenerie Platz finden könnte. Besungen und bespielt wird nämlich die tägliche Endlosschleife – und ja, das hört man auch. Die Gitarre sowie die gesamte Begleitung präsentiert sich als ein unendliches Wiederholen desselben Patterns. Dieses ist echt funky und hat einiges an Drive, was der Grundbotschaft ein wenig die Härte nimmt. Vielleicht kommt es noch zu einer Entwicklung in der Routine…

Die Gitarre bleibt simpel, der Song wirkt dennoch verspielt. Das vor allem dadurch, wie sich die Begleitung im Verlauf ändert, voller wird und schließlich ein A-Cappella-Surprise bietet. Für diesen Effekt ist natürlich auch die Stimme wichtig. Bertram klingt frech und fordernd, vielleicht ein Hinweis, dass man sich mit seiner Thematik auseinandersetzen soll. Schließlich bietet der Song viel Identifikationspotential. Und dennoch: Kaum hat man sich emotional eingefühlt, kommt schon der Urschrei „Ich will hier raus!“ Raus aus dieser Endlosschleife…

Das Ultimative

…Liebeslied folgt als zweiter Track. Nachdem man der Schleife des ersten Songs entkommen ist, geht es hier nach demselben Modell weiter. Dieses Mal aber von Seiten der Lyrics. Die Liebesbotschaft wirkt durch das ständige Wiederholen schon wie eine Gehirnwäsche, Bertram bekehrt seine Hörer. Diese Steigerung mündet schließlich in eine bedrohlich wirkende Bridge, welche mit der besungenen Thematik bricht.
Der Song klingt hart, zugleich aber weich – dieser Fakt ist für ein Liebeslied ziemlich interessant und wahrscheinlich dadurch zu erklären, dass Bertram nicht kitschig klingen will. Ob dieser Titel wirklich das ultimative Liebeslied ist, bleibt fraglich.

Bohemian

Der Track prescht nach vorne. Auch hier wird das Thema Entwicklung aufgegriffen. Wie kann man faul sein und trotzdem etwas machen, etwas weiterbringen? Dieses Mal kommt es wirklich zur musikalischen Verarbeitung der Thematik: Stimmverzerrer und lässig angesungene Töne machen den Track interessant, Schlagzeug und Gitarre sind im Einklang und gehen durch ihren harten, rockigen Sound weg von den vorhergehenden Songs, die mehr in der Gegend des Pop angesiedelt werden können.

Volatile Lifecycle Blues

Die fulminanten Klänge eines Kontrabasses leiten den Titel ein. Dann völlig unvermittelt: ein krasser Wechsel zurück zur bereits bekannten Gitarre. Die Nummer beschreibt das stete Auf und Ab im Leben zwischen guter und schlechter Laune. Der Track schwankt zwischen tiefster Depression und absoluter Lebensbejahung, garniert mit einem kleinen Gitarrensolo, das jedoch nicht allzu viel Aussagekraft hat. Verschiedene Streichereinsätze, die das Hadern zwischen den unterschiedlichen Seelenzuständen gut abdecken, frischen den Song auf. Um dem Lebenszyklus aus dem Titel gerecht zu werden, bleibt das Ende offen. Die Frage, wie es in Zukunft weitergehen mag, steht bis auf Weiteres unbeantwortet im Raum.

Doch Dich Wird Der Teufel Holen

Auch hier wird wieder Gesellschaftskritik geübt, ein wiederkehrendes Anliegen von Bertram. Musikalisch ist dieser Track komplex und klingt dadurch sehr voll. Die kreisenden Bewegungen der Musik klingen schnell bedrohlich und werden von Base Drum-Akzenten unterstützt. Positiv fällt die stimmliche Begleitung auf, die – in ihrer Wirkung einem Digeridoo ähnlich – das Highlight des Tracks darstellt.

Fazit

Etwas crazy vielleicht. Doch dazwischen gibt es hier top Harmonien, etwas zum Nachdenken und guten Sound. Bertram mit In Konstanz – eine durchaus interessante Kombination, zwar eher für ein Nischenpublikum als für die Masse, die Chance, gehört zu werden, haben sich jedoch sowohl der Künstler, als auch das Album verdient.

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