Klassisch bis progressiv: Foo Fighters – Concrete & Gold
Songwriting
Sound
Innovation
Abwechslung
3.8Sterne

Sie können es einfach nicht lassen – statt der angedachten Bandpause produzierten die Foo Fighters Album Nr. 9. Die Vorsätze hätten größer nicht sein können.

Mit unerwartet ruhigen Tönen eröffnen die Foo Fighters ihre neueste Scheibe. Doch was uns die ersten 30 Sekunden vom Opener „T-Shirt“ vorgaukeln, trügt. Es folgt ein Queen gleicher Bombast, ein Sound-Feuerwerk a la Foo Fighters und die am Ende doch wieder ruhigen Worte: „You get what you deserve.“ „Concrete & Gold“ ist eröffnet.

Aus der selbstverschriebenen Pause der Herren Grohl, Hawkins, Smear, Mendel und Shiflett wurde also doch nichts. Hieß es 2015 noch, die Bandmitglieder müssen für einige Zeit getrennter Wege gehen, begannen sie schon 2016 wieder Festivals zu spielen.

Concrete & Gold – (c) SMI/ RCA Records Label

Erst im Juni 2017 kündigten sie überraschend ihr neuntes Studioalbum an und veröffentlichten die Vorabsingle „Run“. Das diesen eben jenen Titel trägt kommt nicht von irgendwoher. Auch wenn Dave Grohl nach seinem Bühnensturz, bei dem er sich 2015 das Bein brach, kaum Zeit vergehen ließ, ehe er in seinem legendär gewordenen Thron wieder auf der Bühne war, machte ihm die Verletzung doch länger zu schaffen. Intensive Physiotherapie, Schwierigkeiten beim Gehen und „Run“ waren die Folge. Inhaltlich befasst sich die Single mit der Starrheit des Lebens und der Möglichkeit des Ausbruchs. Die Vermutung liegt nahe, dass mehrere Textpassagen durch die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten beeinflusst sind. Sowohl bei „Run“ als auch dem darauf folgende „Make It Right“ – bei dem Justin Timberlake den wenig singnifikanten Background-Gesang übernimmt – kommt die große Liebe der Foo Fighters für Motörhead zum Tragen.

„… eine Motörhead-Version von ‚Sgt. Pepper‘…“

Mehr Motörhead, weniger Sgt. Pepper

Grohls Mission Statement für „Concrete & Gold“ formulierte er wie folgt: „Ich wollte das Foo Fighters-Album mit dem fettesten Sound aller Zeiten machen. Eine gigantische Rock-Platte, aber mit einem Greg-Kurstin-esken Feeling für Melodie und Arrangement… eine Motörhead-Version von ‚Sgt. Pepper‘… oder so etwas in der Art.“
Motörhead und Greg Kurstin, der als Produzent der Scheibe fungierte, wären abgeharkt; dass der Sound absolut fett ist, lässt sich nicht leugnen – die Produktion ist eine Wucht. Doch von „Sgt. Pepper’s“ ist bislang nichts zu hören.
Das ändert auch das zwischen mitreißend und nervig schwankende „Sky is a Neighbourhood“ nicht. Mit nostalgischem blickte Grohl in den Himmel und dachte über dessen Verbundenheit mit uns selbst nach. Ob die Zeile „Heaven is a big bang now“ eine Anspielung auf seinen kürzlich verstorbenen Freund Chris Cornell ist, kann nur gemutmaßt werden.
Zwar haut „La Dee Da“ mit einem bombastischen Intro rein und erinnert im Folgenden streckenweise an das „Waisting Light“-Machtwerk „White Limo“, die nächsten Minuten der Platte vergehen aber weitestgehend unbemerkt.

Mit McCartney an’s Ziel

Einen ersten Hauch der Verspieltheit eines „Sgt. Pepper’s“ bekommt man auf „Happy Ever After (Zero Hour)“. Nachdenklich fragt Dave Grohl: „Where is your Shangri la now?“ Die Leichtigkeit des Songs täuscht nicht über die Frustration hinweg, die Grohl mit Blick auf politische Veränderungen der letzten Monate in den USA empfindet.
Der finale Befreiungsschlag auf „Concrete & Gold“ gelingt nicht etwa Grohl, sondern Schlagzeuger Taylor Hawkins. Für „Sunday Rain“ übernimmt er das Mikro. Seinen Spot hinter dem Schlagzeug übernimmt indes niemand geringerer als Sir Paul McCartney, der einen wunderbaren Groove in den Song bringt. In diesen Momenten und für seine restliche Länge klingt „Concrete & Gold“ tatsächlich so, wie es laut Dave Grohl’s Statement klingen sollte.
Von nun an klingt das Album progressiv und psychedelisch, mutig und neu, von nun an erweitert es das Foo Fighters Universum, um ein Stück Virtuosität, die man ihnen vielleicht zuletzt nicht hätte zugetraut. Der letzte und titelgebende Song, den Grohl völlig zurecht als Mischung aus Black Sabbath und Pink Floyd beschreibt, bildet ein eindringliches, übermenschlich großes Ende eines Albums, das am Ende doch noch begeistern kann. Letzte Sekunden, die sich die Spaßvögel Grohl, Hawkins, Smear, Mendel, Shiflett und nerudings Jaffee nicht verkneifen konnten, inklusive.

Was hält die Zukunft bereit?

Nach den Queens of the Stone Age sind also auch die Foo Fighters wieder da. Somit gäbe es nur noch eine logische Konsequenz. Die beiden Bands gehen kommenden Winter gemeinsam auf Tournee. Während Grohl sich für „No One Knows“ an das Schlagzeug der Queens setzt, kommt Freund und Kollaborateur Josh Homme für den Sound City Track „Mantra“ zu den Foo Fighters auf die Bühne – vielleicht ist Trent Reznor ja auch noch in der Nähe.

Man darf doch wohl noch träumen.

PS: Mit CalJam17 wäre doch schon ein Anfang getan.

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