Mit Like Elephants dem Alltag entfliehen
Stimmung
Abwechslung
Stil
Konzept
4.3STERNE

Genug von stressigen Situationen und der Hektik des Alltags, aber keine Zeit für einen Wohlfühlurlaub? Dann ist das Debüt-Album von Like Elephants genau die richtige Lösung.

Wenn wir an Elefanten denken, dann kommen uns gemütliche, riesige Tiere in den Sinn, die einerseits vor Kraft strotzen, andererseits ruhig und besonnen wirken. Ein bisschen so, wie die Musik, die uns die österreichische Indie-Pop-Band Like Elephants liefert. 2014 haben sich die Mitglieder Viktor Koch (Vocals, Guitar), Martin Wührer (Lead Vocals, Guitar), Roland Gugerbauer (Bass), Manuel Hauer (Synthesizers) und Christian Luger (Drums) zu einer Band zusammengefunden, die ein wenig an die Post Punk-Zeiten der 80er Jahre erinnert, aber auch Elemente von Dream Pop und Indieklänge einfließen lässt. Vor gut vier Wochen ist ihr Debütalbum „Oneironaut“ erschienen, das elf Songs beinhaltet, die zum Träumen und Abschalten einladen.

Der Zuhörer wird bereits im ersten Song auf die kommende Platte eingestimmt: „Parasympathikus“ ist ein instrumentaler Track, der Hall-Effekt und Synthesizer-Klänge klar in den Fokus rückt – beides typische Elemente für die Musik von Like Elephants. Anschließend folgt die etwas schnellere Nummer „Hear The Summer„, die zwar auch ein langes Instrumental-Intro besitzt, aber dann doch Vocals, Schlagzeug und Gitarrenriffs stark werden lässt. Textwiederholungen und insgesamt ein zurückhaltender musikalischer Spannungsaufbau sorgen dafür, dass der Zuhörer weder besonders auf den Text noch auf musikalische Details achtet. Vielmehr genießt er die Stimmung, die die Musik erzeugt: Man möchte abschalten und seinen Gedanken Raum geben. Passend, wenn wir uns den Titel der Platte einmal genauer ansehen. „Oneironaut“ bedeutet nämlich etwa so viel wie „Traumreisender“. Das Wort setzt sich aus den griechischen Wörtern „oneiros“ (dt.: Traum) und „nautes“ (dt.: Seefahrer) zusammen.

Es folgt der Song „Mesmerize„, der im dazugehörigen Video ebenfalls die Themen Traum, Traumdeutung und Hypnose aufgreift. Der Track „Funeral“ ist hingegen seiner deutschen Übersetzung „Beerdigung“ ein ebenfalls positiv klingender Song. Das lange instrumentale Intro leitet über zu Gesangpassagen, die diesmal ein wenig entfernter klingen – als würden die Sänger aus veränderter Perspektive zu uns sprechen. Ganz anders hört sich dagegen die Nummer „Red Socks Penguin“ an, in der die Musiker beweisen, dass sie über ganz unterschiedliche Themen singen können. War gerade noch die Rede von Hypnose oder Beerdigung, geht es nun um einen Pinguin als Protagonisten. Dabei wird dem Zuhörer jedoch immer Raum für Interpretationen eingeräumt. Er soll auch textlich die Möglichkeit haben, eigene Ideen zu verfolgen und sich von der eigenen Fantasie inspirieren und treiben lassen. Der Titel „One Of Us“ erinnert zwar eher an eine schnellere Pop-Nummer, bleibt dem Stil der Band im Großen und Ganzen jedoch treu. Ganz ähnlich begegnet uns auch „Forest„.

Der Titel „Daydream„, besitzt eine starke melodiöse Linie, die im Gehör bleibt und damit Wiedererkennugswert schafft. Ein Titel, bei dem anfangs ein wenig mitgesummt und mitgewippt werden kann, bis er etwa bei der Hälfte seine Stimmung verändert. Ähnlich, wie wir es bei Gedankenspielen selbst erleben: Man geht Situationen noch einmal im Kopf durch, erlebt Momente erneut und kommt an Punkte, bei denen Einsicht und Erkenntnis auf einen warten und damit die Emotionen bestimmen. Wenn dann die größten Theorien und längsten Überlegungen allerdings auch zu keinem Ziel führen, hilft vielleicht nur noch Weglaufen, was uns der folgende Titel „Run away“ vielleicht sagen möchte. Im vorletzten Song „Follow Me“ wird wieder die instrumentale Seite der Band stark gemacht und gezeigt, wie positiv und energiegeladen Synthesizer und Co. klingen können. Den Abschluss des Albums bildet der Song „Wake Up„, der zunächst leise, mystisch und dunkel beginnt. Nach und nach fügen sich verschiedene instrumentale Klänge mit ein, bis schließlich der Gesang einsetzt. Diesmal viel deutlicher und verständlicher. Der Zuhörer wird auf das Ende der Platte eingestimmt. Die verträumte Stimmung soll ein Ende finden, damit der Realität wieder Platz gemacht werden kann. Aber nur solange, bis man mit „Oneironaut“ dem Alltag wieder ein bisschen entfliehen möchte.

Entspannte Platte mit Konzept

Cover_Oneironaut

Cover des Albums „Oneironaut“ © Like Elephants

Für Fans von verträumter, entspannter Indie-Pop-Musik ist das Debüt-Album von Like Elephants ein toller Geheimtipp. Für ein größeres Relaxing-Gefühl kann Musik kaum sorgen. Die textlichen Wiederholungen und der zurückhaltende Spannungsaufbau lassen den Zuhörer bereits nach wenigen Takten abschalten und träumen. Gleichzeitig ist das allerdings auch ein kleiner Kritikpunkt. Schnell wirkt die Musik einfach und bietet dem Zuhörer wenig Höhepunkte. Wer auf schnelle Beats und abwechslungsreiche Klänge steht, wird sich bei der Platte von Like Elephants vermutlich ein wenig langweilen. Für eine kleine Auszeit vom Alltag ist das Debütalbum jedoch perfekt geeignet.

Was zusätzlich positiv auffällt, ist das Gesamtkonzept, das die Band bei ihrem Album verfolgt. Dieses beginnt bereits bei der Wahl des Covers, das einen verschwommenen Platz in einem Wald zeigt. Als Abbild einer Tagträumerin dient dabei die farblose Silhouette einer Frau in der Mitte des Bildes. Alle Titel erinnern an die Themen Träumerei, Natur und Leben im allgemeinen Sinn. Genauso wie es in den beiden bisher erschienen Videos zu den Songs „Forest“ und „Mesmerize“ der Fall ist. Dass das Album bei der Abfolge der Titel schließlich auch noch eine eigene Geschichte entwirft, die Ende und Anfang der Traumreise bildet, macht das Album noch ein Stückchen liebenswerter.

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