Leyya – Sauna
Sound
Instrumental
Abwechslung
Songwriting
5.0STERNE

Das Duo aus dem öberösterreichischen Eferding legt seit seiner Gründung einen kometenhaften Aufstieg hin.

Trip-Hop – ein Musikstil, welcher in der hiesigen Musiklandschaft schon lange sträflich missachtet wurde. Moderate Tempi, sphärische Klänge mit starken Lo-Fi Einschlägen. Und dann kamen Leyya – aus dem nichts wie ein neuer Sliwowitz-Aufguss. Noch im Frühjahr 2017 veröffentlichten sie ihre erste Singleauskopplung „Zoo“ und bespielten daraufhin ganz Europa. Festivals wie das Primavera in Barcelona oder das Sziget in Budapest stachen besonders hervor und gipfelten im Gewinn eines Austrian Music Awards. Nun stehen sie mit ihrem neuen Werk „Sauna“ im neuen Jahr und hoffen auf einen weiteren heißen Sommer. Die Vorzeichen stehen gut. Man soll auf Sauna die Farben heraushören; die Platte mit Freiheit und Gleichwertigkeit verbinden. Deshalb auch der Regenbogen auf dem Cover. Doch wie schaffen sie es, diese Konzepte zu vermitteln?

Zuckerschock ohne Insulin

Das Cover spiegelt den Inhalt (c) Leyya

Es war nach Zoo eigentlich schon aufgelegt. Die melancholischen Fesseln des Trip-Hop wurden abgesprengt. Alles Songs schreien mit jeder Melodie, jeder Textzeile nach Pop. Die vertrackten Rhythmen wurden zwar beibehalten, aber mit geradlinigeren Abläufen verbunden. Das wirkt sich wunderbar auf das Hörerlebnis aus. Die Nummern gehen leichtfüßig ins Ohr und unterscheiden sich in ihren Grundstimmungen überragend vielfältig. Von Anfang an bestimmen verschiedenste Soundcollagen die Songs. Häufig variieren sie sogar zwischen den einzelnen Strophen. Diese setzen sich aus einem wahren Fundus an Instrumenten zusammen. Beinahe jedes perkussive Instrument von hier bis Brasilien wurde eingesetzt. Ebenso wurden verschiedene Blasinstrumente und Synthesizer exzessiv genutzt. Alle diese kleinen Schnipsel machen ihren frischen und leichten, fast schon süßen Stil aus. Die einzigen Konstanten sind Drums und Bass, welche sich jedoch über das gesamte Album hinweg nobel zurückhalten.

Richtige Stimmung

Besonders schön hört man das bei „Heat“, wo der Beat einen angenehm durch die Melodie treibt. Beim Schlagzeug, das nur aus Snare, Hat und Bass besteht, verstehen Leyya es, auch mal Noten wegzulassen, um unkonventionelle Rythmen zu erschaffen. Das zeigen sie auch mit „Candy“, welches sich sehr minimalistisch gib und trotzdem mitnicken lässt. Das wichtigste und auch beständigste Instrument, das Leyya einsetzen, ist aber die wunderschöne Stimme von Sophie Lindinger. Sie gibt jedem Song einen manchmal sanft rauchigen, meist zuckersüßen Geschmack. Bei „We Did OK“, der Abschlussnummer von Sauna verschmilzt alles zusammen. Klar definierter Beat, perfekt abgstimmte Synthsounds und die leicht verzweifelt, doch ruhig klingenden Vocals, welche alles auf eine andere Ebene heben.

Fazit

Leyya ist mit „Sauna“ ein Meisterwerk der österreichischen Popgeschichte gelungen. Abwechslungsreich, voluminös, makellos produziert und etwas vor ihrer Zeit. Sie haben einen fein ausgearbeiteten, eigenen Sound entwickelt und legen ihn genau auf ihre Vorstellungen um. Ja, man kann die Farben heraushören. Sie sind bunt – verschwimmen miteinander, nur um sich wieder abzugrenzen. „Sauna“ ist wie eine heiße Sommernacht, in der man den Mond durch ein Kaleidoskop betrachtet und etwas zu schnell daran dreht.

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