Konvoy - Alles mitnehmen
Atmosphäre
Druck
Lyrics
Flow
Gesang
Beats
4.4Sterne

Konvoy nehmen alles mit und vergessen keine Kleinigkeit

Seit dem 06. März 2016 steht die Platte „Alles Mitnehmen“ in den Läden und Download-Stores für die Hörerschaft bereit. Konvoy verbinden Indie, interessante Alltagsgeräusche, Pop und jede Menge Drums mit ein „bisschen“ Deutschrap.

Moritz und Laszlo singen und rappen, während Joe an den Drums sitzt und hämmert. Letztgenannter kümmert sich zusammen mit Moritz um die Beats, die beiden schrauben und produzieren bis der Arzt kommt. Die dreiköpfige Band entwirft experimentelle Sounds und Ohrwürmer par excellence.

Analyse

Unser Leben ist öfters mal intensiv und wird von Tag zu Tag etwas komplizierter, ob du willst oder nicht. Da du auf diesem Planeten nicht die besten Wahlmöglichkeiten hast, empfehlen dir die drei, einfach mal die Hose runterzulassen und mitzufeiern. Lazslo, Joe und Moritz sind wieder am Start – mutiger, schneller und gigantischer als je zuvor. Die drei Jungs liefern eine runde Platte, die sich stilistisch in keine Schublade stecken lässt. Es werden meistens einfache Texte verwendet, die live richtig gut funktionieren und auch von neuen Hörern sofort mitgesungen werden können. Dabei driften sie aber nicht in’s Lächerliche oder Simple ab und schaffen es den einzelnen Song als Gesamtkunstwerk wirken zu lassen. Schlaue Sätze und Wortspiele sind in fast jedem Track zu finden. Catchende, mitreißende Hooks schaffen eine gediegene, freiheitsfördernde Atmosphäre wie zum Beispiel in „Flugmodus„.

Schwerelos, kein anderer da
zehntausend Fuß, keine Landebahn
Nur unendliches Blau
Ich schau mich um doch, kenn mich nicht aus
Von hier oben wirkt die Welt so klein
All die großen Dinge ziehen so schnell vorbei

Minimale Basskonstrukte inklusive druckvollen Drumpassagen werden zu Ohrwürmern transformiert. „Weit weg“ liegt da ganz vorne und kann als einer der besten Songs der Platte bezeichnet werden. Genregrenzen werden leichtfertig zerrissen und lachend übersprungen. Ihre Musik gleicht an manchen Stellen stark dem Reggae. Das kann nur eine kurze Betonung der Lines oder ein eingespieltes Instrument sein. Manche Songs sind wahre atmosphärische Banger, die auch ohne Text schon funktionieren würden. Die Lyrics sind solide ausgewählt und schmücken die Beats hervorragend. Beide Rapper flowen solide und ergänzen sich super. Die Gesangseinlagen sind auch toll gestaltet und animieren zum Mitsingen.

Während sich die Sounds bei fast bei jedem Song ändern und variabel gestaltet sind, bleibt sich das Trio bei den Themen treu. Das Erwachsenwerden und die Pfade des Lebens werden bis zum „geht nicht mehr“ ausgeschlachtet. Das ist jedoch positiv gemeint, denn sie entdecken immer wieder neue Facetten, kluge Sprüche oder Alltagssituationen, die die Meisten schon mal erlebt haben. Sie sind eben etwas anders und tragen keine Krawatte, sondern „Kapuze„.

Ich brauch mal kurz eine Minute
oder auch länger meine Ruhe
vielleicht für immer – ja dann wünsch ich alles Gute
macht euch nicht sinnlos auf die Suche
denn ich verschwinde tief, tief in meiner Kapuze

Konzipierte Live-Nummern wie „Eeny Meeny Miny Moe“ oder fast balladen-ähnliche Songs wie „Über den Dächern“ runden die Gesamtperformance ab. Die Features sind gut gewählt und passen in das Gesamtbild, für mich überzeugt hier besonders Benne. Grandios und fesselnd gesungen, den Herren werde ich mir auch mal genauer zu Gemüte führen.

Fazit

Die Songs hängen im Kern alle zusammen und könnten doch gegensätzlicher nicht sein. Die kontroverse Mischung aus handgemachter Musik und Elektro-Beats ist interessant gestaltet. Intelligente deutsche Raptexte treffen auf ausgereifte Pop-Kompositionen. Das futuristische Sounddesign bricht bewusst die Grenzen des Genres Hip Hop und fördert dabei unbekannte Welten des Hörbaren zu Tage. Konvoy haben wirklich und wortwörtlich alles mitgenommen und eine Scheibe produziert, bei dem du im einen Moment noch vor lauter Glück, Hoffnung und Euphorie in berauschenden Glückssphären wanderst und dich gleich im Anschluss, nach einem fiesen Absturz in die kalte Nachtszene in deiner schmutzigen Kapuze verstecken willst.

Synthies, Subbässe und 808-Drums treffen in ihren Songs auf Schlagzeug, Klavier und Gitarre und sie schaffen es, sich ihre Gegensätze zunutze zu machen. Die dreiköpfige Band redet von Hochgefühlen und Luftschlössern genauso impulsiv und selbstbewusst wie von Niederlagen, Ängsten und Zweifeln. In ständiger Bewegung befinden sich die Jungs zwischen Schatten und Licht und wollen alles außer eins: stehen bleiben. Träumerei und Selbstironie auf dem höchsten Level. Die Mixtur der drei Jungs trifft den Nagel auf den Kopf und steht für eine ganze Generation. Dreckig, weitgreifend und absolut bunt. Ohne überschweifende Lobeshymnen darf man hier von einem grandiosem Album sprechen. Mein Tipp lautet, packt die Jungs auf euren Schirm.

Tracklist öffnen

01. Stein für Stein
02. Flugmodus
03. Mrs Houston
04. Weit weg
05. Luft holen
06. Berg aus Gold
07. Polaroids
08. Kapuze
09. Meine schöne Stadt
10. Insomnia
11. Mond
12. Nie passiert
13. Totgespielt
14. Über den Dächern (feat. Benne)
15. Reset (feat. Alex Lys)
16. Eeny Meeny Miny Moe (feat. Tom Thaler & Basil)

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