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Kreatives Saitenerlebnis mit "Jelly" von I love milk.
Lyrics
Abwechslung
Flow
Musikalische Performance
Kreativität
4.7Sterne

Mit ihrem Debütalbum „Jelly“ lassen die Grazer I love milk. aufhorchen: Das Duo präsentiert sich von einer kreativen und abwechslungsreichen Seite und macht Lust auf mehr.

Nach einer musikalischen Reise – beginnend beim Punk der 90er, durch die Ö3-Obsession seiner Mutter leicht verzerrt und von progressiveren Kreisen angereichert – hat Migu Pettenhofer letztendlich seinen eigenen Klang gefunden. Gemeinsam mit Momoko Sakai bildet er das alternativ kreative Duo I love milk. Der AHS-Lehrer mixt zusammen mit der Kunstuniversitätsstudentin einen musikalischen Cocktail aus Cello, akustischer und elektrischer Gitarre, Ukulele, Mandoline, Klavier und Sansula – auch bekannt als Daumenklavier. Diesen Sound versüßt Migu noch mit seiner zarten und zugleich etwas kratzigen Stimme. Es  entsteht ein Klangteppich, der sich als weit mehr als nur ein Muss für Saiten-Verehrer entpuppt.

Debüt mit Quallen

I love milk_Jelly Cover

Jelly Cover (c) Michael Pettenhofer

Rund 15 Nummern öffnen auf dem Debütalbum der jungen Grazer Musiker den Weg zum Sound von I love milk. „Jelly“ nennt sich das Werk – ein Titel, zu dessen Gunsten aufgrund der Aussage einer Freundin von Migu entschieden wurde: „Mit ‚Jelly‘ ist das wie mit eurer Musik: Ein bisschen durchsichtig, aber vermutlich verzerrt, könnte süß sein oder mit Wodka, du weißt es erst, wenn es aufgegessen ist. Schwer greifbar, schön zum Anschauen, aber im nächsten Moment wieder weg.“ Eine Beschreibung, die das Album nicht besser zusammenfassen könnte.

I love milk. sind klassische Technik im alternativen Klangkarussell: Ihre Musik dreht sich, kreist, und erschließt uns ein kleines Stückchen mehr von unserem Dasein. Mit manchen Songs reist man ganz weit weg, wie zum Beispiel mit „Chickens and Eggs“, und blickt wie aus der Sicht eines Astronauten zurück auf die Welt. Mit anderen wie „The Restaurant Song“ kommt man mitten im Leben an und schmunzelt über das Alltägliche. Die drei „Hauptcharaktere“, wie sie Migu bezeichnet, in die sich das Album gliedert, unterstützen diese Vielseitigkeit: Die Liebe zum Surrealismus, zur Melancholie und zum leicht „G’störten“ sind die Weggefährten des Duos.

Eine Odyssee mit Game Boy

Welcher Song welchen Charakter annimmt, wird spontan entschieden. Manchmal ist die Musik zuerst da und gibt das Thema vor, manchmal auch nicht. „Ich wusch mir leicht berauscht die Hände im Badezimmer einer Ex-Freundin und als ich das Bad verließ, war auch schon Text und Musik von ‚Chickens And Eggs‘ geboren“, erzählt Migu aus der Praxis. Während er natürlich nicht gänzlich an der Liebe vorbeikommt, haben auch triviale Themen bei Migu eine Daseinsberechtigung: So dreht sich der Text schon mal um Kinderbücher, Game Boys, „angebliche Weltliteratur“ und Restaurants, die sich Cafés nennen. So hat es auch ein Song namens „I Got A Game Boy“ auf die CD geschafft: „Das ist ganz klar unsere Liebeserklärung an Nintendo und all die anderen Klassiker unserer Jugend – und eine ganz klare Absage an Farmville und Candy Crush Saga.“

I love Milk

I love milk. (c) Johnny What

Was Momoko und Migu auf Scheibe gepresst haben, klingt locker, leicht, verträumt, berauscht, ehrlich und manchmal auch einfach anders – im positiven Sinne. Bis es allerdings soweit war und die beiden ihr Produkt in Händen halten konnten, dauerte es einige Zeit. „Es war eine Odyssee, deren Ende niemand wirklich mehr erwartete“, schmunzelt Migu. Angefangen hat alles mit der Idee, ein Video zum Song „Mary Was A Girl“ zu machen. Doch das Album, produziert von Sebastian Wurm via Dreamcatch Audio, beweist, dass es anders lief: „Aus dem einen Lied wurden dann 15 Lieder und genau null Videos.“

Fazit

Mit dem Album „Jelly“ gewähren uns Migu und Momoko einen Einblick in ihr musikalisches Schaffen, auch wenn viele ihrer Ideen noch nicht auf dieser Disc platz gefunden haben. Sie verbinden großes musikalisches Geschick mit einer alternativen Ungeschliffenheit und präsentieren somit Songs, die sowohl von Muse und Placebo Fans als auch von Saiten-Fanatikern geliebt werden können. Durch die unterschiedlichen Charaktere am Album gelingt es I love milk. außerdem, für die verschiedensten Launen Musik bereitzustellen. Zusammengefasst haben die beiden Musiker ein beeindruckendes Debütalbum für alternative Geschmäcker vorgelegt und wir dürfen schon jetzt auf mehr Material von den Milchverliebten hoffen.

Live erleben könnt ihr das Grazer Duo aber trotzdem in den nächsten Wochen verstärkt durch Charlotte Hirschberg am Cello am Samstag, 3. September 2016, im Kulturzentrum Niesenberger (Graz)

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