Marsimoto veröffentlicht nach drei Jahren Pause sein bereits viertes Album „Ring der Nebelungen“. Mit vielen Wortspielereien unterhält er seine Hörerschaft.

Grüner Rauch zieht über das Land, doch wo kommt er her? Hauptverdächtiger in diesem Fall ist Marsimoto, allerdings war der Rapper seit seinem letzten Album „Grüner Samt“ aus dem Jahr 2012 untergetaucht. Es herrschte Alarmstufe Grün, Marsimotos Alter Ego Marteria machte sich mit einigen Kollegen auf die Suche. Die Spuren führten bis nach Jamaika, wo man letztendlich Marsi in den Wäldern fand. Mit atmosphärischen Beats lockte man den Musiker aus seinen Reserven. „Ring der Nebelungen“, so der Name des Albums, das er im Gepäck hat – „La Saga“ kann nun beginnen.

Aus Jamaika nach Mexiko

Weiter geht’s es im zweiten Track im „Tijuana Flow“. Es zeigt sich hier bereits, dass die Platte kaum Thementracks beinhaltet. Oft gibt es in Marsis Texten eine Aneinanderreihung witzig-kluger Wortspiele, die aber nicht zwingend auf einem Song thematisch ident sein müssen. Viele Lines weisen Kritik gegen verschiedenste Institutionen auf, so werden auf „Tijuana Flow“ unter anderem der Vatikan und Monte Carlo als Schurkenstaaten betitelt. Anders sieht es wieder auf dem Track „Anarchie“ aus, hier ist das Überthema klar formuliert und findet sich in vielen Formen in den Lyrics wieder.

Musikalisch gibt es den ersten Leckerbissen mit den Songs „An der Tischtennisplatte“ und „Meisterwerk“. Obwohl die beiden Songs thematisch miteinander wenig am Hut haben, können sie sich beat-technisch die Hand reichen. Sieht man mal nicht auf seinen abspielenden Player, würde man durch den nahtlosen Übergang meinen es sei ein Song. Durch das höhere Raptempo auf „Meisterwerk“, sowohl in den Parts, als auch im Refrain, geht dieser Song etwas leichter ins Ohr. Liebhaber von Oldschool-Rap werden wahrscheinlich „An der Tischtennisplatte“ eher mögen. An diesen beiden Songs sieht man die Variation von Marsimoto sehr gut, er schafft mit fast identischem Beat zwei unterschiedliche Songs.

Cover Ring der Nebelungen

Albumcover

Bei dem nächsten Song handelt es sich um die Videoauskopplung „Illegalize it“. Dieser Song wurde vollkommen zurecht mit einem Video versehen, er repräsentiert Marsi zu 100 Prozent und hat eine schön ins Ohr gehende Hook. Eher gemächlich ging der Rapper es mit dem Titeltrack „Ring der Nebelungen“ an. Auf einem teilweise sehr schleppenden Beat sind Marsimotos Wortspiele der einzige Lichtblick. Ein Beispiel gefällig? „ Reese with her spoon raucht Crack, die Stewardess ist Sharon Stoned“. Zum Glück geht es mit dem nächsten Song „Green Pangea“ wieder aufwärts. Hierauf beschreibt Marsi, dass sein Zuhause überall auf der ganzen Welt ist. Er klappert in den Lyrics beinahe jeden Kontinent ab und färbt ihn grün – Green Pangea eben.

Den lyrisch besten Song auf dem Album findet man mit „7 Leben“. Klapperte Marsi auf „Green Pangea“ noch die Kontinente ab, so klappert er jetzt Zeitepochen ab, genauer gesagt sieben Zeitepochen. Am Ende jeder dieser Epochen stirbt Marsimoto einmal, und zieht am Ende den Vergleich mit der Katze, der ja nachgesagt wird sieben Leben zu haben. Der nächste Song „Flywithme“ ist ebenfalls sehr stark, allerdings ist die Stärke des Songs hier auf den Beat und den Refrain bezogen. Dieser Song versprüht eine so starke grüne Atmosphäre wie kein anderer auf der Platte, Daumen hoch.

Der Usain Bolt der Rapszene

Jamaika war der Ort, an dem man Marsimoto wieder gefunden hat. Anscheinend hat er dort auch jede Menge Inspiration gefunden, denn sein nächster Song heißt „Usain Bolt“. In gut neun Sekunden hält der Sprinter aktuell den Weltrekord über die 100 Meter Sprint, in gut neun Sekunden schafft es Marsi, zwar nicht 100 Meter aber von der Erde bis zum Mond. Diese Metapher bedarf wohl keiner weiteren Erklärung, weitere davon sind auf diesem Track enthalten. Politische Aussagen kommen auf dem Album auch nicht zu kurz, Marsimoto widmet diesen einen ganzen Track. In „Zecken raus“ rappt er über eine Person, die ihre politische Verordnung sucht.

Marsi Text Sitzen

Marsimoto

Im vorletzten Song nimmt Marsi seine Hörer noch auf einen Trip mit, einen Trip auf dem jede Menge witziger Dinge passieren. Wie gewohnt zieht der Musiker auf „Trippin“ wieder seine Wortspiele durch. Ein Beispiel, „gut portugiesisch sprech ich schlecht, schlecht Gitarre spiel ich gut“. Sucht man einen Track auf dem Album mit besonders vielen Wortspielen, so findet man in diesem bestimmt die meisten. Im letzten Song „Back 2 Green“ zieht sich Marsi zurück von dieser Welt, wir sind gespannt wann und wo er wieder kommt, Jamaika?

Text Maske Marsi

Marsimotos Maske

Fazit

Dank der 14 Tracks kann man „Ring der Nebelungen“ gut in einem durchhören, ohne viel skippen zu müssen. Die Beats sind größtenteils langsam, das passt auf jeden Fall zu der grünen Thematik dazu. Auf beinahe allen Songs schafft es Marsimoto zu unterhalten, lediglich der Titelsong „Ring der Nebelungen“ ist etwas schleppend ausgefallen. Was normal nicht bewertet wird, aber hier auf jeden Fall bewertet werden sollte, ist die Verarbeitung des Albums. Schon bei seinem letzten Album „Grüner Samt“ hat Marsi eine CD veröffentlicht, die sich von anderen klar unterscheidet. War es damals das Samtcover, ist es nun eine besonders hochwertige Verarbeitung, welche man heutzutage selten sieht. Zu guter Letzt muss man die Wortspielereien erwähnen, von denen gibt es reichlich viele auf dem Album, es folgt ein kleiner Auszug:

„Schafe in Jack Wolfskin Jacken mä-ä-ä-ähen bei mir den Rasen.“

„Du suchst Arbeit, im iPhone Himmel gibt es Jobs.“

„Du rauchst Camel Zigaretten auf nem Dromedar.“

„Trink ne Flasche Sparkling Water auf dem stillen Ozean.“

„Überall diese friedlichen Pflanzenvernichter, ihr seht heute noch die Angst in ihren versteinerten Gesichtern.“

„Damals trugen alle Pelz, außer Peta.“

Foto: Paul Ripke

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.