Wer denkt, daß die Spice Girls der Zenit der Girl- bzw. Frauenpower-Bewegung waren, der sollte hier zu lesen aufhören und sein Weltbild neu überdenken.

Wer denkt, daß die Spice Girls der Zenit der Girl- bzw. Frauenpower-Bewegung waren, der sollte hier zu lesen aufhören und sein Weltbild neu überdenken.

Mit Jadish, einer „Frauenband“ aus der Nähe von Turin, Italien, haben wir hier eine Band, die es gerne mal so richtig krachen lässt. Die seit 2007 bestehende Band bezeichnet ihren Stil als „NEW ROCK INDUSTRIAL“ und für alle, die ohne musikalische Schubladen nicht leben können, sollte das auch ausreichend sein. Ich würde das „INDUSTRIAL“ eher klein schreiben, da sich die, diese Musikrichtung definierenden Elemente, eher dezent im Hintergrund halten. Spannend finde ich, daß die Texte etwa zur Hälfte in englisch, zum anderen Teil in deutsch gehalten sind.

Was in diesem Moment aus meinen Boxen kommt, ist die letzte CD des Quartetts und nennt sich „UNCHASTE“ und ist ziemlich genau ein Jahr alt. Produziert, aufgenommen und abgemischt wurde in „Heimarbeit“, das im Hinterkopf, kann man der CD einen guten, druckvollen Sound attestieren.

Zu den einzelnen Songs:
Los geht es mit „UNCHASTE“, einem rein auf Samples basierenden Intro, das sehr sphärisch daherkommt und gespannt macht auf das, was folgen wird.

Die erste „richtige“ Nummer nennt sich „ROTE BLÜTEN“ und zeigt deutlich auf, in welche Richtung die ganze CD geht. Ich würde es als einen eigenwilligen Mix aus Rammstein und Skunk Anansie bezeichnen. Meist im Mid-Tempo, die Strophe kommt druckvoll mit abgestopptem Gitarrenriff daher, im Chorus kommt dann die Stärke von Jadish zum Vorschein: hier wird mit simpler, effektiver Gitarrenarbeit der Platz für eingängige Gesangsmelodien geschaffen. Im Mittelteil wird`s dann noch einmal ruhiger, ein Klavier mischt sich in den Gesamtsound, danach wird wieder der Chorus „zelebriert“. Sehr eingängige, stimmungsvolle Nummer.

„BIST DU“ schlägt in die gleiche Kerbe. Und das ist eigentlich das Einzige, das man, wenn man unbedingt will, bekritteln kann: die Songs sind alle sehr ähnlich aufgebaut. Bei dieser Nummer packt vor allem der nachdenkliche Text und die Gesangsmelodie im Chorus, hier kommt Gänsehautstimmung auf.

RAMMSTEIN MEETS SKUNK ANANSIE

Weiter geht`s mit „INSIDE“. Hier geht`s etwas flotter zu Werke, der Chorus ist wieder sehr gesangsbetont, wirkt hier jedoch noch einen Tick „intensiver“.

„WAY UP HIGH“ fällt hier dann etwas aus dem Rahmen und leider auch etwas ab. In der Strophe wird gerappt, der Chorus ist weniger eingängig als bei den vorangehenden Nummern.

Bei „WEG“ ist aber wieder alles in Ordnung, hier kommt schnell eine „Rammstein-Stimmung“ auf, es groovt und stampft, daß es eine Freude ist, hier sind auch die Industrialelemente am Ausgeprägtesten.

„NO WORDS“ ist vor allem Live eine Bank, die Shouts im Chorus „Trust no one“ sind wie gemacht für Publikumsbeteiligung.

„HEADBANGERS“ ist wieder gesangsbetonter, der Aufforderung im Chorus „Move your Ass“ kann man aber auf alle Fälle folgen. Im Mittelteil wird`s auch mal richtig böse;-)

„UND ICH“ hat wieder viele Industrialelemente, die Strophe ist mit einem dezenten, aber wirkungsvollen Beat unterlegt, der Chorus ist auch diesmal wieder geshoutet, somit wieder ein guter Livesong.

Die nächsten beiden Nummern „TUESDAY“ und „ALKOHOL“ würde ich als Streichresultate bezeichnen, die Zutaten sind zwar die gleichen, wie bei den restlichen Songs, jedoch reissen diese beiden Songs nicht wirklich vom Hocker.

Aber dann kommt „I`M“, der für mich zusammen mit „BIST DU“ beste Song des Albums. Das Riff in der Strophe erinnert zwar verdächtig an Disturbed, jedoch lässt der Chorus dies vergessen lassen, hier stimmt alles, das Riff, der intensive Gesang, da kommt Freude auf. Zu diesem Song gibt es auch ein (selbst produziertes) Video.

Der Rausschmeisser „I SEE LIGHT“ ist wieder mehr Industrial, kommt ohne Schlagzeug aus, hat eine düstere Grundstimmung und ist als letzte Nummer sehr gut gewählt.

JADISH Unchaste

JADISH Unchaste

Die Gesamtspielzeit beträgt knapp 40 Minuten und diese sind mit Ausnahme der beiden „Streichresultate“ ein sehr gutes Stück Musik. Vor allem die Stimme von Sängerin Marie sticht hier hervor, oft kommt in den intensiven Gesangslinien regelrecht Gänsehautstimmung auf.

Jadish, eine Undergroundband, die man sich nicht entgehen lassen sollte, vor allem, wenn sich die Möglichkeit bietet, sie live zu erleben!

Foto: Jadish Webseite
Jadish Webseite
Jadish@facebook

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