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Marina & the Kats bringen Fußsohlen zum glühen
Instrumentals
Lyrics
Einheit
Aufnahmequalität
4.3Sterne

Unter Katzengesang versteht man eher schräge Töne. Marina & the Kats schaffen allerdings eine Neuinterpretation des Ausdrucks: was die drei da von sich geben, ist schlicht zum Verlieben. Demnächst gibt es ein neues Album, „Wild“.

Eigentlich wünscht man sich weniger das neue Album, als gleich die Truppe von Marina samt selbiger in Fleisch und Blut ins Wohnzimmer. Wer die drei schon man live gesehen hat, weiß auch warum. Die beiden Musiker und die zierliche Musikerin haben eine charismatische Bühnenpräsenz aufzuweisen, die den Zuschauer schnell in ihren Bann zieht und ihn in die 40er Jahre zurückwirft. Außerdem bringt einen die Fingerfertigkeit und die Souveränität, mit der da auf der Bühne aufgegeigt wird, schon mal zum Staunen. Bei Marina Zettl, Thomas Mauerhofer und Jörg Haberl handelt es sich um alles andere als Amateure, wie dem Zuhörer und Zuschauer schnell bewusst wird. Immerhin haben die drei sich auch beim Jazz-Studium kennengelernt.

Achtung, es wird wild

Nachdem am 12. Juni des Vorjahres das Swing-Feuerwerk „Small“ bei O-Tone Music erschienen ist, bringen Marina und ihre Katerchen am 04. November ihr neuestes Werk auf den Markt und es wird wild – heißt die Scheibe doch schon ganz verräterisch“Wild„. Wie bereits beim vorangegangenen Album auch, sind Marina, Thomas und Jörg nicht alleine am Werken, sondern werden von Freunden unterstützt. So ist Raphael Wressnig wieder mit seiner Hammond mit dabei und auch Herb Berger und Klemens Bittman sind mit Klarinette und Violine im Line-Up vertreten. Daneben finden sich mit Berndt Luef am Vibraphon, Georg Schrattenholzer und seiner Posaune und Christian Bakanic am Akkordeon auch neue Namen in der Musiker-Gästeliste.

Doch nicht nur die Liste der Mitwirkenden wurde länger, sondern auch das Album selbst hat an Umfang im Vergleich zu „Small“ zugenommen. War „Small“ mit 13 Titeln bereits alles andere als klein, dann ist „Wild“ mit stolzen 16 Tracks wahrhaftig mehr als ausgewachsen und darf sich bereits stolz „Vinyl-Doppelalbum“ nennen. Wer keinen Plattenspieler zu Hause hat, muss sich vorerst mit der CD zufrieden geben, auf der drei Songs weniger Platz gefunden haben.

Zum Mehr-Hören verführt

Schon zu Beginn des Albums zeigen die drei Jazzkätzchen, wie Katzen Pfote für Pfote stolzieren können mit ihrer beschwingten Eröffnungsnummer „Kat Walk“. Noch eine Spur schneller geht es mit „Shim Sham“ weiter, in dem von Tanzwütigkeit, die die ganze Nacht durch anhält, erzählt wird.
Manche zwischenmenschliche Beziehungen treiben einen einfach in den Wahnsinn, und darum geht es auch in „Mrs. Jelly & Mr. Hyde“. „You are driv’in me crazy. I’m going out of my mind“, singt Marina da leicht entnervt und mit einem erhobenen Zeigefinger, den man schon förmlich hören kann. Die Untermalung durch Blasinstrumente sorgt dabei für den perfekten verruchten Unterton.

Durch den fünften Track „Moon on the Hill“ wird man von schwindelerregend schnellen Vibraphon-Ton-Abfolgen und Gitarrenlines bis zum Mond hinauf getragen. In der Nummer träumt Marina von ruhigeren Zeiten und auch ihre wandelbare Stimme nimmt eine ruhige Mitternachts-Färbung an.

Mit „Paradise City“ von den Guns’n’Roses und “ And Her Tears Flowed Like Wine“ von Joe Greene haben auch zwei Coverversionen auf „Wild“ Platz gefunden. Natürlich handelt es sich dabei nicht über grobe Kopien, sondern über charmante Übersetzungen der Nummern in den Kätzchen-Swing.

Auf „Wild“ zeigen sich Marina & the Kats von ihrer besten Seite. Ob durch Marinas elastische Stimme, die schon durch ihre sich spielerisch wandelnde Tonlage auch ganz ohne Text Geschichten erzählt, oder durch die leichtfüßig und rasant daher tänzelnden Instrumentals – das neue Album der drei macht nach jeder Nummer Lust auf noch mehr. Alle Swing-Fans, oder die, die es vielleicht noch werden, können sich „Wild“ hier holen. Und wer noch nicht genug über Marina, Thomas und Jörg erfahren hat, hat bei unserem Interview die Gelegenheit dazu.

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