Licht aus, Lautstärke rauf und gruseln…
Stimmung
Spannung
Abwechslung
Zusammenhang Film-Sound
4.5STERNE

Vorsicht, dieser Soundtrack ist nichts für schwache Nerven. Die Horrorklänge von Georg Edlinger jagen nicht nur sensiblen Gemütern Angst ein…

Vor zwei Jahren hat der Perkussionist und Komponist Georg Edlinger aus Amstetten seinen selbst komponierten Soundtrack zum Film „Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“ beim Südfilmfestival auf Schoss Ulmerfeld vorgestellt. Ab 08. August gibt’s die angsteinflößenden Tracks auf CD zu kaufen. Nosferatu, ein Stummfilm-Klassiker aus dem Jahr 1922 und für viele die Mutter des heutigen Horrorfilms, hat den Musiker seit jeher inspiriert.

Um den Ausdruck der Schauspieler musikalisch perfekt abzubilden, hat sich der Komponist den Film über 200 Mal angesehen. Doch die mühevolle, wochenlange Arbeit hat sich gelohnt. Der Soundtrack zu Nosferatu fesselt den Hörer – ob er den Film kennt, oder nicht. Das breite Klangspektrum von digitalen und analogen Musikinstrumenten sowie Alltagsgegenständen, die Georg Edlinger verwendet hat, sorgen an der einen oder anderen Stelle für Schaudern und Gänsehaut.

Ein Film auch ohne Bild

Cover_Nosferatu

Cover des Soundtracks Nosferatu © timezone records

Selbst wer Murnaus Meisterwerk nicht gesehen hat, weiß nach wenigen Sekunden Abspielzeit, dass der Soundtrack Angst und Furcht vermitteln soll. Der Komponist versteht es mit Lautstärke und Spannungsaufbau zu spielen. Er schafft Klangteppiche, die den Hörer in der einen Sekunde noch in Sicherheit wiegen, dieses Gefühl im nächsten Moment allerdings ohne Zögern zerreißen. Der achte Track „Seeking Dark Room“ ist ein Beispiel für diese Art und Weise, den Zuhörer zu verunsichern. Der Künstler schafft einen immer dichteren Klangteppich, dem der Zuhörer versucht zu folgen. Neue Geräusche und Stimmen lenken die Aufmerksamkeit des Hörers und bauen Spannung auf. Plötzliche Pausen und nicht identifizierbare Klänge sorgen dafür, dass man in eine Art Starre verfällt und nur auf das Ende des Tracks wartet. Ähnlich verhält es sich bei „City News“. Wenige Schlagzeugsounds, die durch lange Pausen getrennt sind, lassen den Hörer auf ein neues tonales Ereignis warten und bauen damit unglaublich hohe Spannung auf.
Eine ganz andere Art von Song ist dafür der Titel „Funeral Procession“, der den Hörer mit Gesang in seinen Bann zieht. Unweigerlich folgen Bilder im Kopf, die an Okkult oder mystische Rituale erinnern. Wer weiterhin glaubt, dass Gesang in Musik eine beruhigende Wirkung haben muss und in erster Linie Kratzen, Rauschen oder andere furchterregende Geräusche für ein mulmiges Gefühl in der Magengegend verantwortlich sind, sollte sich „The City Of Illness“ anhören. Spätestens jetzt ist auch die heilvolle Vorstellung von wohltuenden Chorklängen reine Illusion. Wer nach all diesen Tönen des Schreckens wenigstens an ein Happy End des Soundtracks im letzten Titel der CD glaubt, wird enttäuscht. In „Love Decay“ zeigt Georg Edlinger noch einmal sein komplettes Können. Angsteinflösende Geräusche, verzerrte Stimmen und ein unheilvoller Klangteppich zerstören den letzten Funken Hoffnung an ein gutes Ende.

Start für Hollywood

Derzeit wird der Stummfilm-Klassiker in Hollywood neuverfilmt. Im Internet finden sich mehrere Hinweise darauf, dass Georg Edlinger hier den Soundtrack für den Film liefert. Wir sind gespannt, ob das Kunstprojekt des Niederösterreichers nun der Start für eine Karriere in Hollywood ist. Wer sich den Soundtrack auch ohne moderne Bilder ansehen möchte, kann ihn ab dem 08. August erwerben. Die CD wird beim deutschen Label timezone records erscheinen.

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