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Jetzt spielt’s Granada
Songtexte
Instrumental
Gesang
4.6Sterne

Lieber Leser, du irrst. Granada haben überhaupt nichts mit der gleichnamigen spanischen Stadt zu tun. Hier geht es nicht um irgendeinen statischen Flecken auf dieser Erde, es geht um eine Blechkiste auf vier Rädern.

Es geht um den Ford Granada, einen Mittelklassewagen aus den 70er und 80er Jahren. Nicht nur das Auto an sich, sondern vor allem der Klang des Namens – GRANADA – haben es Thomas Petritsch, auch bekannt als Effi, und seinen vier Wegbegleitern Lukacz Custos (Gitarre, Gesang), Alexander Christof (Akkordeon, Gesang), Jürgen Schmidt (Bass, Gesang) und Roland Hanslmeier (Schlagzeug) angetan. Das Resultat ihres bislang rund einjährigen gemeinsamen Weges haben wir nun endlich zu hören bekommen, und auch das trägt diesen Namen, der uns momentan von allen Seiten entgegenflimmert.

Scheitert Granada am Veröffentlichungskonzept?

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Granada – (c) Karmarama

Es waren bereits zahlreiche Songs des Debütalbums „Granada“ bekannt, lange bevor das Album erschien.
Dass dieses Veröffentlichungs-Konzept gewaltig in die Hose gehen kann, haben auch schon viele große Veteranen in diesem Geschäft bewiesen. Nach den hörenswerten Vorabveröffentlichungen des Nine Inch Nails Comebackalbums „Hesitation Marks“ blieb zur eigentlichen Veröffentlichung nicht mehr viel übrig, das wirklich beeindrucken konnte. Wir lernen, auch Trent Reznor ist fehlbar.
Dennoch sind Granada dieses Risiko eingegangen. Doch sie haben gewonnen. „Ottakring“ und „Eh ok“ erlangten Bekanntheit als Soundtrack-Beitrag zum Film „Planet Ottakring“, „Palmen am Balkon“ war bereits 2015 ein kleiner Sommerhit auf FM4 und das eingedeutschte und höchst gelungene Billy Joel Cover „Wien wort auf di“ versüßte die kalte Jahreszeit. Diesen Sommer stießen schlussendlich „Piña Colada“ als Videosingle und „Lieber gern als hier“ als Liveaufnahme hinzu. Somit war uns die Hälfte der zwölf Songs schon ein Ohrwurm gewesen, lange bevor wir die ersten Töne vom Album „Granada“ hören durften. Die Befürchtung, bereits alles über Granada zu wissen, liegt nicht fern.

„Hallo du, was weißt du denn schon von mir? Never ever alles außer das hier.“

„Granada“ mit „Lieber gern als hier“, zu eröffnen war dementsprechend kein Fehler. Zwar war, wie erwähnt, auch dieser Song einigen bereits bekannt, doch erreichte die veröffentlichte Akustikversion so kurz vor Album-Release nicht die Präsenz der anderen genannten Kandidaten. Dass somit die erste Textzeile von Granada „Hallo du, was weißt du denn schon von mir? Never ever alles außer das hier.“ lautet, versüßt die Sache zusätzlich.
Es folgen die altbekannten, für viele schon zu kleinen Klassikern gewordenen (Ja, so schnell kann das gehen!) „Ottakring“, „Piña Colada“, „Palmen am Balkon“ und „Eh ok“. Erst dann bekommen wir die erste ganz große Unbekannte, „I sogs da glei“, eine wunderbare, sehr straighte Power-Pop Nummer, zu hören.

Andere Töne schlägt der düstere Balkan-Pop Song „Lang is her“ und das fast nahtlos übergreifende „Ka feia“ an. Die beiden Songs hätten gut und gerne auch ein Song sein können, sie ergänzen sich musikalisch wie auch textlich.

„… ziag di aus, denn wenn was einengt, is es einengend und net guat.“

Spür die Sun“ ist der Song auf „Granada“, der dem klassischen Austropop a la STS, Ambros und Co. in vielerlei Hinsicht am nächsten kommt. Die treibende Rocknummer über Freiheit und Freigeist fördert ein weiteres textliches Highlight in Petritsch Schaffen zutage: „… ziag di aus, denn wenn was einengt, is es einengend und net guat.“
Das letzte Viertel des Albums eröffnet die schwungvolle Hymne zum Spätabend – oder frühen Morgen – „Last Man Standing“. Bevor „Granada“ schlussendlich ins Finale geht, verziert erwähntes Billy Joel Cover „Wien wort auf di“ das Album mit einer stimmungsvollen Ballade. Man verzichtet auf die volle Besetzung, überzeugt stattdessen mit Gesang und Akkordeon.
Die Ukulelen Nummer „Taube im Glas“ setzt einem abwechslungsreichen und durchdachten Album ein Ende. Der Song zählt wohl nicht zu den stärksten, bietet aber einen stimmungsvollen Abschluss. Punkt.
Neben den liebevoll-gewitzten Texten von Petritsch selbst und dem charakteristischen Akkordeon von Alexander Christof, ist es vor allem das Gitarrenspiel von Lukacz Custos, das den Sound von Granada prägt. Die Summe der Bausteine ist es dann auch, die Granada zu etwas Eigenem, Unverkennbarem macht, ohne dass die Band das Rad neuerfunden hat. Es geht um Liebe, das Daheimbleiben und die kleinen Dinge des täglichen Lebens – somit haben Granada das Songwritertum eines Bruce Springsteen aufgegriffen, das sie laut eigener Aussage so bewundern. Ein ungeübter, blasser Abklatsch wurde es dennoch nicht.

Pferdestärke im Wandschrank

Granada entwickeln im Laufe der zwölf Songs ihres Debütalbums wesentlich mehr Vortrieb als das gleichnamige Automobil mit seiner 2,8 Liter Top-Motorisierung und dessen 160 PS.
Thomas Petritsch begann etwas Neues und hat damit Erfolg. Natürlich wünscht man sich Effi immer mal wieder zu treffen, doch Granada will man in seinen Wandschrank packen, um ihre Musik an jedem Morgen und zu jeder Stunde voll auskosten zu können.

Mehr über Granada

Granadas Debütalbum ist in voller Länge auf Spotify und u.a. auf Amazon verfügbar.

Wenn du, lieber Leser, auf den Geschmack gekommen bist und mehr über Granada erfahren möchtest, dann wirf einen Blick auf unser PARADOX Interview mit Thomas Petritsch und Lukacz Custos.

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