Khaldera entführen in fremde Sphären
Abwechslung
Qualität
Instrumental
3.9STERNE

Es gibt Alben, die wirken durch ihre Intensität wie eine Droge auf den Hörer – lassen ihn abdriften und tragen ihn fort. Khaldera haben durch ihre EP „Alteration“ ein solches Werk geschaffen. Das Album ist ab dem 26. August erhältlich.

Man nehme Doom, mische es mit etwas Stoner und würze es mit einer Prise von Psychedelic Rock: Heraus kommt Khaldera. Die drei-Mann-Band aus der schönen Schweiz, bestehend aus Sven Egloff an der Gitarre, Jonas Mechtersheimer am Bass und Fabio Costa an den Drums, hat sich für ihre EP „Alteration“ mit Simon Jameson einen weiteren Gitarristen ins Boot geholt. Mit ihrer neuen Scheibe haben die vier eine kleine, drei-Track-starke Perle des Stoner Rocks geschaffen. Die härteren Stellen erinnern etwas an Ikonen des Stoner-Rocks wie Kyuss oder Karma to Burn, während in den getragenen Parts auch leichte Anklänge der Post-Metal Band Cult of Luna zu finden sind.

16 Minuten Urlaub auf dem Mars

Alteration Cover (c) Khaldera

Alteration Cover (c) Khaldera

Bereits 2013 brachten die Schweizer ihre Debüt-EP „Relief“ auf den Markt. Die lange Wartezeit auf ein neues Schaffenswerk wird allerdings sehr verzeihbar, wenn man hört, womit man dafür belohnt wird. Auch wenn die rein instrumentale EP nur eine Spielzeit von 16 Minuten vorweist, sind diese 16 Minuten wie eine Reise in eine andere Realität. Die raffinierte Kombination von verschiedenen Soundelementen zieht den Hörer schnell ganz in ihren Bann und verschlingt ihn förmlich. Anmerkung am Rande: „Alteration“ ist nicht nur eine Scheibe, die man auf einer guten Anlage anhören kann ohne Ohrenkrebs zu bekommen, sondern auch unbedingt anhören sollte, damit sie ihre volle Wirkung entfaltet.

„Alteration“ wird von der Nummer „Impending Tempest“ eröffnet. Hinter den flimmernden Geräuschen, die an einen Gitarrenverstärker erinnern, ducken sich ätherische Glockenklänge. Langsame Gitarrenriffs erklingen und schwellen an – in ihrer Breite liegt ein Stück Unendlichkeit. Der Druck wird größer. Die Drums verbinden sich mit dem trägen Tier, das da Soundkörper ist und sich genüsslich im Dunkeln räkelt. Atem anhalten. Nur noch Dröhnen. Luft holen. Noch ein letzter Soundeffekt. Er fließt widerspenstig tiefer, mit der kantigen Ästhetik eines Regentropfens, der sich seinen Weg quer über eine Fensterscheibe bahnt. Und dann ist es vorbei.

Abwechslung gepaart mit Stimmigkeit

„The Inevitability Of Transition“ ist im Gegensatz zur ersten Nummer etwas vollkommen Neues, auch wenn beide im Grunde verwandt sind. Nach dem Ausklingen des ersten Tracks holen einen sofort die kraftvollen Gitarrenriffs der zweiten Nummer ab, die durch Wiederholung und geschicktes Ineinander-Versticken den Hörer berücken. Ohne jede Vorwarnung brechen die Gitarrenklänge gegen Ende des Songs ab und man wird wieder in eine Zwischenebene, bestehend aus Rauschen und weiten Sounddekaden, geworfen.

Abgeschlossen wird die EP schließlich von „Afterglow“, der den Vorgängern in nichts nachsteht, seinen Hörern jedoch wieder ein neues akustisches Erlebnis bietet ohne aus dem Gesamtbild zu fallen. Neue Instrumente sind zu entdecken, wie beispielsweise die weichen aber plastischen Klänge einer Trommel. Während „The Inevitability Of Transition“ stärker in die Stoner-Rock Richtung geht, ist „Afterglow“ vollgepackt mit Psychedelic Elementen. Die Scheibe endet abrupt – plötzlich wird der Sound in sich fortgesogen – ein Gefühl, wie zu erwachen und sich wieder in der Realität zu befinden.

Kurz und gut: „Alteration“ ist eine EP, die sich hören lassen kann und die eine Aufwertung für jede Stoner-Sammlung darstellt. Einziges Manko auf einer sonst wunderbaren Scheibe: Die Aufnahme ist etwas zu dumpf. Bei der hier angelegten Komposition wäre die Wirkung auf den Hörer noch um einiges vernichtender, wenn manche Gitarrenriffs sich durch die dichten Soundwände wie eine Messerklinge schneiden würden, klar und hart. Die Aufnahme an sich ist alles andere als schlecht, wo man allerdings großes Potential sieht darf man auch großes erwarten.

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