Klangexplosion auf "Delta"
Einheit
Abwechslung
Musikalische Performance
Kreativität
4.2Sterne

Am 16. März 2016 erblickt das Debütalbum der steirischen Instrumentalformation Styronauten das Licht der Welt. Am selben Tag wird es auch im Orpheum Graz zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Sound der Styronauten ist zwar aufgrund des experimentellen Charakters zuerst noch etwas gewöhnungsbedürftig und keine leichte Kost, doch hat man sich erst einmal auf die Materie eingelassen, wirkt „Delta“ erfrischend, abwechslungsreich und fantasieanregend. Die vier Musiker kreieren mit Hilfe ihrer Instrumente eine Mischung aus Jazz, Blues, Rock, Pop und sogar Klassik. Zu den üblichen instrumentalen Klängen, verursacht von Klavier, Schlagzeug, Bass und Gitarre, gesellen sich computergenerierte Sounds, tierische Laute und die ungewohnten Töne einer Whamola. Diese bunte Vielfalt mischt die steirische Musiklandschaft ordentlich auf.

Zweigeteilte Klangexplosion

Die sieben Songs auf „Delta“ könnten nicht unterschiedlicher und zugleich nicht ähnlicher sein. Schon die unterschiedliche Länge der Songs lässt auf verschiedenste Songkonzepte schließen. „Air“, die letzte Nummer am Album, dauert zum Beispiel gerade einmal 2:33 Minuten während die „Stardust Suite“ knappe 15 Minuten in Anspruch nimmt. Die Entstehungsprozesse der Songs wiederum sind sich recht ähnlich: Die meisten Songs entstanden im Rahmen von Jam-Sessions, aus denen sich mit der Zeit klare Lieder herauskristallisierten. Improvisations-Flair ist demnach kennzeichnend für den Sound der Styronauten und macht das Album spannend, allerdings manchmal auch etwas verwirrend.

Den Anfang macht „Mikro Makro“, ein Song, der gleich zu Beginn mit schleifenden Gitarrensounds, afrikanischen Rhythmen und Tropfen-artigen Klanggebilden aufhorchen lässt. Es bahnt sich etwas an – das scheint uns diese rund sechs Minuten lange Nummer sagen zu wollen. Mit der Zeit verdichten sich die unterschiedlichen Klänge, Cluster gesellen sich dazu und knapp nach der Hälfte ist so etwas wie eine Melodie zu erkennen. Der Song verwandelt sich in ein Konstrukt aus einer klaren Bass-Linie und auch Gitarre und Klavier schlüpfen in ihre üblichen Rollen als Melodieträger. Abgesehen von Vielseitigkeit zeigt dieser Song auch, dass die Styronauten Wert auf handgemachte Musik legen. Anstatt die schnellen Tonfolgen einmal aufzunehmen und mit dem Computer anzupassen, ist zu hören, dass jeder Ton original dem Klavier entstammt – ein ehrenhafter Zug.

Während der erste Song einen entspannten Einblick in das Gesamtwerk der Styronauten gibt, ist „Mysterium“ zugleich experimenteller – zu den groovigen Klängen gesellt sich plötzlich ein Hundejaulen – und geht zugleich in eine ganz neue, sanfte Richtung. Zarte Klavierklänge mit Trillerbewegungen sind im zweiten Teil des Songs tonangebend und haben so gut wie nichts mehr mit dem Anfang zu tun. Es wäre auch durchaus denkbar, die beiden Teile des Songs als individuelle Nummern auf der Scheibe zu präsentieren.

Von Ente, Gans und Whamola

Einheitlicher zeigen sich „Goliath“ und „Topkapi“. Hier wird man von so etwas wie Entengequake oder Gansgeschnatter an die Experimentierfreude der Styronauten erinnert. Das Spannende an „Topkapi“ ist, dass der Song in eine Rocknummer eingebettet zu sein scheint, die aber nur in den ganz anfänglichen Takten und sehr spärlich am Ende wieder auftaucht. Sonst ist der Song eher groovig unterwegs und lädt zum Mitwippen ein.

Cover „Delta“ (c) Styronauten

Ein Highlight am Album ist mit Sicherheit die knapp fünfzehnminütige „Stardust Suite“, die speziell für ein Festival komponiert wurde. Hier hat auch die Whamola ihren Auftritt. Das einseitige Bassinstrument ist äußerst selten und größtenteils in der Funk Jazz Richtung beliebt. Gerade Jazz ist dafür bekannt, die Form der Suite aufzugreifen und mit der barocken Ursprungsform zu experimentieren. Die Styronauten treiben das allerdings noch weiter und nutzen die Länge der Nummer, um sich in all ihrer Vielfalt zu präsentieren – schreiende Gitarren, ruhige Klaviersounds, funkige Rhythmen und computergenerierte Klänge treffen aufeinander. Anders als bei den ersten beiden Songs des Albums schaffen es die Musiker hier allerdings, einen einheitlichen Bogen über alle verschiedensten Teile zu spannen. Wer einen Einblick in die Gesamtheit der Styronauten erhalten möchte, dem sei die „Stardust Suite“ ans Herz gelegt.

Einen Ausklang findet „Delta“ mit „China Nights“ und „Air“. Die kürzeren Stücke dienen mehr oder weniger als Postludes und wirken nach der groß angelegten „Stardust Suite“ etwas verloren. Vor allem „Air“ ist so etwas wie ein Vorbote des Albumendes. Der Song wird auch seinem Titel gerecht: sanfte Harmonien erfüllen wie von der Luft getragen den Raum und beenden das Album beinahe zärtlich.

Fazit

„Delta“ ist abwechslungsreich und sprüht nur so vor Experimentierfreude. Manchmal verwirren die unterschiedlichen Klänge aber auch etwas. Somit appelliert das Album unter anderem an die musikalische Aufgeschlossenheit und Fantasie seiner Zuhörerschaft. Spätestens nach „Goliath“ ist man aber schon vertraut mit der musikalischen Darbietung der Styronauten und beginnt, sich eigene Bilder und Geschichten zu den instrumentalen Klängen auszumalen. Auch wenn die einzige steirische Komponente der Styronauten wohl ihr Wohnort ist, so kommt der zweite Teil des Bandnamens schon eher an das musikalische Produkt heran – so vielseitig und wechselhaft wie der Weltraum ist „Delta“ allemal.

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