Die Schwarze EP ist eine Platte, die direkt aus dem Herzen RAF Camoras spricht. Wie sich das anhört, erfahrt ihr hier!

Die schwarze EP – passender konnte RAF Camora seine Ende 2014 erschienene Platte nicht nennen, und das nicht nur weil der schwarze Rabe sein Markenzeichen ist. Er sieht die Welt nicht durch eine rosarote Brille, seine Texte sind düster, oft übertrieben und etwas humorvoll dargestellt, sodass sie trotzdem sehr unterhaltend bleiben. In den ersten Zeilen der schwarzen EP wird schnell klar worum es geht, die Fans bekommen „Sound direkt aus dem Herzen“, der die Zeit bis zum nächsten Album überbrücken soll, denn…

Ein Jahr Pause

RAF Camora bringt seine nächste Platte erst 2016 auf den Markt! Damit würde er ein ganzes Jahr keinen musikalischen Output liefern, so etwas ist heutzutage schon eine Seltenheit im deutschen Hip Hop geworden. Ob das kommende Album nach einer längeren künstlerischen Pause danach besser wird, sei dahingestellt, aber im Falle von RAF Camora würde ich meine Hand ins Feuer legen, denn er hat es schon einmal bewiesen. Vor seinem im Jahr 2012 erschienenen RAF 3.0 Album, nahm der Musiker sich auch einige Zeit, und RAF 3.0 bleibt bis heute unvergessen.

Camora vs. 3.0

Für alle, die RAF noch nicht so lange kennen, sei gesagt, dass er unter dem Namen Camora nur Hip Hop macht. Wechselt er jedoch zu 3.0 wird die Sache viel melodischer, es kommen Einflüsse aus Reggae und Dancehall hinzu. Trotzdem hat 3.0 seinen ganz eigenen Sound, man muss es hören um es zu verstehen, und das kann man am besten auf der schwarzen EP, denn RAF Camora featured sich selbst als RAF 3.0 auf dem Track „Legende“. In „Legende“ geht es um das Musikbusiness an sich, RAF verstellt sich nicht, nur um mehr zu verkaufen, er bleibt sich selbst treu. Außerdem gibt es in diesem Business viel Missgunst und Neid, diese zwei Zeilen bringen es auf den Punkt:

„Geh ich meinen Weg lieber mit einer Hand voll Brüdern
Denn bei 50.000 Mann gibts stets ein Anteil an Betrügern“

„Jeden Tag kalkulierst du bei REWE
Depressionen, weil du weißt wie es in Dubai wäre“
RAF Camora, Schema

Der nächste Song auf der schwarzen EP, der mehr als gelungen ist, heißt „Schema“. Auf genau vier Minuten beweist RAF nicht nur, dass er gute Hooks machen kann, sondern auch ein hervorragender Songwriter ist. Thematisch handelt dieser Song vom Erfolg und Misserfolg. Man versteht erst was Misserfolg ist, wenn man mal Erfolg hatte. So verhält es sich auch mit allen anderen Dingen im Leben, „vermissen kann man erst wenn man es kennt“, so treffend formuliert es der Musiker, und verschafft uns Hörern mit verschiedensten Beispielen ein klares Bild in den Kopf.

Camora back

RAF Camora

Weiter geht es mit dem Track „Schwarze Wolke“, auf dem RAF eine Beziehung beschreibt, die für ihn ideal zu sein scheint. Mehrere Tage werden im Bett und auf der Couch verbracht, man hat Sex, es wird Weed geraucht, Simpsons geguckt, Super Mario Galaxy 2 gespielt, und ganz nebenbei ist die Dame auch ein Fan von der eigenen Musik. Die Freunde versuchen einen zu erreichen, allerdings stoßen sie hier auf taube Ohren – für mich hört es sich wie die klassische erste Phase einer Beziehung an, wenn man noch die rosarote Brille trägt.

„Wären sie fair, wäre ich auf der Vanity Fair
Für sie sind alle Rapper Aliens, als wär‘ E.T. Fler“
RAF Camora, Camora trauert

Auf den restlichen beiden Songs auf der schwarzen EP geht es wieder düsterer zu. Während er sich auf dem Track „Walhalla“ mit einem Kriegsgott vergleicht, und angriffslustiger ist, zeigt sich RAF auf „Camora trauert“ melancholischer. Trotzdem sind auf „Camora trauert“ auch viele Punchlines zu entdecken, sogenannter „Billig-Pop“ wird kritisiert.

Mit der schwarzen EP hat RAF Camora genau das geschafft was er wollte, er stellt seine bisherigen Fans mit diesen sechs Tracks sehr glücklich. Leute, die zum ersten Mal etwas von Raphael Ragucci zu hören bekommen, erleben den in Wien aufgewachsenen Musiker auf höchstem Niveau. Einzig schade finde ich nur, dass es bisher keine Musikvideo-Auskopplung zu der schwarzen EP gab, drei Songs der EP wären dafür definitiv geeignet gewesen. Jetzt heißt es nur noch das Jahr 2015 zu überstehen, bis 2016 das große RAF Album kommt, aber wer weiß, vielleicht überrascht uns der Musiker schon vorher, mit der EP hat auch niemand gerechnet.

Fotocredit: RAF Camora

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