Marvel Cinema - Subcultures
Produktion
Harmonie
Features
Detailverliebtheit
4.2Sterne

Eine Drum & Bass Platte, in die man eintauchen und ihn ihr versinken kann

Micha Hanke und Martin Magnani sind Freunde und Musikkollegen. Zusammen bilden sie das Drum & Bass Producer Gespann Marvel Cinema.
Künstlerisches Schaffen und Spaß an der Sache stehen an erster Stelle. So vertreiben sich die Beiden ihre Freizeit und transformieren ihre Gefühle und Ideen in die Musik. Nach unzähligen EP’s erschien ihr zweites Album „Subcultures“ am 26. Oktober 2016 exklusiv auf der Plattform Juno und seit dem 07. November 2016 in allen anderen gut sortierten Download Stores. Als Labelpartner fungiert wieder Liquid Drops aus Griechenland. Zwei Jahre nach dem Debüt Longplayer „Solarfly“ dürfen sich die Hörer nun wieder auf den gewohnten Marvel Cinema Sound freuen.

Das Drum & Bass Duo aus Köln ist bisher vor allem für ihre gefühlvollen und ausgefeilten Liquidproduktionen bekannt, nun wird auf experimentellen Wegen Richtung Zukunft gewandert. Auf ihrem neuen Longplayer können auch Downbeat und Deep House Nummern bewundert werden. DJ-Support gibt es schon seit Jahren von Pionieren und Legenden wie LTJ Bukem, Grooverider oder DJ Flight. Die beiden Musiker konzentrierten sich die letzten Jahre nur auf das Produzieren und spielten erst vor wenigen Wochen ihr erstes gemixtes Live Set.

Analyse

Obwohl große Künstler Marvel Cinema supporten, ist ihr Name noch nicht jedem Drum & Bass Hörer ein Begriff. Dies wird sich mit einigen Gigs bestimmt ändern. Nun kommen wir dazu euch die einzelnen Tunes vorzustellen. Die Platte besitzt zwei ausgewählte Features vom indischen DJ und Produzenten Sahil Madaan und Dan Guidance aus Bristol/UK. Drum & Bass goes worldwide.

Der erste Track „Montreux Jazz“ stellt eine Hommage an alle fantastischen Jazz Musiker dar. Inspiration für den Titelnamen lieferte das Montreux Jazz Festival in der Schweiz, dem die Beiden einen mysthischen Status zuteilen. Der Opener besitzt einen gediegenen Groove und kreiert eine freudvolle Atmosphäre. „Second World“ ist soundtechnisch angelehnt an Ivy Lab. Marvel Cinema haben hier versucht diese unvergleichbare Deepness aufzugreifen. Ausgewählte Vocals und der immer wiederkehrende Wechsel von einem kurzen Gitarrenelement zu dezent pfeifenden Saxophonpassagen klingt äußerst gelungen. Ein Tune zum verlieben. Genau wie der Titelsong „Subcultures„, auf dem ihre Roots Downbeat und House passend mit liquidem Drum & Bass vermischt werden. Das melancholische „Grey Gardens“ ist ruhig gehalten, geht aber auch gleichzeitig nach vorne. Vor allem die Drums und der Vibe versprühen Glücksgefühle.

Marvel Cinema Promo (c) Jenny Cremer

Marvel Cinema Promo (c) Jenny Cremer

False Prophets“ klingt wie eine Mixtur aus Videospiel-Sound und 90er Rave Hymmne, die stilistisch auf Drum & Bass herunter gebrochen wurde. Ein verrückter, verwurschtelter Sound, der doch in das Gesamtbild passt. Der Track ist eine Kollabo mit Sahil Madaan, dieser betreibt die einzige, regelmäßige Clubnacht in Indien.

Den zweiten Gastbeitrag findet man in „Raingods„. Dan Guidance aus Bristol gesellt sich zu den beiden Domstädtern. Man hört die zusammenlaufende musikalische Wellenlänge der Künstler, das ist der typische Marvel Cinema Sound. Besonders die Höhen und die Tiefen im Ablauf des Songs gefallen. „Come to you“ ist ein weiterer epischer Track, der Techelemente und smoothe Liquidanleihen miteinander verbindet.

Den typischen Sound der Kölner findet man auch in „Frozen Smile„, „Bird Nerd“ und „For You„. Alle drei Lieder sind relativ gleich aufgebaut, klingen jedoch völlig verschieden und wurden sehr individuell gestaltet. „For you“ könnte fast in die Kategorie Chillout fallen, so ruhig und gediegen wie die Melodie vor sich hinplätschert. Eine Spur experimentierfreudiger und abstrakter zeigt sich „Koncept„, hier wurden die Drums selbst aufgenommen und man fühlt sich, als wäre man in einem Outro von einem Science Fiction Film. Titel Nummer Zwölf „Nightdrive“ ist ein deeper Halftime Beat und ihre persöhnliche Interpretation des Autonomic Sounds. Der Titel passt hervorragend und man muss ein wenig an die Soundtracks der alten Need for Speed Reihe denken.

In „Nocturnal“ ist wieder die Nacht das Thema, aber den Beat könnte man eher in die Richtung Deep House einordnen. Man erkennt zusätzlich auch Glitch Elemente und Microhouse beziehungsweise Jan Jelinek als Inspirationsquelle. „Soul System“ und „Away we go“ spannen den Bogen in diese Richtung etwas weiter. Bei letzterem Track schwimmen Dub und Trip Hop Fragmente mit. Der letzte Song „Worldwide Underground“ geht eher etwas in den Hip Hop Sektor. Die beiden Produzenten zeigen wiederum wie vielseitig sie gestrikt sind. Lang lebe Bassmusik, lang lebe der Untergrund.

Fazit

Die Platte zeigt die verschiedenen Aspekte der Subkulturen auf und ist eine Ode an den Untergrund. Die Scheibe ist definitiv keine schroffe Ansammlung einzelner Tracks, sondern die Songs verschmelzen zu einem großen Ganzen. Marvel Cinema schaffen es Seele, Gefühl und dezente Melodien in ihre Musik zu transportieren. Beide Musiker besitzen das Feingefühl kurze Vocalpassagen an den richtigen Stellen zu platzieren.

Die spärlich eingesetzten Vocals wurden routiniert benutzt und mit viel Fachkenntnis eingesetzt. Die Features sind sehr gut gewählt und passen zusammen. Es gibt auf den 16 Tracks viel zu entdecken, besonders die Kleinigkeiten wurden mit viel Liebe zum Detail umgesetzt.

Tracklist öffnen

01. Montreux Jazz
02. Second World
03. Subcultures
04. Grey Gardens
05. False Prophets
06. Raingods
07. Come to you
08. Frozen Smile
09. Bird Nerd
10. For You
11. Koncept
12. Nightdrive
13. Nocturnal
14. Soul System
15. Away we go
16. Worldwide Underground

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