KC Rebell präsentiert sein fünftes Album „Fata Morgana“ und schickt den Hörer dabei durch Höhen und Tiefen.

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Albumcover – Fata Morgana

KC Rebell ist ein talentierter MC. Sowohl technisch, stimmlich, als auch inhaltlich weiß der Essener zu überzeugen. Ein facettenreicher Rapper, der sich nicht zu schade ist, auch die unangenehmen Themen unserer Gesellschaft authentisch anzusprechen.
Leider verlieren sich diese guten Ansätze in gelegentlichen Gesangs-Experimenten oder einem widersprüchlichem Materialismus-Gehabe.

Ein Start wie aus dem Bilderbuch

Fata Morgana startet mit dem Ghetto Aristoteles, auf dem KC den Weg raus aus dem „Dreck“ des Alltags beschreitet und diesen sowohl flowtechnisch, inkl. sauberer Doubletimes, als auch beattechnisch zu meistern weiß. Selbstreflektiert und betonungssicher – ein perfekter Einstieg ins Album.
Der nächste Song Alles & Nichts bietet sich direkt als lyrisches Highlight der Platte an. Rebell weiß wovon er redet, wenn er als Chartstürmer von den Schattenseiten des Alltags-Materialismus und den vergänglichen Statussymbolen eines Rap-Stars berichtet. Gut geflowt, technisch on point und musikalisch perfekt untermalt… ein Meisterwerk!

Um den Hörer nicht auf eine depressive Reise ohne Wiederkehr zu schicken, folgt mit Kanax in Tokyo ein Aufmunterer, der es in sich hat. Wer die Kanax inReihe kennt, weiß natürlich, dass Banger Boss Farid Bang nicht fehlen darf. Auf einem epischen Beat von Joshimixu mit asiatischem Sample, wird alles zerlegt, was nicht niet- und nagelfest ist. „Mach` hier nicht auf krass du Lutscher, ein Uppercut, deine Zähne haben Schachbrett-Muster.“

Money ist dann der erste Song der Platte, der die lyrischen Schattenseiten des Rebellen aufzeigt. Zwar kann der Anfang mit dem Money-Sample aus „Dead Wrong“ von Notorious BIG musikalisch überzeugen, doch ist der Inhalt des Songs so extrem konträr zu Alles & Nichts, dass man sich fragen muss: „Warum?“. Was will KC dem Hörer nun sagen, nachdem er gerade den Materialismus verteufelt hat und ihn nun lobpreist? Fragen über Fragen, die auch im weiteren Verlauf des Albums nur halbherzig geklärt werden.

Keine Angst vor kontroversen Themen

Als Nächstes folgt der Titelsong zum Album, wobei Fata Morgana in der Hook durch den wahrscheinlich erfolgreichsten deutschen Soulsänger Xavier Naidoo ein Ausrufezeichen setzt. Ein Song, der sich atmosphärisch, inhaltlich und raptechnisch in der Sparte „Conscious Rap“ nicht verstecken muss. Gekonnt weist KC Rebell daraufhin, dass in allen Bevölkerungsschichten, Ethnien, Religionsgruppen oder Klassengemeinschaften Rassismus, Intoleranz und Hass omnipräsente Probleme sind. Einzig die Unterteilung in „die“ (die deutsche Mehrheitsgesellschaft) und „wir“ (die Ausländer) hinterlässt einen faden Beigeschmack, da vielleicht gerade hier sich die Chance angeboten hätte, dass sich Menschen, die in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland leben, eventuell langsam auch als Teil des Landes begreifen, selbst wenn ein Teil der Mehrheitsgesellschaft ihnen das immer noch abzusprechen versucht. Trotzdem ein starker Song.

Fata Morgana lässt auch die Hip-Hop-Kultur nicht aussen vor. Im Freestyle-Skit 3 wird aus einer Beat-Box Einlage ein herrlicher Spontan-Beat gezaubert, der auch direkt mit der ein oder anderen Punchline treffend veredelt wird. Gelungen.

Schuster bleib` bei deinen Leisten

Was sich KC bei Bist du real, Porzellan, Nicht mehr normal und Wieder an deiner Tür gedacht hat, fragt man sich dann allerdings vergeblich. Vier Liebes-Schnulzen im Cro-Pop-Rap-Style, die dem Banger mal so gar nicht stehen. Langweilig und eindimensional. Klar, jeder hatte schon mal Liebeskummer, aber muss man deshalb direkt anfangen auf Hippie-Beats mit Rockelementen einem Trend nachzujagen, um das Käuferklientel zu erweitern? Muss man im nächsten Augenblick, wenn es um die Ex geht, alle Frauen dieser Welt als Bitches bezeichnen, die nichts besseres zu tun haben, als den Männern das Herz zu brechen oder ihnen das Konto leer zu räumen?

Die logische Konsequenz können dann nur Tracks wie Casablanca, Hennessy und Hasso sein, in denen sich KC als „Motherfucker vom Dienst“ zeigt, der Frauen sein überdimensionales Glied präsentiert und die Damen anschließend im Mercedes AMG abschleppt. „WOW“…

Als Lückenfüller agiert zum Ende Augenblick mit Summer Cem als Feature, bevor man doch noch irgendwie die Kurven bekommt, und Mein eigenes Ding + Auf dem Weg das zeigen, was der Rap-Rebell wirklich kann. Punchlines, Flow-Facetten, Hip Hop Bezug, Conscious Rap und eine animalische Stimme, die Wände erzittern lässt. Bitte mehr davon!

Fazit

Fata Morgana lässt den Hörer zwiegespalten zurück. Einerseits ist man beeindruckt wie flowsicher, stimmgewaltig und inhaltlich on point, KC Rebell Songs erschaffen kann, die gleichzeitig immer ein gewisses Hit-Potenzial in sich tragen. Andererseits fehlen einem die Worte, wenn der Rebell versucht sich entweder als Cro-Imitat oder Frauenhasser par excellence zu präsentieren. Trotzdem muss man anerkennen, dass KC in den Momenten, in denen er glänzt, einen so starken Eindruck hinterlässt, dass man gelegentlich über Totalausfälle an anderer Stelle hinwegschauen kann. Die Zukunft wird zeigen, welche Elemente sich bei dem Essener durchsetzen werden.

Foto: Banger Musik

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